770 Kilometer Stromtrassen kontrolliert

Stromversorger Envia lässt gegenwärtig wieder seine 110-Kilovolt-Freileitungen in der Netzregion Südsachsen kontrollieren. Beim Kontrollflug am Donnerstag gab es keine schwerwiegenden Beanstandungen, dafür aber ein besonderes Erlebnis.

Annaberg-Buchholz.

In luftiger Höhe befindet sich in dieser und der nächsten Woche der Arbeitsplatz von Thomas Frühauf von der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom - einem Tochterunternehmen des regionalen Stromversorgers Envia. Der Diplom-Ingenieur kontrolliert wie jedes Jahr im Frühjahr die 110-Kilovolt-Hochspannungsleitungen des Unternehmens in der Region Südsachsen. Dabei sucht er die Anlagen nach möglichen Beschädigungen oder anderen Unregelmäßigkeiten ab, kontrolliert den angrenzenden Baumbewuchs sowie mögliche andere Gefährdungsquellen.

Das Augenmerk der Kontrollen richtet sich bei den 770 Kilometer Doppelleitungen - einschließlich der dazugehörigen 3300 Masten - auf Freileitungsbauteile wie Seile, Mastkonstruktionen, Isolatoren und Armaturen. Beim Flug am Donnerstag musste Begleiter Tilo Grundmann, Meister für Hochspannungstechnik, nur wenige Bemerkungen im Protokoll notieren. Auf den Flügen vorher hatten beide aber durchaus schon einige Blitzeinschläge auf den Seilen registriert. "Die würde sonst gar keiner mitbekommen", erläutert Thomas Frühauf. Von Sturmschäden an den Hochspannungsleitungen sei die Region dagegen bei den jüngsten Ereignissen weitgehend verschont geblieben - im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt und Brandenburg beispielsweise. "Dort hat es viele Schäden durch umgestürzte Bäume gegeben", berichtet er. Zwei bis drei Runden von durchschnittlich zwei Stunden werden bei entsprechendem Flugwetter täglich im Helikopter gedreht. Einer der Ausgangspunkte am Donnerstag: die Baustelle des Umspannwerkes in Zwönitz. Die Anlage an der Dittersdorfer Straße versorgt alle Umspannwerke des Energieunternehmens im Erzgebirgskreis wie Aue, Schneeberg, Rittersgrün, Crottendorf, Schwarzenberg, Annaberg-Buchholz, Auerbach, Ehrenfriedersdorf, Falkenbach, Pockau und Olbernhau. Das Herzstück der Energieversorgung im Erzgebirge erfährt gegenwärtig für rund 13 Millionen Euro einen Komplettumbau: Schaltanlagen werden ersetzt, das Betriebsgebäude wird neu gebaut, Schutz- und Leitertechnik werden erneuert. "Derzeit finden noch abschließende Arbeiten an der Schaltanlage statt. Bis Mitte dieses Jahres sollen zudem die restlichen Hochspannungsleitungen umgeschwenkt beziehungsweise an die Anlage angeschlossen werden, sodass die letzten Inbetriebnahmen der Anlagen stattfinden können. Zudem werden restliche Arbeiten an der Außenlage des Umspannwerks erfolgen", erläutert Unternehmenssprecherin Evelyn Zaruba den aktuellen Stand der Bauarbeiten. Und bei der Stippvisite aus der Luft wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Von Zwönitz aus führt der Flug weiter über Annaberg-Buchholz in Richtung Crottendorf, dem letzten Umspannwerk für Hochspannung im Erzgebirge. "Dann geht es mit Mittel- und Niederspannung weiter", erläutert Thomas Frühauf. Unterwegs muss Pilot Siegfried Lange von der DHD Heliservice GmbH aus Groß Kreutz an der Havel, einem langjährigen Partner der Envia, immer wieder die Flughöhe anpassen und den einen oder anderen größeren Bogen fliegen.

Damit es unter ihm den Kleingärtnern nicht die Decken vom Tisch wedelt oder sich Tiere auf den Weiden erschrecken. Ansonsten werden die Leitungstrassen mit einer Geschwindigkeit zwischen 15 und 30 Kilometern pro Stunde auf einer Flughöhe von etwas 20 Metern überflogen. Dabei fliegt der Pilot im Abstand von etwa 15 Metern neben der Leitung.

Vogelnester mit brütenden Bewohnern auf Strommasten wurden dagegen bei dem Flug keine gesichtet. Wird ein solches entdeckt, wird natürlich auch dazu entsprechender Abstand gehalten. Und dabei wird dann auch die eine oder andere illustere Entdeckung gemacht. So war bei einem früheren Flug ein Wäschekorb aus Plastik auf einem Strommast entdeckt worden, berichtet Evelyn Zaruba. Den hatten Hobby-Naturschützer als Nisthilfe dort montiert. Auch Spielzeugdrachen werden von den Kontrolleuren ab und an entdeckt, die sich in den Leitungen verfangen haben.

Beanstandungen gab es am Donnerstag also nur wenige. Für den Piloten Siegfried Lange hielt er aber dennoch ein besonderes Erlebnis bereit: Er durfte noch einmal über Schlettau fliegen. Dort hatte er 1980 sein erstes Hubschrauberpraktikum absolviert, nachdem er vorher schon mehr als 1000 Stunden im Agrarflieger unterwegs gewesen war - beim Agrochemischen Zentrum. Mittlerweile ist der erfahrene Pilot längst selbst als Fluglehrer und Prüfer unterwegs.

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