Die Stadt feiert ein ganzes Jahr lang

Weil Geschichte mehr ist als politische Ereignisse und Jahreszahlen, soll es 2018 in Chemnitz auch um Themen wie Heiraten im Laufe der Zeit, Luftfahrt und Jazz gehen.

Ein Fest mit Feuerwerk, Riesenrad und feierlichem Umzug wird es nicht geben. Das 875-jährige Bestehen der Stadt soll anders gefeiert werden. Übers Jahr verteilt wird es Veranstaltungen und Projekte geben, von den unterschiedlichsten Akteuren organisiert. Einer der Ideengeber dafür, das Jubiläum auf diese Art zu begehen, war Christoph Fasbender, Professor für Deutsche Literatur und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit an der TU Chemnitz. Wenn die Feierlichkeiten von den klassischen Akteuren vorbereitet würden, gäbe es nur eine Version der Stadtgeschichte, sagte er kürzlich in einem Interview. Stattdessen wolle man aber viele verschiedene Geschichten hören. Darum sollten sich Chemnitzer über ihre eigene Geschichte Gedanken machen und Veranstaltungen und Projekte ausdenken. Um ihnen gedanklich auf die Sprünge zu helfen, in welche Richtung sie für ihre Projekte denken könnten, wurden fünf Themen vorgegeben, erklärt Susan Endler von der Chemnitzer Wirtschaftsförderung CWE, die alle Fäden der Organisation in der Hand hält. Diese lauten Liebe, Form, Herausforderung, Höchstleistung und Fortschritt. Herausgekommen sind bisher rund 75 Projekte mit insgesamt 130 Veranstaltungen. Endler betont, dass jederzeit weitere Projekte hinzukommen können. "Freie Presse" stellt ausgewählte Projekte im ersten Halbjahr vor.

Das ganze Programm steht unter www.875-jahre-chemnitz.de


Historie in zwölf Monaten

Morgen: Wie Chemnitz wurde, was es ist, möchte das Stadtarchiv mit dem Industriemuseum, dem Geschichtsverein, dem Schloßbergmuseum und dem Archäologiemuseum in einer Veranstaltungsreihe erklären. Sie beginnt morgen um 18 Uhr im Stadtarchiv. Dort wird Gabriele Viertel, ehemalige Leiterin der Einrichtung, erklären, warum im Jahr 1965 das 800-jährige Bestehen der Stadt gefeiert wurde und in diesem Jahr 875 Jahre gefeiert werden. Es gehören 21 kostenlose Veranstaltungen zu der Reihe.

 


Das älteste Gewerbe der Stadt

Vom 16. bis 22. April widmen sich Künstler, Vereine und eine Galerie vom Sonnenberg dem Thema Prostitution. Unter dem Titel "You want love? So give me money!" (Du willst Liebe? Dann gib mir Geld!) soll das Thema, das die Stadt seit 875 Jahren begleitet, beleuchtet werden. Anlass geben die zahlreichen Wohnungsbordelle in der südlichen Zietenstraße. Wer in der Nähe wohnt, könne das nicht ausblenden, eine Auseinandersetzung damit habe aber bisher nicht stattgefunden. Es sind Vorträge, Diskussionen, Lesungen und Kunstprojekte geplant.


Stadtgeschichten

Seit Dezember läuft ein Wettbewerb, der die schönsten Stadtgeschichten ans Licht bringen soll, schreibt ein Netzwerk aus literaturbegeisterten Akteuren aus. Jeder ist aufgerufen, eine Kurzgeschichte, einen Comic oder ein Gedicht zu schreiben. Das können Nachbarschaftsgeschichten, Straßenbahnerlebnisse oder die Story zum ersten Kuss sein, fiktiv oder echt. Hauptsache, es spielt in Chemnitz. Einsendeschluss ist der 15. März. Beiträge können nur per E-Mail eingereicht werden. Details unter:

 


Chemnitz singt

Am 21. Januar um 15 Uhr singt Chemnitz in der Messe. 1500 Sänger aus allen Chören der Stadt, aus Sachsen sowie den Partnerstädten werden auf der Bühne stehen. Sogar ein Projektchor (Foto) wurde extra für dieses Ereignis gegründet. Auch das Publikum soll mitsingen. Begleitet werden die Stimmen von der Robert-Schumann-Philharmonie. Das Programm soll zweieinhalb Stunden umfassen. Karten kosten für Kinder 5 Euro, für Erwachsene 15, ermäßigt 10 Euro, erhältlich bei allen Vorverkaufsstellen des Theaters sowie bei der Touristinformation am Markt.


Filmdreh über Frauen

Am 8. März soll im Festsaal des Schloßbergmuseums ein Film gezeigt werden, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Darin werden Frauen gewürdigt, die die Geschichte der Stadt geprägt haben und heute noch prägen. Am 8. März, zum Frauentag, wird es eine Vorab-Aufführung des Streifens geben, mit einem Einblick in seine Entstehung. Die Uhrzeit steht noch nicht fest. Titel des Projekts ist "Hurra, es ist ein Mädchen". Organisiert wird es von einem Netzwerk der Chemnitzer Fraueninitiativen, des Vereins Akcente und der Gleichstellungsbeauftragten.


Jazz-Marathon

Vom 17. März bis 19. April wollen Jazz-Begeisterte beleuchten, was Chemnitz mit dieser Stilrichtung verbindet. Wie kam es dazu, dass es sogar mehrere Jazzclubs in der Stadt gibt? Wer trug dazu bei und wie war das, als die Stadt noch Karl-Marx-Stadt hieß? Zu dem Projekt unter dem Titel "Freiklang" werden eine Ausstellung und eine Talkrunde gehören. Höhepunkt soll ein "Marathon improvisierter Musik" werden, bei dem zwölf Stunden lang 24 Musiker über die Stadt verteilt ihre Musik vortragen. Noch werden dafür passende Örtlichkeiten gesucht.


Tag der Wohlfahrtspflege

Am 21. April ist eine Tour mit einem historischen Bus durch Chemnitz geplant. Es wird eine Reise zu Orten der Wohlfahrtspflege geben. Auch sie unterlag in der turbulenten Stadtentwicklung dem Wandel der Zeit. Start ist an der Bahnhofsmission. Eine Uhrzeit steht noch nicht fest. Die Teilnehmer sollen erfahren, wie freie Wohlfahrtspflege für die Stadtgesellschaft gewirkt hat und wie sie sich im Laufe der Zeit veränderte. Es soll auch darum gehen, welchen Wert Nächstenliebe heute noch hat und welchen Herausforderungen sich die Wohlfahrtspflege stellt.


Schriftzüge im Stadtbild

Vom 19. Juni bis 2. September zeigt die Neue Sächsische Galerie eine Ausstellung, in der es um Typographie, Buchgestaltung und Schriftzüge in der Stadt geht. Dazu gehört die Aktion "Freiwillig oder nicht! Typographischer Humor in Chemnitz." Gesucht werden lustige und abwegige Schriftbilder in der Stadt, köstliche Schreibfehler - freiwillig oder nicht. Die Entdeckungen sollen als Foto an die Galerie gemailt werden. Alle Einsendungen werden im Vorfeld und während der Ausstellung ab Einbruch der Dunkelheit auf die Glasfassade des Tietz projiziert.


Luftfahrtspektakel am Ikarus

Am 9. Juni, von 14 bis 18 Uhr, soll es ein Luftfahrtspektakel am ehemaligen Flughafen geben. Geplant sind unter anderen Fahrten mit einem Fesselballon, ein Papierfliegerwettbewerb und historische Fotografien (das Bild zeigt die Landung des Luftschiffs "Graf Zeppelin" auf dem Chemnitzer Flughafen 1930). Der Heimatverein Grüna steuert zudem Spannendes über den aus dem Ort stammenden Luftfahrtpionier Ernst Georg August Baumgarten bei. Woran die Organisatoren noch tüfteln: Sie würden gern einen echten Zeppelin fliegen lassen.


Evolution des Heiratens

Vom 4. bis 30. Juni wollen Studierende der TU Chemnitz im Rathaus eine Ausstellung zeigen, die Hochzeitsrituale und -mode im Wandel der Zeit vor Augen führt. Sie soll "100 years of Wedding" - 100 Jahre Hochzeit heißen. An den Wochenenden wollen die Studierenden kleine Themenworkshops organisieren, unter anderen ist ein Wettbewerb um die beste Hochzeitstorte geplant und möglicherweise können alle frisch Vermählten auch davon profitieren, dass Senioren ihr Rezept für die Liebe präsentieren. Ein genaueres Programm wird derzeit noch erarbeitet.

 

Zum Special: 875 Jahre Chemnitz

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