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Die denkmalgeschützten Schillingschen Figuren "Die Tageszeiten" im Schloßteichpark werden momentan gereinigt. Restauratorin Jessica Schwarze arbeitet an der Figurengruppe "Nacht".

Foto: Andreas Seidel

Wohin mit den Schillingschen Figuren?

Der Stadtrat ist gespalten: Die einen favorisieren als Standort der Kunstwerke den Theaterplatz, andere sind dagegen. Sie fürchten Kosten, die in die Hunderttausende gehen.

Von Sandra Häfner
erschienen am 08.09.2017

Schönheitskur für vier Kunstwerke: Versteckt hinter Gerüsten und geschützt unter Planen werden die Schillingschen Figuren derzeit von Experten gereinigt. Vor allem Moos und Flechten bedecken die Oberflächen der Sandstein-Figuren, berichtet Restauratorin Dana Krause. Verantwortlich dafür seien Mikroorganismen, die Bäume absondern, die rund um die Figurengruppe am Schloßteichpark stehen, so Krause. Nach der Säuberung mit einem Dampfstrahlgerät erhält das denkmalgeschützte Quartett eine Lasur, die der Farbe hellen Sandsteins ähnele. Der dunkle Ton, den das Ensemble derzeit aufweist, sei die Folge natürlicher Alterung, so die Restauratorin. Dieser Ton werde überstrichen, die Figuren dann ähnlich aussehen wie nach ihrer Fertigstellung vor 150 Jahren. Die Arbeiten, die die Stadt rund 55.000 Euro kosten, sollen im November beendet sein.

Doch ob die frisch überholte Statuengruppe künftig an ihrem Standort bleibt, ist fraglich. Eine Untersuchung des städtischen Denkmalamtes und des Landesamtes für Denkmalpflege ergab drei Kriterien, die der Standort für die Figuren erfüllen muss. Diese seien am Schloßteich aber eher nicht gegeben: So sollte die Treppenanlage für die Figuren einen Höhenunterschied von mindestens drei Metern aufweisen, der neue Platz repräsentativ im Stadtzentrum mit einer Bebauung möglichst aus dem 19. Jahrhundert sein und es keinen dichten Baumbestand über der Skulpturengruppe geben. Das Ergebnis war eindeutig - beide Ämter favorisieren als Standort des eindrucksvollen Ensembles den Theaterplatz mit den denkmalgeschützten Gebäuden. Dort sei die Gefahr, dass die Sandsteinoberflächen durch das Ansetzen von Moos oder durch Vandalismus zerstört werden, weitaus geringer als am derzeitigen Standort, heißt es in der Beantwortung einer Ratsanfrage, die CDU-Stadtrat Andreas Marschner an die Verwaltung gerichtet hatte.

Doch das Ensemble einfach umsetzen, geht nicht. Um den notwendigen Höhenversatz von drei bis vier Metern zu erzielen, bedarf es laut Verwaltung einer "großzügigen Freitreppe". Das würde den Rückbau der Treppenanlage (Theatron) bedeuten und sei mit "erheblichen baulichen und finanziellen Aufwendungen" verbunden. Die Meinungen dazu gehen im Stadtrat weit auseinander. CDU-Fraktionsvorsitzender Tino Fritzsche plädiert klar für die Umsetzung der Figuren. Am Theaterplatz kämen sie nicht nur besser zur Geltung, auch vor Vandalismus seien sie besser geschützt. Zudem habe er den Eindruck, dass das Theatron bei den Chemnitzern nie gut angekommen sei, ein Rückbau auf wenig Widerstand träfe, so Fritzsche. Völlig anders sieht das Detlef Müller: "Alles soll so bleiben wie es ist. Im Park sind die Figuren gut aufgehoben", so der Fraktionschef der SPD. Er rechnet mit hohen Kosten. Nicht nur das Theatron müsse weichen: "Der Aufzug müsste wohl auch weg." Er vermutet, dass für das Vorhaben ein sechsstelliger Betrag fällig wäre: "Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis." Für die Linke ist die Frage zur Umsetzung der Figuren ein klarer Fall von Bürgerbeteiligung, so Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper. Das Kunstensemble bewege die Chemnitzer außerordentlich, deshalb dürfe über dessen Zukunft "nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werden". Für Thomas Lehmann, Chef der Grünen im Rat, ist der Fall klar: "Die Figuren gehören auf den Theaterplatz." Zum einen stehen dort weniger Bäume als im Schloßteichpark, das sei gut für die Erhaltung der Figuren. Zum anderen gebe es durch den Abriss der "Bausünde" Theatron die Chance, die Trennung zwischen Theaterplatz und Straße der Nationen endlich aufzuheben.

Sollten die Schillingschen Figuren auf dem Theaterplatz aufgestellt werden? Stimmen Sie ab!

 
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Kommentare
5
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 09.09.2017
    00:00 Uhr

    vitaminbonbon: @cn3boj00: Nein, mir geht es ganz und gar nicht ums Verhindern, gar Blockieren. Ich bin lediglich der Meinung, dass wir erstmal Prioritäten setzen sollten. Es ist absehbar, dass wir uns - ausweislich der vorliegenden Zahlen - über den Neubau von Grund- und eventuell Oberschulen (über die geplante OS Hartmannstraße hinaus) einigen müssen. Möglicherweise müssen auch weitere, über die bereits geplanten hinaus, Kitas gebaut werden. In der Situation müssten erstmal Schwerpunkte für die nächste Zeit benannt werden, zumal Schule/Kita eben auch "Pflicht"aufgaben der Stadt sind, die wir gern machen sollten und auch müssten. Ich bin echt der Schatzkanzler und muss auch keine Finanzen bewachen. Aber wenn neue Ausgaben absehbar und unausweichlich sind, sollten andere, vielleicht sogar wünschenswerte, Investitionen zunächst zurückstehen. Viele Grüße, Detlef Müller

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  • 08.09.2017
    17:03 Uhr

    Felto84: Natürlich passen auf den Theaterplatz tausende Menschen. Das ändert aber nichts daran, das die Figuren (wenn sie dort stehen) den Blick auf drei der schönsten Gebäude verstellen werden und daher auch nicht einzeln wahrgenommen werden können. Als sie ursprünglich dort standen, war das anders.

    Ich gebe Ihnen Recht, dass der aktuelle Standort nicht günstig ist, aber ich halte den Theaterplatz auch nicht für die optimale Lösung. Wenn es die Mehrheit will, sollen die Figuren natürlich dorthin, aber besonders toll fände ich es nicht.

    Man sollte auch bedenken, dass aufgrund der nötigen Umbaumaßnahmen der TP dann wohl ein bis zwei Jahre zur Baustelle werden wird. Das ist natürlich auch ein anfechtbares Argument, weil man damit gegen jeden Neubau sprechen könnte, aber hier muss man sich dann schon überlegen, ob der Aufwand gerechtfertigt ist und Chemnitz nach so kurzer Zeit den schönsten Platz der Stadt wieder aufreißen möchte. Wir hätten an anderer Ecke deutlich größeren Bedarf. Man könnte zum Beispiel auch überlegen, ob in dem geplanten Areal zwischen Parteifalte und Opernhaus ein schöner Platz für diese Figuren entstehen könnte. Es muss nicht alles Schöne auf wenige Quadratmeter gestellt werden. Aber der Wunsch nach komprimierter Bebauung scheint tief im Stadtrat zu wurzeln.

    0 2
     
  • 08.09.2017
    15:43 Uhr

    cn3boj00: Tatsache ist, dass diese letzte Ecke am Schloßteich aktuell kein guter Platz sind. Auch gab es dazu schon einmal eine Diskussion, bei sich die Mehrheit für den Theaterplatz ausgesprochn hatte. Wieso der ui klein sein sollte erschließt sich mir nicht, da passen doch paar tausend Menschen drauf. Ob eine Treppe nun 4m hoch sein muss, darüber kann man streiten.
    Was mir auffällt, sind die dauernden Blockaden des Bundestagsabgeordneten und -kandidaten Müller. Er tut im Stadtrat andauernd so, als müsse er allein die Finanzen der Stadt Chemnitz bewachen. Er hat schon eine Schwimmbadlösung für den Norden der Stadt verhindert, jetzt stellt er sich schon wieder gegen etwas. Und jedensmal ist nicht der Nutzen für die Bürger und die Stadt, sonder das "zu teuer" das Totschlagargument. Solche Leute braucht Chemnitz nicht.

    2 3
     
  • 08.09.2017
    13:57 Uhr

    Noergelchen: Kunst und ihre Erhaltung und Pflege im öffentlichen Raum wird von den Steuergeldern der Chemnitzer finanziert. Daher ist es unerlässlich, dass die Bürger im Rahmen der direkten Demokratie ein umfassendes Mitspracherecht erhalten. Es ist nicht hinzunehmen, wenn an den Auffassungen der Mehrheit vorbei einige Wenige ihrer elitären Kunstauffassung frönen können. Im Chemnitzer Stadtrat sollte man aus den Pannen der Vergangenheit zwischenzeitlich gelernt haben.

    2 5
     
  • 08.09.2017
    10:44 Uhr

    Felto84: Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Figuren am Theaterplatz gut zur Geltung kämen. Der Platz ist relativ klein und hat mit dem König-Albert-Museum, dem Opernhaus, der Petrikirche und dem Chemnitzer Hof vier sehr wirkungsvolle Gebäude. Wenn man dort nun auch noch die Figuren dazustellt, wird das einfach zu viel. Ein voll gestellter Platz wirkt dann evtl. gar nicht mehr; im Moment gehört er zu den schönsten der Stadt.

    Natürlich standen die Figuren schon einmal an dieser Stelle. Der Platz war aber damals deutlich größer, da der Chemnitzer Hof noch nicht gebaut war und der Theaterplatz mit dem Schillerplatz eine großflächige Einheit bildete. (http://www.vosi-piraten.de/wp-content/uploads/2016/12/theaterplatz.jpg) In diesem Umfeld konnten die Figuren ihre Wirkung entfalten (https://media.tag24.de/1/c/2/c2ac4525d1139537860d.jpg). Dieses Umfeld gibt es aber nicht mehr. (Oder man reißt den Chemnitzer Hof ab.)

    Es gibt so viele freie Plätze in Chemnitz. Warum will man die wenigen alten Glanzstücke, die diese Stadt vorweisen kann, auf einen einzigen Platz konzentrieren? Die Forderung nach einem Platz mit Bauten aus dem 19. Jhd. schränkt die Platzwahl natürlich stark ein. Mir erschließt sich aber nicht, warum diese Figuren nicht an einem anderen Ort - im Kontrast zu anderen, neueren Gebäuden - nicht deulich besser wirken könnten. Aber Denkmalpflege ist leider oft auch Prinzipienreiterei.

    Der Vorschlag der Linken, die Bürger zu fragen, ist zu begrüßen. Die Darstellung des Theaterplatzes als alternativlosen Standort durch den Grünen Lehmann hingegen ein Rückfall in die Zeiten vor 1990.

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