Warum die CVAG keine Elektrobusse einsetzen will

Dresden testet, Leipzig testet - doch in Chemnitz bleibt das Thema Elektromobilität im Nahverkehr trotz Diesel-Debatte auf die Straßenbahn begrenzt. Und das hat Gründe.

Die Richtung ist klar: Straßen- und Stadtbahnen werden in Chemnitz im Nahverkehr an Bedeutung gewinnen. Pläne für den Ausbau des Chemnitzer Modells entlang der Leipziger Straße (in Richtung Röhrsdorf und Limbach-Oberfrohna) und über die Frankenberger Straße (nach Niederwiesa) liegen längst in der Schublade. Gleich welche der beiden Ausbaustufen als nächste in Angriff genommen wird: In beiden Fällen würde ein Teil der Buslinie 21 ersetzt, die zu den am stärksten nachgefragten Angeboten des Verkehrsbetriebes CVAG gehört. Und wenn Ende kommender Woche die neue Linie 3 zur Uni an der Reichenhainer Straße ihren Betrieb aufnimmt, übernimmt sie die Fahrgäste der bislang dort verkehrenden Buslinie 51.

Der Ausbau des Straßenbahnnetzes bedeutet zugleich ein stärkeres Abrücken vom Dieselkraftstoff, mit dem fast alle Busse der CVAG unterwegs sind. Dieselmotoren gelten als Hauptverursacher der Belastung mit gesundheitsgefährdenden Stickoxiden in den Innenstädten. Gerichtlich angeordnete Fahrverbote für Privat-Pkw werden vielerorts bereits nicht mehr ausgeschlossen.

Wäre es da nicht an der Zeit, so fragen Kritiker, dass sich die CVAG auch in Bezug auf ihre gut 90Fahrzeuge umfassende Busflotte mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt? Immerhin hätten im Ausland einige Verkehrsbetriebe längst komplett auf Elektroantrieb umgestellt. "In Chemnitz, der Stadt der Moderne, werden aber noch nicht einmal Hybridmodelle angeschafft", heißt es.

Die Zurückhaltung des Verkehrsbetriebs kommt indes nicht von ungefähr. "Wir sind nicht gegen Elektrofahrzeuge", versichert CVAG-Betriebsleiter Heiko Wolf. "Aber es muss funktionieren." Die Erfahrungen der Nahverkehrsunternehmen in Leipzig und Dresden, die derzeit Elektrobusse testeten, seien eher ernüchternd. "Es gibt Probleme sowohl mit den Ladestationen als auch mit den Batterien", berichtet Wolf. Für einen zuverlässigen Linienverkehr seien die erprobten Systeme noch längst nicht tauglich.

Beispiel Dresden: Seit geraumer Zeit erproben die örtlichen Verkehrsbetriebe DVB einen Elektrobus. Allerdings nur auf einer kleinen Quartierbuslinie, wie Unternehmenssprecher Falk Lösch betont. "Für einen Einsatz auf einer großen Hauptlinie bedarf es noch einiger Entwicklungsarbeit", verdeutlicht er. Ein Knackpunkt: Klimaanlage und Heizung des Fahrzeuges erweisen sich im Alltag als schwer kalkulierbare Stromfresser. Und während der Bus (polnisches Fabrikat) alle Erwartungen erfülle, gebe es mit der an der Strecke installierten Schnellladestation große Probleme. "Für den Regelbetrieb gibt es nach wie vor keine Genehmigung", so Lösch.

Was die Branche abgesehen von den gegenüber herkömmlichen Bussen deutlich höheren Anschaffungspreisen zusätzlich bewegt: Bislang ist noch kein Elektrobus eines deutschen Herstellers verfügbar. Bei den im Ausland verkehrenden Fahrzeugen handele es sich oft um Modelle aus China, die hierzulande nicht zugelassen seien, heißt es. Und was Hybridfahrzeuge betrifft, die sowohl über einen herkömmlichen als auch einen Elektroantrieb verfügen: Diese Busse bringen zumindest nach Einschätzung der CVAG bislang kaum jene Einsparungen, wie sie die Hersteller versprechen.

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12Kommentare
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  • 2
    0
    cn3boj00
    05.12.2017

    Vielleicht sollten die Verantwortlichen der CVAG mal nicht bloß dahin schauen, wo es Probleme gibt, sondern dahin, wo es offenbar funktioniert. In Köln fahren bereits 8 Elektrobusse, und der Kauf von 50 weiteren ist geplant. Wenn es ein Problem mit der Ladestation gibt hat man vielleicht den falschen Hertseller gewählt? Auch andernorts hat man schon klare Vorstellungen vom Umstieg, z.B. in Hamburg oder Wiesbaden.
    Außerdem gibt es auch längst tadellos funktionierende Hybridbusse, z.B. von Volvo. Die sind etwa 10mal sauberer als die Dieselstinker der Euro3-5-Generation. Aber die "Stadt der Moderne" will von modernen Konzepten nichts wissen, das überlässt man TU und Fraunhofer.
    Allerdings ist eines tatsächlich bitter: Noch kein deutscher Hersteller hat so ein Ding fertig. Aber warum auch, wo doch hier der Diesel immer noch hofiert wird? Dass man international den Anschluss verliert stört doch nicht weiter...

  • 1
    1
    Zeitungss
    01.12.2017

    @Hankman: Die TU Zwickau ist mit Entwicklungen am Drücker, was die Stromzuführung für O-Busse betrifft. Ich habe selbst als Gast an einer Vorlesung teilgenommen und war überaus begeistert, was man dort entwickelt.
    Die Fahrleitung für eine O-Bus ist wesentlich aufwendiger als für die Strassenbahn, da doppelpoloig ausgeführt, und deshalb ist auch eine gemeinsame Nutzung nicht möglich. Eins haben sie gemeinsam, beide fahren mit 600-750 V DC.

  • 4
    0
    Hankman
    01.12.2017

    @1953866: Stimmt. Die Idee mit den Oberleitungsbussen hat Charme. Waren früher recht weit verbreitet. Vielleicht entwickelt mal jemand das System weiter? Die Investitionen in die Oberleitungen wären nicht so hoch wie die für komplette Straßenbahntrassen. Da in Chemnitz die Busse im Stadtzentrum stellenweise auf den Straßenbahntrassen rollen, wäre ein Stromsystem ideal, dass beide Verkehrsträger nutzen können.

  • 3
    1
    Zeitungss
    01.12.2017

    Warum die CVAG keine .... . Ganz einfach, weil nicht wirklich etwas dauerhaft BRAUCHBARES auf dem Markt ist und man will die Versuche nicht mit der Kundschaft ausprobieren, die sind bekanntlich empfindlich. Wer Gelegenheit hatte und einen Schienenersatzverkehr für eine Strassenbahn erleben zu dürfen, wird die Vorteile eines schienengebunden Verkehrsmittels zu schätzen wissen, selbst dann, wenn er als Autofahrer gelegentlich dadurch behindert wird. Alles eine Frage der Sichtweise und Einstellung.
    Der E-Bus hat die gleichen Probleme wie das E-Auto, die Stromspeicherung und genau das ist der Punkt. Eine doppelpolige Fahrleitung ist kostenintensiv und verschandelt die Schönheit unserer Städte und Gemeinden, so die Anwohner.
    Aus diesem Grund wurde in Augsburg bei der Tram Versuche mit der induktiven Energieübertragung (also ohne Fahrleitung) gemacht, aus Kosten- und technischen Gründen allerdings abgebrochen.
    Bemerkenswert ist, dass die CVAG den Versprechungen der Hersteller nicht auf den Leim geht. Hut ab, es zeugt von Kompetenz, was heute nicht mehr selbstverständlich ist.

  • 7
    2
    Einspruch
    01.12.2017

    @ingoerler: Es fällt einem schwer, Ihrer Grammatik zu folgen. Könnten Sie etwas deutlicher schreiben?

  • 5
    0
    1953866
    01.12.2017

    @Hankman, Zustimmung, nur wenn man einerseits Autobahnen mit Stromleitungen für E-Lkw bestückt, sollte doch wenigstens über Oberleitungsbusse, die es z. B. in Zwickau gab und in Eberswalde, sowie vielen Orten Osteuropa von Pilsen bis Wladiwostok noch gibt, nachgedacht werden. Das müsste doch einfacher zu realisieren sein, als aufwendige Eingriffe in die Straßen für Schienentrassen.

  • 1
    6
    ingoerler
    01.12.2017

    Srassenbahnstrecken werden gebaut in Chemnitz. Jetzt erst ist die TU Campus / Technopark dann nach Limbach oberfrohna wo wahrscheinlich auch noch linie nach Chemnitz Center geben wird. Dann noch Niederwiesa die auch durch die Stadt neben sachsenallee fahren soll. Also So wie CVAG kenne werden die auch auch mal E-busse nutzen , aber dann müssten die Ladung genauso lang halten wie heutige Dieselbusse der Sprit reicht. Dazu muss halt die Ladezeit kürzer sein, das die schnell wieder einsatzbereit sind.

  • 8
    1
    Hankman
    01.12.2017

    Mag sein, dass es noch Probleme gibt. Aber auf längere Sicht führt kein Weg daran vorbei, Flotten wie etwa Busse auf Elektroantrieb umzustellen. Selbst wenn die Dinger teuer sind, ist das allemal billiger, als neue Straßenbahntrassen zu bauen. Und die kommen ohnehin nur für wenige Strecken in Frage. In der Weimarer Republik und zu DDR-Zeiten gab es in Chemnitz noch viel mehr Straßenbahnlinien. Trassen gab es zum Beispiel auch auf der Limbacher, der Frankenberger, Leipziger und sogar auf der Weststraße. Dort fuhren schmalspurige, eigentlich museumsreife Züge. 1990 gab es nur noch eine der alten Linien, weil nach und nach alle durch Busse ersetzt worden waren. Trassen der nach dem Krieg parallel eingeführten Normalspur-Bahnen passten halt nicht überall hin. Andere Städte (auch in der DDR) haben eine andere Entwicklung genommen und ihre Straßenbahnnetze konsequent weiterentwickelt.

  • 1
    3
    ingoerler
    01.12.2017

    Kann schon sein ich rede ja von Innenstadt. Bei CVAG wäre wenn ich genau überleg jeder Bus betroffen, Nur Innenstadt gemeint, der mit Steigerung zu tun hat. Sogar Gasbusse gibt halt selber noch einige Probleme. Für CVAG wäre Wasserstoffbusse vieleicht interessanter, aber zur zeit Kosten noch zu hoch.

  • 8
    0
    gelöschter Nutzer
    01.12.2017

    @ingo: DD ist Flachland??? Du warst wohl noch nie in Weixdorf, Gombitz, Coschütz oder Bühlau?

  • 3
    2
    fnor
    01.12.2017

    Angeblich soll es auch Oberleitungsbusse geben.

  • 6
    4
    ingoerler
    01.12.2017

    Man muss daran denken das Dresden und Leipzig flachland ist da man eher elektrobusse einsetzen kann. Bei Hybridbusse ist auch so sache, das würde nur nie den akku laden können als er verbraucht. Deswegen finde ich strassenbahn besser als elektrobusse die sind auf der ladung nicht angewiesen.



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