Annaberg-Buchholz: 700 Abtreibungsgegner beim "Schweigemarsch für das Leben"

Etwa 700 Menschen haben sich nach Polizeiangaben am Samstag in Annaberg-Buchholz am "Schweigemarsch für das Leben" beteiligt, der sich unter anderem gegen Abtreibungen richtet. Er fand zum neunten Mal in der Kreisstadt statt. Veranstalter war der Verein Lebensrecht Sachsen, der zugleich zu einer Aktion auf dem Markt aufgerufen hatte. Da an jedem Arbeitstag in Deutschland 400 ungeborene Kinder "getötet" würden, sollten 400 leere Kinderwagen und Rollstühle symbolisch dafür stehen. Knapp 100 kamen zusammen.

Schon im Vorfeld hatte das Bündnis "Pro Choice Sachsen" zum Protest gegen die Veranstaltung der Abtreibungsgegner aufgerufen, die sich auch gegen Sterbehilfe aussprechen. Es zogen laut Polizei etwa 600 Gegendemonstranten durch die Stadt, die auf Plakaten unter anderem "Leben schützen - Abtreibung legalisieren" forderten. In Deutschland regelt der Paragraf 218 im Strafgesetzbuch, dass Schwangerschaftsabbrüche unter bestimmten Voraussetzungen straffrei sind. Das gilt in der Regel in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft, wenn eine entsprechende Beratung stattgefunden hat und ein Arzt den Abbruch vornimmt.

Die Polizei war zur Absicherung der Veranstaltung in Annaberg-Buchholz mit einem Großaufgebot von insgesamt 400 Kräften der Polizeidirektionen Chemnitz und Zwickau, der Bereitschaftspolizei Sachsen und des Landeskriminalamts Sachsen im Einsatz und schätzte den Verlauf als friedlich ein. Bei der Abschlusskundgebung zum Schweigemarsch auf dem Markt sprach unter anderem Alexandra Lindner, die Vorsitzende vom Bundesverband Lebensrecht. Sie sagte zum Beispiel: "Je legaler Abtreibung ist, desto höher die Zahlen und umso einsamer die Frauen." Begleitet wurde dies von lauten Protestrufen der Gegendemonstranten wie "Mittelalter, Mittelalter". Ein feministisches Straßenfest, das "Pro Choice Sachsen" hinter dem Rathaus veranstaltet, soll noch bis in die Abendstunden andauern.

Im kommenden Jahr soll der 10. "Schweigemarsch für das Leben" in Annaberg-Buchholz stattfinden, wie am Samstag bekanntgegeben wurde - dann am 1. Juni, dem Internationalen Kindertag. (aho)

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5Kommentare
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  • 3
    0
    Steuerzahler
    17.06.2018

    @Hammerhansel: Aufgrund Ihres Beitrages gehe ich mal davon aus, dass Sie kein erheblich pflegebedürftiges Mitglied in Ihrer Familie haben. Sonst hätten Sie die Frage nicht in dieser Form gestellt. Sie lautet nämlich richtigerweise, ob sie (die Mutter) sich damit abfinden will, dass ihr weiteres Leben mehr oder weniger "gelaufen" oder zumindest überwiegend fremdbestimmt ist, da es von Krankenkasse, Pflegekasse, Sozialamt, KSV usw. anhängt, welche Unterstützung Sie erhalten und wie ihr eigenes Leben in Zukunft aussieht.

  • 5
    4
    franzudo2013
    17.06.2018

    Hallo Edelsachse, wenn außer Diffamierung nichts kommt, scheint es mit Ihren Argumenten nicht weit her zu sein. Weder Bergbau, noch Volkskunst, noch Tourismus erleben einen Niedergang im Erzgebirge. Aber zum Thema; wissen Sie eigentlich, was eine Abtreibung für Frauen für ein Trauma ist, ob bewusst oder unbewusst erlebt ? Deshalb ist das Anliegen der Demonstration doch völlig richtig: Leben schützen und in schwierigen Situationen helfen.

  • 6
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    Hammerhansel
    17.06.2018

    @ Steuerzahler: Man soll also die Frage nach Leben oder Tod von der Qualität der staatlichen Unterstützung abhängig machen? Heißt das bei besserer Unterstützung haben die Abtreibungsgegner Recht? @Edelsachse: Glückwunsch zum Fortzug. Das sollten viel mehr Leute machen, denen es hier nicht gefällt. Belehrende Kommentare von außerhalb kann man sich dann aber auch schenken. Vielleicht interessieren die ja jemanden in der neuen, offenkundig bedeutend besseren Heimat. @alle: Demonstrationsfreiheit ist nicht nur auf "Merkelmussweg"-Gruppierungen beschränkt. Man sollte es aushalten können, dass Leute anderer Meinung sind und diese lautstark kundtun.

  • 10
    8
    Edelsachse
    17.06.2018

    Nachdem Volkskunst, Bergbau und Tourismus im Erzgebirge ihren Niedergang erlebten kommt der proviziale Kleingeist, gepaart mit Dummheit, Reaktionismus und geheuchelter Konvervativität wieder hoch. Was soll man auch in einer Gegend erwarten, die mit bedeutungslosen Kleinkirchgruppen, Sekten und "freiheitlich" Denkenden nur so übersät ist. Ich bin froh, aus dieser Landschaft weggezogen zu sein.

  • 12
    5
    Steuerzahler
    17.06.2018

    Man sollte die Abtreibungsgegner verpflichten, für mindestens 10 Jahre ein schwer behindertes Kind zu betreuen einschließlich allem Ärger mit Behörden Bildungseinrichtungen, Krankenkasse, Pflegekasse usw. usf.! Die Reihen würden sich spürbar lichten. Ideologischer oder religiöser Eifer würden geheilt, wenn diese Leute tatsächlich sehen, wie die Unterstützung und Fürsorge in der Praxis aussehen, von denen so leichtfertig geredet wird.



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