22 Tage bis Ostern: Griff zum O-Saft macht verdächtig

Alkohol, Fleisch und Zucker: "Freie Presse" wagt den Selbstversuch, sechs Autoren schreiben im Wechsel von ihren Erfahrungen. Heute: Team Alkoholfrei

Es ist unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit der Alkohol unseren Alltag längst fest unterwandert hat: Da ein Empfang, dort eine Vernissage und dann die Einweihung eines Hauses - und immer stehen am Eingang junge Damen mit einem Tablett. Darauf: Gläser mit prickelndem Sekt oder dickem Orangensaft. Ich greife natürlich zielsicher zum O-Saft, schließlich gehöre ich derzeit zum A-Team und verzichte bis Ostern auf Alkohol. Doch kaum, dass ich das Glas in der Hand halte, fragt mich jemand: "Sie heute O-Saft?" Ich lächle vielsagend und gehe wortlos über diese Anspielung hinweg. Was denkt die nur von mir? Doch plötzlich hab ich das Gefühl, alle starren auf das Glas in meiner Hand. Für einen Moment überlege ich, dass ich erklären sollte, weshalb ich heute nach O-Saft greife. Im Leben nicht! Und ich bin auch kein trockener Alkoholiker, möchte ich rufen. Aber ich verkneif es mir - ebenso wie vorschnell einen Schluck des süßen Safts zu trinken.

Warum schenkt man bei solchen Anlässen nicht einfach auch alkoholfreien Sekt aus und macht an den Fuß der Gläser einfach einen farbigen Punkt: blau ist mit und rot ist ohne. Übrigens gibt es da eine Sorte, die man tatsächlich als schmackhaft empfehlen kann: den Weißen von der pubertären Göre, die mit ihrer auffallenden Kopfbedeckung durch den Wald pilgert (um jede Form der Werbung zu vermeiden).

Dann würde wenigstens das blöde Gaffen und Tuscheln aufhören. "Macht die nur eine Diät oder meint die es jetzt ernst?" Und selbst jetzt, wo mich eine Erkältung fest im Griff hat, ist es schwer, einen Hustensaft zu finden, der keinen Alkohol enthält.

Von Beate Kindt-Matuschek

Das soll mal einer sagen, Beate und ich haben keinen Teamgeist. Uns eint nicht nur der wochenlange Alkoholverzicht - sondern nun auch eine deftige Erkältung. Zugegeben, damit stehen wir aktuell nicht allein da. Darum baue ich das Thema auch nicht weiter aus.

Mein Plan war eh, heute auf etwas anderes einzugehen. Auf einen Fehler, den ich gemacht habe: Ich hätte ins Team Zuckerfrei gehen sollen. Spätestens, seit ich vergangene Woche mal wieder auf der Waage gestanden habe, ist mir das bewusst. Die zusätzlichen Kilo aus der "Stollen-Glühwein-gutes-Essen-Avents-und Weihnachtszeit" sind immer noch nicht runter. Im Gegenteil (hier dürfen Sie sich jetzt gern ein grimmig dreinschauenden Emoji vorstellen). Ob das am Alkoholverzicht liegt? Ist denkbar, denn zu Rotwein esse ich wirklich nie Schokolade. Möglich wäre allerdings, dass ich im Zuckerfrei-Team am Ende auf der Verliererseite stünde. Weil ich nicht durchgehalten habe. Beim Alkoholverzicht stehen meine Chancen hingegen gut, Ostern vom erfolgreichen Abschluss berichten zu können.

Nun muss ich doch noch mal auf die blöde Erkältung zurückkommen. Mein momentan misslicher Gesundheitszustand ist nämlich beim Verzicht sogar behilflich. Meine "Getränkekarte" wird von schleimlösendem Hustensaft und Bronchialtee dominiert, als Genussmittel fallen mir aktuell nur Terpentin-, Eukalyptus- und Thymianöl ein, das sind die Hauptinhaltsstoffe meines Erkältungsbades. Aber auch, wenn man es meinen könnte: Ich entbehre wirklich nichts. Ich habe nämlich Null Appetit auf Rotwein & Co. Auf Schokolade im Übrigen auch nicht.

Von Viola Gerhard

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