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Erst in den vergangenen Wochen hat der Verkehrsbetrieb CVAG wieder 13 Fahrzeuge der neuesten Stadtbusgeneration in Betrieb genommen. Sie alle werden mit Dieselmotoren angetrieben. Alternativen, insbesondere Elektroantriebe, sind nach Einschätzung der CVAG nicht zuverlässig genug.

Foto: Andreas Seidel

Warum die CVAG keine Elektrobusse einsetzen will

Dresden testet, Leipzig testet - doch in Chemnitz bleibt das Thema Elektromobilität im Nahverkehr trotz Diesel-Debatte auf die Straßenbahn begrenzt. Und das hat Gründe.

Von Michael Müller
erschienen am 01.12.2017

Die Richtung ist klar: Straßen- und Stadtbahnen werden in Chemnitz im Nahverkehr an Bedeutung gewinnen. Pläne für den Ausbau des Chemnitzer Modells entlang der Leipziger Straße (in Richtung Röhrsdorf und Limbach-Oberfrohna) und über die Frankenberger Straße (nach Niederwiesa) liegen längst in der Schublade. Gleich welche der beiden Ausbaustufen als nächste in Angriff genommen wird: In beiden Fällen würde ein Teil der Buslinie 21 ersetzt, die zu den am stärksten nachgefragten Angeboten des Verkehrsbetriebes CVAG gehört. Und wenn Ende kommender Woche die neue Linie 3 zur Uni an der Reichenhainer Straße ihren Betrieb aufnimmt, übernimmt sie die Fahrgäste der bislang dort verkehrenden Buslinie 51.

Der Ausbau des Straßenbahnnetzes bedeutet zugleich ein stärkeres Abrücken vom Dieselkraftstoff, mit dem fast alle Busse der CVAG unterwegs sind. Dieselmotoren gelten als Hauptverursacher der Belastung mit gesundheitsgefährdenden Stickoxiden in den Innenstädten. Gerichtlich angeordnete Fahrverbote für Privat-Pkw werden vielerorts bereits nicht mehr ausgeschlossen.

Wäre es da nicht an der Zeit, so fragen Kritiker, dass sich die CVAG auch in Bezug auf ihre gut 90Fahrzeuge umfassende Busflotte mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt? Immerhin hätten im Ausland einige Verkehrsbetriebe längst komplett auf Elektroantrieb umgestellt. "In Chemnitz, der Stadt der Moderne, werden aber noch nicht einmal Hybridmodelle angeschafft", heißt es.

Die Zurückhaltung des Verkehrsbetriebs kommt indes nicht von ungefähr. "Wir sind nicht gegen Elektrofahrzeuge", versichert CVAG-Betriebsleiter Heiko Wolf. "Aber es muss funktionieren." Die Erfahrungen der Nahverkehrsunternehmen in Leipzig und Dresden, die derzeit Elektrobusse testeten, seien eher ernüchternd. "Es gibt Probleme sowohl mit den Ladestationen als auch mit den Batterien", berichtet Wolf. Für einen zuverlässigen Linienverkehr seien die erprobten Systeme noch längst nicht tauglich.

Beispiel Dresden: Seit geraumer Zeit erproben die örtlichen Verkehrsbetriebe DVB einen Elektrobus. Allerdings nur auf einer kleinen Quartierbuslinie, wie Unternehmenssprecher Falk Lösch betont. "Für einen Einsatz auf einer großen Hauptlinie bedarf es noch einiger Entwicklungsarbeit", verdeutlicht er. Ein Knackpunkt: Klimaanlage und Heizung des Fahrzeuges erweisen sich im Alltag als schwer kalkulierbare Stromfresser. Und während der Bus (polnisches Fabrikat) alle Erwartungen erfülle, gebe es mit der an der Strecke installierten Schnellladestation große Probleme. "Für den Regelbetrieb gibt es nach wie vor keine Genehmigung", so Lösch.

Was die Branche abgesehen von den gegenüber herkömmlichen Bussen deutlich höheren Anschaffungspreisen zusätzlich bewegt: Bislang ist noch kein Elektrobus eines deutschen Herstellers verfügbar. Bei den im Ausland verkehrenden Fahrzeugen handele es sich oft um Modelle aus China, die hierzulande nicht zugelassen seien, heißt es. Und was Hybridfahrzeuge betrifft, die sowohl über einen herkömmlichen als auch einen Elektroantrieb verfügen: Diese Busse bringen zumindest nach Einschätzung der CVAG bislang kaum jene Einsparungen, wie sie die Hersteller versprechen.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 05.12.2017
    14:44 Uhr

    cn3boj00: Vielleicht sollten die Verantwortlichen der CVAG mal nicht bloß dahin schauen, wo es Probleme gibt, sondern dahin, wo es offenbar funktioniert. In Köln fahren bereits 8 Elektrobusse, und der Kauf von 50 weiteren ist geplant. Wenn es ein Problem mit der Ladestation gibt hat man vielleicht den falschen Hertseller gewählt? Auch andernorts hat man schon klare Vorstellungen vom Umstieg, z.B. in Hamburg oder Wiesbaden.
    Außerdem gibt es auch längst tadellos funktionierende Hybridbusse, z.B. von Volvo. Die sind etwa 10mal sauberer als die Dieselstinker der Euro3-5-Generation. Aber die "Stadt der Moderne" will von modernen Konzepten nichts wissen, das überlässt man TU und Fraunhofer.
    Allerdings ist eines tatsächlich bitter: Noch kein deutscher Hersteller hat so ein Ding fertig. Aber warum auch, wo doch hier der Diesel immer noch hofiert wird? Dass man international den Anschluss verliert stört doch nicht weiter...

    0 2
     
  • 01.12.2017
    18:11 Uhr

    Zeitungss: @Hankman: Die TU Zwickau ist mit Entwicklungen am Drücker, was die Stromzuführung für O-Busse betrifft. Ich habe selbst als Gast an einer Vorlesung teilgenommen und war überaus begeistert, was man dort entwickelt.
    Die Fahrleitung für eine O-Bus ist wesentlich aufwendiger als für die Strassenbahn, da doppelpoloig ausgeführt, und deshalb ist auch eine gemeinsame Nutzung nicht möglich. Eins haben sie gemeinsam, beide fahren mit 600-750 V DC.

    1 1
     
  • 01.12.2017
    16:57 Uhr

    Hankman: @1953866: Stimmt. Die Idee mit den Oberleitungsbussen hat Charme. Waren früher recht weit verbreitet. Vielleicht entwickelt mal jemand das System weiter? Die Investitionen in die Oberleitungen wären nicht so hoch wie die für komplette Straßenbahntrassen. Da in Chemnitz die Busse im Stadtzentrum stellenweise auf den Straßenbahntrassen rollen, wäre ein Stromsystem ideal, dass beide Verkehrsträger nutzen können.

    0 4
     
  • 01.12.2017
    16:21 Uhr

    Zeitungss: Warum die CVAG keine .... . Ganz einfach, weil nicht wirklich etwas dauerhaft BRAUCHBARES auf dem Markt ist und man will die Versuche nicht mit der Kundschaft ausprobieren, die sind bekanntlich empfindlich. Wer Gelegenheit hatte und einen Schienenersatzverkehr für eine Strassenbahn erleben zu dürfen, wird die Vorteile eines schienengebunden Verkehrsmittels zu schätzen wissen, selbst dann, wenn er als Autofahrer gelegentlich dadurch behindert wird. Alles eine Frage der Sichtweise und Einstellung.
    Der E-Bus hat die gleichen Probleme wie das E-Auto, die Stromspeicherung und genau das ist der Punkt. Eine doppelpolige Fahrleitung ist kostenintensiv und verschandelt die Schönheit unserer Städte und Gemeinden, so die Anwohner.
    Aus diesem Grund wurde in Augsburg bei der Tram Versuche mit der induktiven Energieübertragung (also ohne Fahrleitung) gemacht, aus Kosten- und technischen Gründen allerdings abgebrochen.
    Bemerkenswert ist, dass die CVAG den Versprechungen der Hersteller nicht auf den Leim geht. Hut ab, es zeugt von Kompetenz, was heute nicht mehr selbstverständlich ist.

    1 3
     
  • 01.12.2017
    15:39 Uhr

    Einspruch: @ingoerler: Es fällt einem schwer, Ihrer Grammatik zu folgen. Könnten Sie etwas deutlicher schreiben?

    2 7
     
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