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Die syrisch-orthodoxe Ordensschwester Hatune Dogan (links) und Ulrich Oehme (rechts) von der AfD reisten gemeinsam in den Nordirak um sich über die dortige Lage der Christin zu informieren. Im Hintergrund: Moderator Jürgen Grobe und Organisator Thomas Thumm (beide AfD).

Foto: Bernd März

Bärensteiner sehen Probleme vielschichtiger als Korangegner

Ein Vortrag über die Situation der Christen im Nahen Osten, gehalten vom AfD-Politiker Ulrich Oehme und Nonne Hatune Dogan fiel asyl- und islamkritisch aus - Besucher gaben beiden jedoch kontra.

Von Sarah Hofmann
erschienen am 13.04.2018

Bärenstein. "Wenn sie diese Veranstaltung heute verlassen, werden sie vielleicht zu der Erkenntnis gelangen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört - und nicht gehören darf", sagte Jürgen Grobe, AfD-Mitglied und Moderator gestern Nachmittag im Bärensteiner Café Neubert. Dort fand ein Vortrag unter dem Titel "Christen im Orient. Völkermord oder Hoffnung?" statt, den die syrisch-orthodoxe Ordensschwester Hatune Dogan gemeinsam mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme hielt.

Sie erzählten von einer Reise ins kurdische Gebiet im Nordirak, dort hatten sie christliche Hilfsorganisationen besucht. Im Anschluss berichtete Hatune Dogan von ihrer Stiftung, der "Hatune Foundation". Diese versorgt Menschen in Indien, Afrika und seit 2005 auch im Nahen Osten mit Lebensmitteln, Medikamenten, aber auch Schulbildung. Ihr besonderes Augenmerk legt die Nonne dabei auf die Rettung von Mädchen und Frauen. So holte sie in den vergangenen Jahren etwas mehr als 300 Jesidinnen nach Baden-Württemberg und kaufte Frauen und Mädchen frei, die von Islamisten gefangen gehalten wurden. Sie erzählte von Schicksalen, Missbrauch und Folter, von Jesidinnen und Christinnen, die sie selbst kennenlernte und rettete - und unterlegte dies mit eindringlichen Bildern. Als Grund für das gezeigte Leid, gab sie immer wieder den Koran an. "Ich hasse keine Moslems, ich hasse deren Gesetze. Die Ursache, dass so viele Menschen flüchten müssen, ist der Koran", sagt sie beispielsweise - eine These die sie immer wieder anbringt.

Als die Runde für die etwa 20 Besucher geöffnet wurde, meldete sich der Bärensteiner Pfarrer Kenny Mehner zu Wort. Nachdem er seine Hochachtung vor Schwester Hatunes karitativem Werk geäußert hatte, übte er Kritik an den von Oehme und Dogan geäußerten Thesen.

"Die brauchen eure Hilfe, haben sie zum Anfang gesagt. Und das müsste doch das Thema sein. Ich habe hier jedoch nur gehört, wie ein wichtiges Thema zum Vehikel für Parteipolitik wird", sagte der Pfarrer. Während der Veranstaltung hatten sowohl Oehme als auch Grobe mehrfach geäußert, dass es sich nicht um eine AfD-Veranstaltung handele, sondern um eine Veranstaltung von "Christen in der AfD" einer innerparteilichen Interessensgruppe. Politik war jedoch mehrfach Thema, ebenso wie populäre Thesen der Partei, etwa im Zusammenhang mit der aktuellen Russland- und Syrienpolitik der Bundesrepublik. Auch das Thema Asyl kam ausführlich zur Sprache. "Ich denke, dass es in Deutschland möglich ist, mit geordneten Gesetzen Sicherheit zu erhalten", so Kenny Mehner. Damit waren die Redner nicht einverstanden.

"Unsere deutschen Behörden wurden getäuscht. Die Flüchtlinge haben zu etwa 80 Prozent gelogen", antwortet Hatune Dogan und bringt ein Einzelbeispiel aus ihrer eigenen Erfahrung ein. "Ihnen sind böse Menschen begegnet, die gibt es aber in jedem Volk", erwiderte Mehnert. Weiterhin entspann unter Besuchern eine Diskussion über das Wesen des Korans. Auch dazu meldeten sich Bärensteiner zu Wort.

"Ich bin der Meinung, wir können die Probleme nicht am Koran festmachen, dafür sind sie zu vielschichtig", warf Werner Bartl in die Diskussion ein. Der Bärensteiner kennt sich aus mit Flüchtlingen - zumindest in seinem eigenen Ort. Dort betreibt er mit seiner Frau Evelyn und vielen weiteren Anwohner den Unterstützerkreis Asyl und hilft beim Ankommen und zurechtfinden im Land. Probleme sind auch ihm nicht fremd. Seiner Aussage nach, betreute der Ort 93 Flüchtlinge aus 11 Nationen, 40 Prozent davon seien Syrer gewesen. Die Zahl derer, die sich nicht integrieren lassen wollte, schätzt er auf nur etwa 20 Prozent.

Auch der Bärensteiner Bürgermeister Bernd Schlegel (Bärensteiner Liste) besuchte die Veranstaltung und nahm an der anschließenden Diskussion teil. Er griff Hatune Dogans These auf, dass von gebildeten Muslimen kaum Gefahren ausgingen, dass diese aber aus Angst vor Repressionen passiv blieben. Schlegel folgerte daraus: "Das bedeutet doch, dass es ein Problem der Erziehung und der Bildung ist."

Die Veranstaltung wurde nach etwa zweieinhalb Stunden beschlossen, als Oehme und Dogan zum nächsten Vortrag aufbrechen mussten. Ulrich Oehme sagte zum Schluss: "Unsere Gesellschaft leidet darunter, dass heute kaum noch ein normaler Disput möglich ist." Das Publikum in Bärenstein bewies jedoch, dass Diskurs durchaus möglich ist, trotz breit gefächerter Ansichten - auch im Publikum.

 
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