Wie Chemnitz vom Kosmonaut-Festival profitiert

Morgen kommen sie: Tausende Musikfans, die bis Sonntagmorgen am Stausee Rabenstein zelten, feiern und dutzenden Bands lauschen. Damit tragen sie unbewusst zu mehr bei als nur zur guten Stimmung.

Wer bei Google das Wort Kosmonaut eingibt, erhält nicht Sigmund Jähn als ersten Treffer. Nein, die ersten Ergebnisse verweisen auf das Festival Kosmonaut, das ab morgen in Chemnitz stattfindet. Treffer Nummer vier ist der Wikipedia-Eintrag zu Raumfahrer, danach kommen wieder Verweise zum Festival.

Für Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft CWE, sind solche Verknüpfungen ein Gewinn. Denn die Festivalbesucher - im vergangenen Jahr waren es rund 15.000 - kommen aus ganz Deutschland. Die Stadt gewinnt dadurch an Bekanntheit. Und bei diesem Thema sieht Uhle das größte Manko: "Zu wenige kennen Chemnitz." Bei Umfragen, was sie mit Chemnitz verbinden, würde heute noch die Mehrheit Karl-Marx-Stadt und den CFC nennen. Dass die Stadt heute aber viel mehr zu bieten habe, hätte sich noch nicht genug rumgesprochen. Das Kosmonaut-Festival "zahlt darum wesentlich ins Thema Bekanntheit ein", sagt Uhle. Dazu trage auch die deutschlandweite mediale Aufmerksamkeit, zum Beispiel in Musikmagazinen, bei. Und noch einen Effekt hat das Festival: "Es passt genau zu der Zielgruppe, die wir in Chemnitz halten wollen", sagt Susan Endler, verantwortlich für Tourismus und Marketing bei der CWE.

Auch die Chemnitzer Hotels profitieren laut CWE vom Festival. "Die Stadt ist sehr gut gebucht, das sagt die Hotelerie durch die Bank weg", so Endler. Natürlich wisse man nicht zu 100 Prozent, aus welchem Grund die Gäste kommen. Aber man müsse auch an die Mitarbeiter und Künstler denken, die sicherlich nicht im Zelt schlafen, sagt Uhle. Das Festival, das in diesem Jahr zum vierten Mal stattfindet, sei noch ein zartes Pflänzchen. Es habe aber in der Szene einen guten Markenwert. Jetzt komme es darauf an, dass auch die Stadt von dieser Marke profitiert und man deutschlandweit das Kosmonaut in Chemnitz verortet.

Nicht profitieren vom Festival können nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Einzelhandel und Gastronomie, weil die Festivalgäste in Rabenstein zelten und dort Speisen und Getränke kaufen (es gibt einen Festivalsupermarkt), teilt Ilona Roth, Geschäftsführerin des Bereichs Handel und Dienstleistungen mit. Von Buchungen durch Künstler und Techniker profitiere ihrer Ansicht nach nur ein Hotel, das Partner des Festivals ist. Doch auch Roth sieht: "Das Festival ist wichtig für das Image der Stadt." Es erhöhe den Bekanntheitsgrad und sei mit der Botschaft verbunden, dass es in Chemnitz attraktive Angebote für junge Leute gebe.

Da das Festival am Stausee stattfindet, zahlen die Veranstalter Miete an die Eissport- und Freizeit-Gesellschaft, eine städtische Tochterfirma. Wie hoch diese ist, sagt Geschäftsführer Sascha Brandt nicht. Allerdings fehlen durch die einwöchige Schließzeit die Umsätze der Badbesucher. Verlust und Gewinn hielten sich dadurch die Waage, so Brandt. Einen Reibach kann auch der Verkehrsbetrieb CVAG nicht machen, der einen für die Besucher kostenlosen Shuttle-Service anbietet. Zwar nehme man damit einen unteren fünfstelligen Betrag ein. Der decke aber laut Sprecher Stefan Tschök nur die Kosten. Zudem müsse die CVAG aufgrund vieler Baustellen derzeit aufwendige Ersatzverkehre organisieren und leide unter einem hohen Krankenstand. Darum habe sich die Unternehmensführung die Frage, ob überhaupt ein Angebot für den Shuttleservice gemacht wird, reiflich überlegen müssen.

Gut profitiert Peter Barthel, Inhaber des Campingplatzes Rabenstein, vom Kosmonaut. Er sei sehr skeptisch gewesen, da er mit den Gästen des Splash-Festivals, das früher am Stausee stattfand, schlechte Erfahrungen gemacht habe. Doch die "Kosmonauten" seien sehr angenehme Gäste. Er sei nun, wie im vergangenen Jahr auch, ausgebucht.

Tickets für das Kosmonaut gibt es in allen Shops der "Freien Presse". Für beide Tage kostet es 84,75 Euro, ein Tagesticket jeweils 51,75 Euro.


Kommentar: Die richtige Richtung

Ob nun die Hotels und Restaurants vom Kosmonaut profitieren oder nicht, ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass das Festival zum Pflichttermin im Kalender junger Leute wird. Ein Image-Zuwachs ist der größte Gewinn, den die Stadt haben kann - und braucht. Zu viel erwarten sollte man aber auch nicht. Denn ein Festival kann nur ein kleiner Teil des Images einer Stadt sein. Nach wie vor ziehen Uni-Absolventen in Städte mit urbanem Lebensgefühl. Kosmonaut, Rock am Kopp und die Fête de la Musique sind Schritte in die richtige Richtung. Aber Chemnitz hat noch einen langen Weg vor sich.

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4Kommentare
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  • 2
    0
    Blackadder
    24.06.2016

    @Nikalx: Wäre schön, wenn sie meine Kommentare richtig lesen würden. Nicht ich sehe das so, sondern eine der größten Musikzeitschriften Deutschlands: der Musikexpress.

  • 0
    3
    Nikalx
    23.06.2016

    Kosmonaut ist doch nur ein Nischenfestival mit einer begrenzten Zielgruppe. Blackadder, wo sie "ein stilistisch breit gefächertes Programm, das ... auch Rock-Fans zufriedenstellt" sehen, bleibt auch ihr Geheimnis.

  • 7
    1
    Blackadder
    23.06.2016

    Ich verstehe dies hin und her Rechnerei überhaupt nicht - für mich wiegt der Imagegewinn durch das Komsonautfestival so schwer, dass sich alles andere auf jeden Fall lohnt. Wenn einem auf dem Festival in der Schlange vom Mädchenklo Besucherinnen aus dem Ruhrgebiet und der Schweiz erzählen, dass sie nie gedacht hätten, dass es in Chemnitz so schön ist, relativiert sich vieles. Der Musikexpress, eine der größten Musikzeitschriften Deutschlands schrieb letztes Jahr: "Mit sichtlichem Stolz vermelden Kraftklub: 13.000 Tickets weg. Die dritte Auflage des Kosmonaut Festivals: ausverkauft. Die bekanntesten Söhne Karl-Marx-Stadts ? pardon ? Chemnitzs und Initiatoren des Festivals haben auch jeden Grund mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein. Auf dem ehemaligen Splash!-Gelände am Stausee Rabenstein haben Kraftklub in kürzester Zeit eines der wichtigsten und besten Festivals Ostdeutschlands aufgebaut und Chemnitz aus dem musikalischen Dornröschen-Schlaf geweckt, den es hielt, seitdem Deutschlands Hip-Hop-Festival Nummer Eins ihm den Rücken zugekehrt hat. Dabei setzen die Macher auf ein stilistisch breit gefächertes Programm, das sowohl Rap- als auch Rock-Fans mehr als zufriedenstellt...."

  • 4
    0
    Eltdix
    23.06.2016

    Liebe Grüße vom Campingplatz, leider hat Frau Peters nur die Hälfte unseres Gespräches wiedergegeben. Zwar sind wir über zwei Tage ausgebucht, nicht aus Mangels an Platz sondern begrenzter Sanitärkapazität, dafür büßen wir aber viele Gäste welche im selben Zeitraum für längere Zeit kommen würden ein. Also rein Finanziell hält sich der gewinn durch die "Kosmonauten" in Grenzen. Was stimmt ist, dass es bisher sehr angenehme Gäste waren, und wir froh sind das da überhaupt etwas für die Jugend dieser Stadt getan wird. Peter Barthel



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