Warum das Studentenwerk die Burschenschaft vor die Tür setzt

Die Studentenverbindung Teutonia wird Ende März ihren Gemeinschaftsraum in einem der TU-Wohnheime in Bernsdorf verlieren. Der Ärger der Mitglieder richtet sich aber nicht nur gegen den Eigentümer des Gebäudes.

Seit über 20 Jahren betreibt die Studentenverbindung Teutonia einen Gemeinschaftsraum in einem der TU-Wohnheime an der Vettersstraße. In dem rund 18 Quadratmeter großen Raum im Keller des Gebäudes treffen sich die Angehörigen der Gruppierung regelmäßig an der Uni, die sich selbst je nach Dauer ihrer Mitgliedschaft als Füchse, Burschen oder alte Herren bezeichnen. Anfang April wird mit den Treffen Schluss sein. Das Studentenwerk Chemnitz-Zwickau als Eigentümer des Gebäudes hat der Burschenschaft zum 31. März die Nutzungsvereinbarung gekündigt.

Bei Teutonia vermutet man vor allem politische Gründe hinter der Entscheidung. "Der Studentenrat hält uns für diskriminierend, weil wir keine Damen aufnehmen", sagt der Vorsitzende der Burschenschaft, Kay Nagel. Zudem vermute der Studentenrat bei Teutonia "rechtsradikale Tendenzen", weshalb der Burschenschaft die Anerkennung als studentische Initiative verwehrt bleibe, so Nagel. Mitglieder des Studentenrates sind zugleich vertreten im Verwaltungsrat des Studentenwerks, der wiederum über die Nutzung von Räumen befindet.

Die Vorwürfe hingegen seien allesamt haltlos, erklärt Burschenschafter Nagel. Damen gehörten sehr wohl zu Teutonia dazu. Und auch den Vorwurf der Rechtsradikalität wolle man nicht auf sich sitzen lassen. "Wir sind unpolitisch, lehnen aber jeden politischen Extremismus und religiösen Fanatismus strikt ab", sagt Kay Nagel. So sei zum Beispiel auch ein Student libanesischer Abstammung seit Jahren Mitglied in der Vereinigung.

Der TU-Studentenrat bestätigt auf Anfrage der "Freien Presse", dass Vertreter des Gremiums im Verwaltungsrat des Studentenwerks darauf hingewiesen hätten, dass es sich bei Teutonia um keine anerkannte Initiative handelt. Gleichwohl weist Sprecher Sebastian Cedel den Vorwurf zurück, der Studentenrat habe auf eine Kündigung der Räume hingewirkt. Man begrüße zwar die Entscheidung, so Cedel, der Beschluss sei aber vom Studentenwerk selbst getroffen worden.

Auch die Geschäftsführerin des Studentenwerks Chemnitz-Zwickau, Anja Schönherr, weist den Vorwurf zurück, politische Gründe hätten zur Kündigung der Räume geführt. Nach ihren Worten gibt es auf dem Campus zwar über 100 studentische Initiativen, zugleich aber nur eine begrenzte Anzahl von Räumen. Daher sei im Verwaltungsrat der Vorschlag gemacht worden, den Raum, den die Burschenschaft bisher allein nutzt, mehreren Gruppierungen zur Verfügung zu stellen, so Schönherr. Diesem Ansinnen sei man mit der Kündigung des Mietvertrages gefolgt.

Im Übrigen gibt es laut Studentenwerk nur wenige Initiativen auf dem Campus, die eigene Räume nutzen können. Nach den Worten von Anja Schönherr sind dies die Studentenklubs FPM und PEB, der Filmklub Mittendrin sowie christliche und muslimische Gruppen. Es sei aber lediglich der Vertrag der Burschenschafter gekündigt worden, fügt sie hinzu. "Wir behandeln Teutonia deswegen aber nicht schlechter als andere", erklärt die Geschäftsführerin. Stattdessen sei es ein Privileg gewesen, fügt Schönherr hinzu, dass die Studentenverbindung den Raum so lange habe nutzen können.

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