Warum zwei Laster-Fahrer eine Extra-Tour einlegen

An den Feiertagen sind Lkw-Lenker zur Zwangspause auf Rastplätzen gezwungen. Dort erhielten sie unverhofft Besuch.

Der 29-jährige Oleksandr Derunets muss warten. Warten, bis das Feiertags-Fahrverbot für Laster wieder aufgehoben ist. Bis seine Tour Polen - Baden-Württemberg - Polen endlich weitergehen und er zurück zu seiner Familie kann. Die Bescherung nachholen. Es ist das erste Weihnachtsfest, das der Pole fernab der Heimat verbringt. "Am meisten vermisse ich mein zweijähriges Kind", sagt er. Gemeinsam mit Berufskollegen sitzt er am ersten Feiertag auf dem Rasthof Auerswalde an der A4 - und plötzlich zeichnet sich ein Lächeln auf seinen Lippen ab. Sven Fritzsche und Andreas Brosam stehen mit Überraschungen an der Tür.

Die beiden sitzen von Berufs wegen selbst hinter einem Brummi-Lenkrad und gehören dem Kraftfahrerkreis Chemnitz-Zwickau an. Bereits im vierten Jahr haben sie den auf Rastplätzen gestrandeten Lkw-Fahrern, die laut Fritzsche vorwiegend aus Osteuropa stammen, Weihnachtspäckchen überbracht. Insgesamt steuerten sie 25Parkplätze zwischen Dresden und Hof an und packten die Geschenketüten aus. Drin waren frisches Obst, Süßigkeiten, selbst gebackene Plätzchen, Kugelschreiber, Notizblock sowie eine Taschenlampe.

Beim Packen und Verteilen der Geschenke erhielten Fritzsche und Brosam Unterstützung von weiteren ehrenamtlichen Helfern. Erstmals konnten in diesem Jahr alle 80Präsente vergeben werden, so Fritzsche. Im nächsten Jahr sollen es noch mehr werden, "um wirklich allen Fahrern eine kleine Freude bereiten zu können", kündigt Brosam an. Finanziert wurden die Päckchen ausschließlich über private Spenden sowie einem Zuschuss von der Gewerkschaft Verdi. Im ersten Jahr übernahm Andreas Brosam noch alle Kosten selbst. "Obwohl die Fahrer aus Osteuropa selbst wenig besitzen, haben wir zum Dank manchmal Apfelsinen oder auch eine Schachtel voll mit Bonbons zurückbekommen. Andere haben angefangen zu weinen", erzählt Fritzsche.

Gestern, 22 Uhr, ist das Lkw-Fahrverbot aufgehoben, die Weihnachtsflaute für Brummifahrer beendet worden. Oleksandr Derunets, der 29-jährigen Pole, ist inzwischen auf dem Weg nach Hause.

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