Bernsbacher unterwegs in Blechmission

In der Weihnachtsschau im Depot Pohl-Ströher in Gelenau wird erstmalig eine historische Blechwerkstatt aus dem Erzgebirge gezeigt. Auch Pyramiden aus Blech sind zu sehen.

Gelenau.

Karl-Heinz Friedrich nickt: "Mission ist das richtige Wort", bestätigt der 64-Jährige. Seine Mission ist Blech. Nicht Blech reden, sondern Blech fertigen. Ganz traditionell, so beispielsweise historische Klingel-, Dreiklang- oder Burgpyramiden. Es ist ein historisches Handwerk mit alten Maschinen wie der schweren Handspindelpresse, Aufkantbank, einer Rundmaschine oder Kreis- und Tafelschere sowie mit originalen Werkzeugen. Seine Mission besteht darin, das Herstellen von Weihnachtlichem aus Blech aus der Vergessenheit hervorzukramen, daran zu erinnern, die Fertigung zu demonstrieren. "Da geht es nicht darum, Geld zu verdienen", betont er.

Pyramiden nur aus Blech

Dass er Bernsbacher ist, versteht sich dabei beinah von selbst. Denn Bernsbach hatte früher den Beinamen Blechdorf. So gab es vor 1900 im Raum Aue-Schwarzenberg fast 300 selbstständige Blechwarenhersteller, weiß er. Mit dieser Tradition verbunden, gibt Karl-Heinz Friedrich in einem gesonderten Raum des sonst modernen mit CNC-Maschinen bestückten Bernsbacher Familienbetriebes Friedrich GmbH an historischen Geräten und Maschinen eine Einführung und auch mal eine Vorführung der früheren Blechfertigung vor allem für Kunden und für angemeldete Interessierte. Im Unternehmen, das seine Wurzeln in der 1874 gegründeten Firma Albin Auerswald Blechwarenherstellung hat, werden aber eigentlich Werkzeuge, Teile für die Sanitär- und Möbelindustrie und Erdedämpfgeräte aus Edelstahl produziert - auch das ist Blech. Senior Karl-Heinz Friedrich, Vater des Geschäftsführers, fertigt neben seiner eigentlichen Arbeit in der Firma im hauseigenen Museum vor allem für Liebhaber die im Internet bestellbaren Blechpyramiden.

Aber seine Mission führt Karl-Heinz Friedrich aus der Stadt Lauter-Bernsbach hinaus: Da er seit Jahren schon das Wirken des Gelenauer Depots der Schweizer Mäzenin Erika Pohl-Ströher und die Ausstellungen über historischen Weihnachtsschmuck des Erzgebirges und Spielzeug schätzt, war es für ihn naheliegend, eine alte Blechbearbeitungswerkstatt zur Weihnachtschau in Gelenau aufzubauen. Dort stehen nicht nur die historischen Maschinen und das damals verwendete Werkzeug, sondern auch vieles, was damit in früheren Zeiten vor allem im Raum Aue-Schwarzenberg alles entstanden ist: So quoll in vielen Familien Dampf der Räucherkerzen aus kleinen bunten und blechernen Räucherhäuschen mit weißem Dach. Zur Weihnachtsbäckerei gehörten Ausstechformen aus Blech, und Generationen von Kindern füllten Sand in bunte Blecheimerchen mit blecherner Sandschaufel.

Ärgernis für den Bernsbacher

Für Karl-Heinz Friedrich ist es ein Ärgernis, dass in China, in Schweden und zu DDR-Zeiten selbst noch in Thüringen Blechpyramiden in hoher Stückzahl gefertigt wurden, aber die erzgebirgische Tradition auf diesem Gebiet kaum bekannt ist. Denn die Blechverarbeitungsfirmen um Bernsbach herum mussten in der DDR-Zeit vor allem Haushaltsgegenstände und Teile für die Fahrzeugindustrie herstellen. Deshalb will er den Besuchern aus nah und fern im Advent im Gelenauer Depot mit besonderen Stücken, auf Schautafeln und mit der Werkstatt diese erzgebirgische Blechfertigung speziell für Weihnachtliches vorstellen - denn Karl-Heinz Friedrich ist doch nun mal ein Botschafter für die Tradition der Blechpyramiden.

Die Blechwerkstatt ist im Gelenauer Depot Pohl-Ströher zur Weihnachtsschau vom Freitag, 29. November, bis zum Sonntag, 26. Januar, zu sehen. Geöffnet ist die Schau von Freitag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 10 bis 18 Uhr.

www.lopesa.de

www.blechpyramide.de

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