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Eine Puppenstube aus den 1920er-Jahren, die im Privatmuseum der Crottendorferin steht. Ihre älteste Puppe stammt übrigens aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Foto: Lothar MüllerBild 1 / 2

Die Königin der Puppenstuben

Christine Lang hat ihr privates Museum erweitert. Die Crottendorferin fertigt viele Kleider, Hosen und Blusen für die Puppen selbst. Und selbst beim Fabulix-Festival hatte sie ihre geschickten Finger mit im Spiel.

Von Lothar Müller
erschienen am 09.02.2018

CROTTENDORF. Es war um 1990. Da fand Christine Lang bei ihrer Schwiegermutter die traurigen Reste eines Perlenleuchters. Allerdings war das historische Stück kaum noch zu gebrauchen. "Teile waren total verrostet und Mäuse hatten dran rum gefressen", berichtet die Crottendorferin. Eines aber wusste sie genau: Solch einen Leuchter wollte sie eines Tages in ihrem Haus hängen haben. Seit Ende vergangenen Jahres ziert solch ein kunstvoll gestaltetes Kleinod, ganz in Weiß mit Glasperlen- und Stäbchen, den Hausflur. Die 81-Jährige hat das Kunstwerk selbst gefertigt und sehr viel Mühe und Zeit bei ihrem ehrgeizigen Vorhaben investiert.

Nachdem sie sich Mitte der 1990er-Jahre das erforderliche Gestell dazu anfertigen ließ, ging es darum, die entsprechenden Perlen und Glasstäbchen zusammenzusuchen. "Das hat Jahre gedauert und inzwischen kennt mich so ziemlich jeder Trödelhändler", so die gelernte Näherin, die in Sachen Handarbeiten geradezu eine Koryphäe ist. Dennoch: Was das Auffädeln und Anbringen der Perlen anging, ist die rüstige Rentnerin doch mehrfach ins Schwitzen geraten.

"Es gibt keine Vorlagen, obwohl die Leuchter früher in der Region als Heimarbeit gefertigt wurden", so die gebürtige Buchholzerin. Nachdem sie auf Burg Scharfenstein einen Perlenleuchter genau unter die Lupe genommen hatte, erarbeitete sie sich die notwendigen Handgriffe selbst, probierte und probierte immer wieder. "Ich hab mir aufgeschrieben, wie ich es gemacht habe, ob das nach mir noch jemand begreift, weiß ich nicht", sagt sie schmunzelnd. Christine Lang betont, dass es ihr darum geht, Altes zu bewahren. "Das kommt nicht wieder", sagt sie.

Ebenso verhält es sich mit ihrer Puppenstubensammlung, die nicht nur die Herzen der Kinder höher schlagen lässt. Selbst ältere Semester werden beim Rundgang durch das Spielzeugkabinett wieder richtig jung. 16 Puppenstuben aus verschiedenen Epochen gibt es zu bewundern. Die Älteste mit Steif-Igeln stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Schmuckstücke aus den 1920er-Jahren fehlen genauso wenig wie Modelle aus DDR-Zeiten. Das jüngste Exemplar ist eine Puppenstube in Form eines Schwibbogens mit einem kleinen Weihnachtsmarkt.

Das ganze Jahr über will Christine Lange allerdings keinen Markt darin abhalten. "Demnächst kommt eine Eisbar rein", hat sie sich schon Gedanken über eine Gestaltung entsprechend der Jahreszeit gemacht. Überhaupt muss bei den Puppenstuben - je nach Generation und Zeitepoche - geschichtlich exakt alles zusammenpassen: das Mobiliar, die Puppen, ihre Kleidung, das Geschirr und was sonst noch in eine Puppenwohnung gehört.

Die Crottendorferin fertigt viele Kleider, Hosen und Blusen für die Puppen selbst. "Der besondere Reiz am Hobby ist die Ausstattung", verrät die Seniorin. "Zu Folkloremöbel gehören Folklorekleidung, die passenden Tischdecken und Tapeten", nennt sie ein Beispiel. Ausnahmen gibt es keine, da werden die passenden Gardinen eben selbst genäht.

Ihre älteste Puppe stammt übrigens aus dem frühen 18. Jahrhundert. Besonders hat es ihr das alte Zinngeschirr im Miniformat angetan. Sogar ein Fleischwolf, der sich richtig dreht, ist darunter. Auch Rotkäppchen, Frau Holle und unter anderem der Kleine Muck fühlen sich im Privatmuseum wohl. "Die zu basteln war eine stundenlange Arbeit", berichtet die Sammlerin.

Dafür haben die Märchenpuppen aber auch zum Schmuck eines großen Ereignisses beigetragen. Die Figuren zierte zum Fabulix-Festival in Annaberg-Buchholz ein Schaufenster am Markt. Übrigens: Interessenten, die das in seiner Art wohl einmalige Privatmuseum in der Glashüttenstraße 60 kennenlernen möchten, dürfen gern einmal bei Christine Lang vorbeischauen.

 
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