Afrika wird immer im Herzen bleiben

Nach drei Jahren Leben und Arbeiten im Kongo sind Mareike und Frank Bergmann wieder zurück in ihrer erzgebirgischen Heimat. Nun beginnt eine neue Suche.

Neudorf.

Wieder deutschen Luxus genießen zu können, darüber freuen sich Mareike und Frank Bergmann aus Neudorf. Doch ganz wieder auf Deutschland einlassen wollen sie sich nicht. Zu prägend waren die Eindrücke und Erlebnisse, die beide von ihrem dreijährigen Aufenthalt in Nebobongo mitgebracht haben - einem Dorf im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Über den Verein Christliche Fachkräfte International - eine staatlich anerkannte Entwicklungshilfeorganisation - waren sie dort offiziell als Berater für den Wiederaufbau im Einsatz.

Reichlich drei Jahre, die sie verändert haben. "Wir sind nicht mehr dieselben", darüber sind sich beide einig. Sei es doch "die herausforderndste Zeit" in ihrem bisherigen Leben gewesen. Auch wenn beide in Nebobongo wussten: "Wir sind hier am richtigen Platz." Für beide etwas ganz Wichtiges: "Wir brauchen eine innere Bestätigung von Gott", sagen sie. Und so sind sie zwar in Neudorf erst einmal wieder in ihrer erzgebirgischen Heimat angekommen. Doch die Eingewöhnung braucht Zeit. Und wo langfristig der richtige Platz für sie ist, ist für das Ehepaar noch offen.

Wenngleich eine gewisse Sehnsucht nach Afrika immer bleiben wird, ist sich Mareike Bergmann sicher. Nach dem Regenwald, vor allem aber nach den Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten im Land und trotz deutlich schlechterer Lebensbedingungen offen seien für jeden. Für die Beziehungen untereinander wichtiger seien als Werte, die geschaffen werden. "Wir haben viel gelernt in diesen drei Jahren - sowohl im Fachlichen als auch im Menschlichen", berichtet Frank Bergmann. Er hat als Bauingenieur hauptsächlich die Anbauten am Krankenhaus "L'Hôpital Général de Référence Nationale" geleitet. Seine Frau Mareike hat als Soziologin in der Verwaltung der Buschklinik gearbeitet und versucht, die Papiere des Hauses in ein überschaubares System zu bringen. Dazu hat sie sich um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen gekümmert. Ihr Fazit: "Es ist einiges geworden. Wenn auch nicht alles so geworden ist, wie wir es erwartet hatten." Denn Kompromisse gehörten in dem kleinen Urwalddorf zum Alltag wie jede Menge Geduld. "Was wir in diesen drei Jahren gelernt haben, ist Demut", erzählt Frank Bergmann.

Und es gab auch schwierige Zeiten - Zeiten, in denen Zweifel aufkamen. Als in der fernen Heimat Mareikes Mutter den Kampf gegen den Krebs verloren hat beispielsweise. Kurze Zeit später auch noch die Großmutter stirbt. Oder als es Frank gleich mehrfach mit Malaria erwischt -Typhus, Blutvergiftung und Lungenentzündung ihren Tribut fordern. Oder auch Tage, an denen es Probleme mit den Einheimischen gab. Zeiten, in denen ihnen die Bestätigung durch Gott besonders geholfen habe - wie auch der starke Zusammenhalt in den beiden Familien. Der war unter anderem auch in der ersten Advents- und Weihnachtszeit fernab des Erzgebirges spürbar -- "mit schweißtreibender Hitze statt Schnee und sechsstündigem Weihnachtsgottesdienst statt Neudorfer Metten und ohne die vergessenen Neudorfer Weihrichkarzle", ist in ihren regelmäßigen Rundbriefen an die Daheimgebliebenen nachzulesen.

In denen sind aber auch viele schöne Momente festgehalten. Neben den großen, wenn die Bauprojekte wieder Fortschritte gemacht hatten, auch viele kleine. Wie das tägliche "Hodi hodi!" ("Klopf klopf") der Dorfbewohner beispielsweise, wenn sie vor der Haustür standen und neue Geschichten zu erzählen hatten. Der Bauarbeiter, der seine neugeborene Tochter Mareike genannt hat. Der Umzug in das eigene kleine Häuschen - eines der ältesten in Nebobongo.

Mittlerweile gewöhnen sie sich allmählich wieder ein in den heimischen Alltag. Haben sich in ihrer alten Wohnung wieder eingerichtet, sich auf den Ämtern wieder angemeldet. Frank Bergmann arbeitet bereits wieder in seinem Beruf als Bauingenieur, Mareike Bergmann hat erst einmal eine Schwangerschaftsvertretung im Nachbarort übernommen. Vor allem aber genießen beide die Zeit mit den Familien. Denn die haben sie in den reichlich drei Jahren am meisten vermisst. Doch der Kontakt nach Afrika, da sind sich beide sicher, wird nie wieder ganz abreißen.


Fluss gibt Land Namen

Die Demokratische Republik Kongo - von 1971 bis 1997 Zaire - ist eine Republik in Zentralafrika. Das Land ist mit 2.344.858 Quadratkilometern Fläche der zweitgrößte und mit reichlich 81 Millionen Einwohnern der viertgrößte Staat auf dem Kontinent. Das Land ist damit von der Fläche her etwa 6,6-mal so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt Kinshasa gilt mit mehr als 11 Millionen Einwohnern als drittgrößte Stadt Afrikas.

Namensgeber für das Land am Äquator ist der größte und längste Fluss, der durch die Republik fließt: der Kongo. Mit 4374 Kilometern Länge ist er nach dem Nil der zweitlängste Fluss des afrikanischen Kontinents. Gemessen an seiner Wasserführung - 39.160 Kubikmetern pro Sekunde - ist er sogar der größte Fluss Afrikas und der zweitgrößte weltweit. Trotz seines Rohstoffreichtums gehört das Land zu den ärmsten der Welt.

Große Teile des Staatsgebietes sind von tropischem Regenwald bewachsen. In den meisten Landesteilen gibt es warmes, tropisches Feuchtklima mit einer Durchschnittstemperatur von rund 20 Grad in der Trockenzeit und rund 30 Grad in der Regenzeit. (af)

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