Die gute Seele der Haldenstraße

Dankesstollen Winterdienst, Hausordnung und Parkpflege sind Stefan Hielschers eigentliche Aufgaben. Doch er sieht seinen Tätigkeitsbereich umfassender - zur Freude der Hausbewohnerinnen.

Annaberg-Buchholz.

Als die Waschmaschine von Heidrun Rother überlief, geriet sie nicht in Panik. Auch nicht, als ihr der Schaum entgegenquoll. Warum auch, sie hatte ja Stefan Hielscher. Er ist seit 1998 Hausmeister für mehrere Häuser und Blöcke an der Annaberger Haldenstraße und immer zur Stelle. Zu seinen Aufgaben gehören die Reparatur von Waschmaschinen und das Wechseln von Glühbirnen freilich nicht. Der Annaberger hilft trotzdem.

"Früher war das so üblich", sagt Stefan Hielscher. Für ihn ist es Ehrensache, für die Hausbewohner da zu sein. Er wohnt selbst im Wohnkomplex an der Haldenstraße, hat dort bei Dienstantritt 1998 quasi eine Dienstwohnung bezogen, für die er allerdings Miete zahlt. So kommt es auch, dass Hielscher immer vor Ort ist, wenn er gebraucht wird. "Handybedingt", sagt der Hausmeister. So können ihn die Mieter stets kontaktieren - auch abends oder an Wochenenden.

Daher haben sich zwei Damen aus der Hausgemeinschaft zusammengetan und ihren Hausmeister für die Dankesstollenaktion von "Freie Presse" und Annaberger Backwaren vorgeschlagen. Nach der Meinung der beiden Seniorinnen Heidrun Rother und Marie-Luise Beer hätte er es schon längst verdient. Gerade jetzt zur Winterzeit.

"Ich sehe zu, dass jeder, der morgens wegfährt, abends einen freien Parkplatz vorfindet", sagt Hielscher. Kein Klacks, wenn er es auch nach Leichtigkeit klingen lässt, denn in seinem Refugium befinden sich um die 80 Parkplätze, außerdem Gehwege und Zufahrten. Und die wollen jeden Tag beräumt werden, Urlaub in Winter ist daher für Familie Hielscher passé. Stefan Hielscher ist auch nicht leicht zu ersetzen. Der gelernte Maschinenbauer arbeitete bei der Wismut über Tage und nach der Wende für einige Jahre als Elektriker. Bis 1998 das Angebot aus Annaberg-Buchholz kam - und Hielscher griff zu. Er zog mit seiner Familie an die Haldenstraße, fand Gefallen an seiner Arbeit und holte seine Eltern nach. Nach und nach baute er sich sein eigenes kleines Reich, inklusive Mini-Werkstatt im Heizkeller.

Geht etwas kaputt, repariert der Hausmeister es selbst - oder er kennt jemanden, der sich der Sache schnell annimmt. Und auch in Krisensituationen hilft er. Als Frau Beer kurz vor Weihnachten vor zwei Jahren ein Baum auf den Balkon gestürzt war, war Stefan Hielscher nicht nur selbst prompt zur Stelle, sondern organisierte der Mieterin noch am 23. Dezember einen Dachdecker, der die gröbsten Schäden beseitigte. Am 24. Dezember sammelte er Äste im Park vor den Häusern auf.

Der Dankesstollen ist übrigens nicht das einzige Präsent gewesen, mit dem Stefan Hielscher in diesem Jahr bedacht wurde. Schon in der Adventszeit türmten sich einige kleine, aber hübsch verpackte Geschenke vor Hielschers Kamin - kleine Aufmerksamkeiten der Hausbewohner für ihren Hausmeister.

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