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Die Linie RE6 pendelt zwischen Leipzig und Chemnitz. Gestern Vormittag kam der Zug pünktlich, das ist nicht immer so.

Foto: Andreas Seidel

Zugausfälle und schlechter Service: Das sagt der Betreiber

Wegen erkrankter Lokführer sind Bahnen nach Leipzig nicht gefahren oder hatten Verspätung. Aber das ist nicht das einzige Problem, über das sich Fahrgäste ärgern.

Von Mandy Fischer
erschienen am 12.10.2017

Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) räumt Probleme auf der Strecke Chemnitz-Leipzig wegen personeller Engpässe ein. Am Wochenende hatten Fahrgäste, die mit dem jeweils ersten Zug ab Hauptbahnhof fahren wollten, gleich zwei Tage hintereinander vergebens gewartet. Am Freitag startete der 4.21-Uhr-Zug verspätet, am Samstag fiel er komplett aus. Betroffen waren auch Berufspendler, wie einer von ihnen berichtet. Sie hätten wie immer in solchen Fällen lediglich einen sogenannten Servicezettel erhalten, auf dem der Ausfall durch die MRB bestätigt wird. Wie oft das Arbeitgeber noch akzeptieren, sei eine Frage der Zeit, so der Chemnitzer.

Beide Fälle bestätigt die MRB-Pressestelle nach mehreren Tagen. Interne Recherchen, heißt es weiter, ergaben, dass an beiden Tagen kurzfristige Krankmeldungen von Lokführern die Ursache für Ausfall und Verzögerung gewesen seien. Am ersten Tag sei es noch gelungen, einen anderen Lokführer umzudisponieren, sodass die Fahrt erfolgen konnte, wenn auch mit Verspätung. Allerdings mussten die Passagiere frieren, weil wegen fehlenden Personals die Züge auch nicht geheizt waren, schildert der Chemnitzer. Die Regel seien derartige Ausfälle nicht, versichert die MRB. Vielmehr handle es sich "um eine absolute Ausnahme".

Das Personalproblem ist hausgemacht, sagt Klaus-Peter Schölzke. Der stellvertretende Landesvorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL kritisiert, dass die MRB nicht selbst ausbilde, weder Eisenbahner noch Kundenbetreuer, und so junge Leute an das Unternehmen binde. Die MRB gehört zum privaten Bahnkonzern Transdev. Dieser bildet an seinen Hauptstandorten aus. Die Transdev-Gruppe ist Tarifpartner der GDL. Nach Gewerkschafts-Informationen will die Mitteldeutsche Regiobahn jetzt auf den personellen Engpass reagieren und neue Lokführer einstellen.

Aus Sicht von Schölzke trägt aber auch der Auftraggeber, der Verkehrsverbund Mittelsachsen, eine Mitschuld an den Personalsorgen. Würde ein Betreiber den Zuschlag für mehrere Strecken erhalten, wäre auch dessen Personalpool größer. So hätten die Strecken Chemnitz-Leipzig und Dresden-Hof gemeinsam ausgeschrieben werden können, sagt Schölzke.

Zugausfälle und Verspätungen wegen fehlenden Personals sind zuletzt allerdings nicht das einzige Ärgernis auf der Strecke Chemnitz-Leipzig gewesen. Einige Tage zuvor brauchten die Fahrgäste zwischen Chemnitz und Leipzig eine starke Blase. Während der Fahrt jedenfalls konnten sie keine Toilette im Zug nutzen, weil alle defekt waren. Das brachte vor allem Eltern mit Kindern in Bedrängnis, beschrieb ein Passagier nach der Fahrt. Auf Beschwerden von Fahrgästen habe das Personal zudem schroff und unangemessen reagiert, schließlich seien die Passagiere selbst die Verursacher der Verstopfungen, hieß es. Der Chemnitzer hatte erwartet, dass der Zug nach der ersten Tour aus dem Verkehr gezogen wird. Das aber ist nicht passiert. Die Verantwortlichen schickten die Bahn fahrplanmäßig zurück nach Leipzig. Die MRB-Pressestelle bestätigt den Vorfall. Nach ihrer Schilderung komme es derzeit häufig zu Verstopfungen der Zugtoiletten, weil Papier unsachgemäß entsorgt werde - trotz erklärender Piktogramme in den Abteilen. Die Fahrzeuge würden mitunter nicht sofort aus dem laufenden Betrieb genommen, um Verspätungen zu vermeiden und Anschlussverbindungen nicht zu gefährden. Dennoch werde eine Reparatur "umgehend veranlasst", hieß es. Für den unangemessenen Ton der Mitarbeiter lässt die MRB-Pressestelle eine Entschuldigung ausrichten. Mit dem Personal, das im Einsatz war, werde ein Gespräch geführt.

Wegen mangelnden Komforts bzw. Services - wie fehlender Klimaanlagen, schwergängiger Türen, veralteter Einbauten - gibt es seit zwei Jahren Kritik, seit die MRB den Auftrag für die Streckenbetreibung erhielt. Aus Sicht der Verkehrsbetriebe soll es sich nur um eine Übergangslösung handeln, die allerdings bis mindestens 2023 dauert. Laut Geschäftsbereichsleiter Peter Korda war bis dahin die Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig zugesagt. Deshalb wurden keine neuen Bahnen gekauft. Im Bundesverkehrswegeplan hat die Strecke jedoch keine Priorität gegenüber anderen Bahn-Projekten in Sachsen.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
4
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 12.10.2017
    21:18 Uhr

    Zeitungss: Der Sachse bekommt ,was er sich immer gewünscht hat. Dieses armselige Land braucht FÜNF Verkehrsverbünde um den Bürger von A nach B zubringen. Für die Unterbringung von unterfinanzierten Stadtfürsten und LandRädern mag es eine feine Sache sein, für den Nutzer des ÖPNV eher nicht. Für diesen Personenkreis wäre der Einstieg in "IHR Produkt" schon ein ein Problem, sie wüssten nicht wo die Türen sind und am Dienstwagen bekommt man sie aufgehalten und die Kosten trägt ebenfalls der Kunde welcher gelegentlich den ÖPNV benutzt.
    Ich persönlich glaube nicht mehr daran, dass die Betroffenen jemals noch aufwachen.
    Wie ist der Karl-Marx-Städter damals nach Leipzig und gekommen, richtig mit dem Zug und zwar ohne Probleme der Neuzeit.

    1 1
     
  • 12.10.2017
    10:26 Uhr

    cn3boj00: @Felto84: Sie sprechen mir aus dem herzen. Die FP versteht sich wohl als "unpolitisches Tageblatt für die breite Mitte der Bevölkerung", so wie sich Frau Merkel als "unpolitische Kanzlerin für die breite Mitte der gesellschaft" versteht. Man will es allen recht machen, ja nicht anecken, ja keine Kritik. Seit Monaten bemängel ich die unkritische Haltung der FP, fehlende Recherchen, kaum journalistische Aufarbeitung. Es werden Pressemitteilungen veröffentlicht, und oft liest man 3 mal das gleiche. Treffende kritische Kommentare wie von Herrn Becker sind da eher die seltene Ausnahme. Ich weiß, das hat jetzt nichts mit der Bahn zu tun. Aber das Problem ist eines der sehr vielen im Puzzle, was die Sachsen eigentlich bewegt, warum sie so abstimmen. Denn die Ursachen sind wie überall die gleichen: Das reiche Deutschland, in dem die Wirtschaft brummt, und in dem wir gut und gerne leben, hat vor dem Osten und besonders vor Sachsen halt gemacht. Hier wird sich zu Tote gespart, eben auch im ÖVPN. Vielleicht sollte die FP endlich mal aus dem Winterschlaf aufwachen, ihre Reporter auf die Straße schicken (und das nicht nur wenn sich ein Nachbar durch die Hecke des anderen bedroht fühlt) und fragen: was läuft schief in Sachsen?

    0 9
     
  • 12.10.2017
    08:32 Uhr

    ArndtBremen: Hallo Frau Ludwig. Läuft in Chemnitz, oder?

    8 4
     
  • 12.10.2017
    08:16 Uhr

    Felto84: "Würde ein Betreiber den Zuschlag für mehrere Strecken erhalten, wäre auch dessen Personalpool größer. So hätten die Strecken Chemnitz-Leipzig und Dresden-Hof gemeinsam ausgeschrieben werden können, sagt Schölzke."

    Die Strecken sind doch in der Hand eines Betreibers! Darf aufgrund getrennter Ausschreibung beider Strecken das Personal nicht wechselseitig eingesetzt werden? Allein von Chemnitz starten drei(!) MRB-Linien. Warum wird nach so einer Aussage nicht nachgefragt, sondern alles unkommentiert und ungeprüft abgeschrieben? Statt dessen wird hier fast der halbe Artikel darauf verwendet noch einmal die Informationen aus dem erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Text zu wiederholen. Die Nachfrage beim Betreiber hätte sich außerdem auch damals schon gehört. Statt dessen lieferte man zunächst einen recht einseitigen Artikel ohne den Kritisierten überhaupt zu befragen.

    Entweder hat der Landesvorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL keine Ahnung, erzählt bewusst Unsinn oder es gibt hier sehr bürokratische Probleme beim Personaleinsatz. Das hätte ich schon gern gewusst, was nun der Fall ist. Der Artikel sagt dazu nichts. Wieder beschränkt man sich auf eine rechercheschonende
    Beschreibung und Wiedergabe von Oberflächlichkeiten.

    Zum Thema: Wer billigt kauft, hat dann eben keinen Rundum-Glücklich-Service. Der VMS hat sich bewusst für diese Billigstlösung entschieden; trotz Kritik! Jetzt so zu tun, als sei allein die MRB Schuld, ist armselig. Der VMS hat auf dem Rücken der Kunden gespart und versucht sich jetzt herauszuwinden. Die Presse tut eifrig mit. Derart kritische Texte zum VMS habe ich hier zuletzt nicht gelesen. Wie viel Ersatzpersonal kann den der MRB im Rahmen des mit dem VMS geschlossenen Vertrages überhaupt einsetzen? Auch solche Reserven kosten und die wollte der VMS bestimmt auch nicht bezahlen.

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