Wenn jeder Tag zum Kraftakt wird

Nur dank eines Elektrorollstuhls kann sich die 17-jährige Sabrina Kießl selbstständig fortbewegen. Doch der steht ihr nicht immer zur Verfügung. Eine Spendenaktion soll Abhilfe schaffen.

Ein wenig Bammel hatte Sabrina Kießl schon, als sie sich vor anderthalb Monaten auf den Weg im Berufsbildungswerk des SFZ Förderzentrums an der Flemmingstraße machte. Mit einigen Wochen Verspätung begann die 17-Jährige dort ihren berufsvorbereitenden Lehrgang - die Bewilligung der Maßnahme hatte sich auf dem zuständigen Amt lange hingezogen. Wie würden die anderen im Kurs auf den Nachzügler reagieren? Würde sie mithalten können, den versäumten Stoff rasch aufholen?

Die Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Auch dank ihrer Drillings-Schwester Alina, die denselben Kurs besucht und sie mit Aufgaben zur Vorbereitung daheim versorgt hatte. Beide leben mit körperlichen Handicaps - Folgen erheblicher Komplikationen während der Geburt. Anders als ihre Schwester Vanessa, die Dritte im Bunde, sind sie auf Unterstützung angewiesen.

Sabrina ganz besonders. Ihre gesundheitlichen Probleme hatten sich vor zwei Jahren derart ausgeweitet, dass sie sich seither nur noch mithilfe eines Elektro-Rollstuhls selbstständig fortbewegen kann. Darüber hinaus benötigt sie Unterstützung, weil sie nicht in der Lage ist, ihre linke Hand selbstständig zu öffnen. So tippt sie einhändig in den Computer - eine Spezialtastatur, mit der dies einfacher von der Hand ginge, ist seit Monaten beantragt, aber noch nicht bewilligt. Bei vielen Tätigkeiten - Tasche auspacken, An- und Auskleiden, Mittagessen - steht ihr während der Berufsvorbereitungsmaßnahme eine sogenannte Einzelfallhelferin zur Seite.

"Das funktioniert ganz gut", sagt Tina Hantzsch, ihre Ausbilderin. Elf Monate dauert die Maßnahme, die Jugendliche auf eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich vorbereitet. "Ohne ihren Elektro-Rollstuhl wäre es für Sabrina hier weitaus schwieriger", schildert sie. Zumal die Schüler auf dem weitläufigen Gelände mitunter von einem ins andere Gebäude wechseln müssen. Der Weg dorthin wäre ohne den Rolli für Sabrina ebenso wenig selbstständig zurückzulegen wie der zum Lebensmittelmarkt um die Ecke, wo sich die 17-Jährige in Begleitung hin und wieder einen Pausen-Snack besorgt.

"Es wäre ihr wirklich zu wünschen, dass sie sich den Alltag am Nachmittag zu Hause ebenso erleichtern kann", sagt Tina Hantzsch. Sie weiß um das Problem ihres Schützlings: Der schwere Elektro-Rollstuhl passt nicht in das Auto von Mutter Jana Kießl, muss daher über Nacht in der Schule bleiben. Mit der Hilfe der 38-Jährigen wechselt Sabrina nach Unterrichtsschluss in einen Klapp-Rollstuhl, den sie aus eigener Kraft aber nicht bewegen kann.

Ein größeres Fahrzeug, mit hohem Dach und einer Rampe zum Ein- und Ausfahren, würde der 17-Jährigen und ihrer Familie das Leben enorm erleichtern. Nicht nur beim Weg zur Schule und wieder nach Hause, sondern auch am Nachmittag, wenn beinahe täglich Termine anstehen - beim Arzt, in der Physiotherapie oder in Reha-Einrichtungen. Der Verein "Leser helfen" der "Freien Presse" hat daher eine Spendenaktion initiiert, die bei der Finanzierung eines solchen Autos für Sabrina, ihre beiden Schwestern und die alleinerziehende Mutter helfen soll. Erste Überweisungen sind bereits eingegangen.

Im Internet können Sie weitere Infos über aktuelle Spendenprojekte erhalten. Zugleich haben Sie die Möglichkeit, dort Ihre Spende direkt zu überweisen. Dafür bedanken wir uns herzlich!

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