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Toni Freitag hat mehr als 100 Geocaches versteckt - darunter eine Adventskalender-Jukebox.

Foto: Bernd März

Die niemals endende Schatzsuche des Toni Freitag

Das Erzgebirge ist ein guter Ort für Geocacher. In kaum einer anderen Region in Deutschland liegen so viele Schätze versteckt wie im Landkreis. Und längst suchen nicht mehr nur junge Leute im Geheimen danach. Was treibt die Cacher an?

Von Michael Urbach
erschienen am 28.10.2017

Elterlein/Grumbach. Wenn das Erzgebirge in Statistiken vorne dabei ist, sind das manchmal nicht so schmeichelhafte, die mit den niedrigen Einkommen zum Beispiel. Doch es gibt eine, wo es ganz anders aussieht: die mit den meisten Schätzen. Nirgendwo in Deutschland - abgesehen von den Ballungsräumen Hannover und Berlin - sind mehr Geocaches versteckt als zwischen Deutschneudorf und Schönheide. Über 3300 zählt das Internetportal project-gc.com für den Erzgebirgskreis - ein Paradies für die Schatzsucher, von denen es in der Region rund 30.000 gibt.

Das Prinzip der modernen Schnitzeljagd: Jemand versteckt an einem interessanten Ort einen sogenannten Cache (engl., Versteck) und registriert ihn mit GPS-Koordinaten im Internet, möglichst garniert mit Informationen, Geschichten oder Rätseln. Jeder, der das Ziel findet, trägt sich in ein Logbuch ein und gibt dem Verstecker Rückmeldung.

Einer, der schon mehr als 10.000 mal fündig wurde, ist Toni Freitag. "Geocaching ist für mich gezieltes Wandern", sagt der 24-jährige Elterleiner. Er sei gerne draußen, brauche dabei aber ein festes Ziel. Für seinen Fund Nummer 10.000 hatte der Informatikstudent indes einen ganz besonderen Ort ausgewählt. Ein altes Gemäuer nahe Gießen in Hessen, das voller Geschichten, Elektronik und Rätsel steckt, die nach Stunden zum versteckten Logbuch führen - dem Ziel jeder Geocache-Schatzsuche. Ein Schmankerl. Die meisten Caches sind deutlich simpler - doch auch hier sind dem Erfindergeist keine Grenzen gesetzt.

Das sieht, wem es glückt, einen der von king-ton - so heißt Toni Freitag im Internet - in Grumbach platzierten Caches zu finden. Insgesamt hat er in der Region über 100 platziert, von der kleinen Dose über den Schwibbogen im Wald bis hin zur Adventskalender-Jukebox, seinem aufwendigsten Projekt. Wer den großen roten Holzkasten findet und die Türchen öffnet, hört Melodien von Weihnachtsliedern. Und wer sie korrekt Ziffern zuordnet, erfährt die Kombination des Zahlenschlosses, das das Logbuch sichert. Ein kleines technisches Wunderwerk, in das Toni Freitag 150 Stunden Arbeit und ein paar Hundert Euro gesteckt hat.

Doch was braucht es, wenn einen das Geocache-Fieber gepackt hat oder noch packen soll? Nicht viel, sagt Toni Freitag. "Eigentlich bloß ein Smartphone und einen Stift fürs Logbuch". Wer mitmischen will, muss sich noch im Internet als Geocacher registrieren. Platzhirsch hierbei ist das Portal geocaching.com. Die eigentliche Cache-Suche draußen funktioniert dann mit einer Smartphone-App wie c:geo. Damit kann man zum Beispiel gezielt nach Orten suchen, aber auch auf einer Live-Karte sehen, welche Geocaches sich im Umfeld befinden.

Für jeden Anspruch und Schwierigkeitsgrad ist in der Welt des Geocaching etwas dabei: von der am Wegesrand in einem Astloch abgelegten Dose bis hin zum Cache im alten Fabrikgebäude, für den eine Kletterausrüstung Pflicht ist. Die hat Intensiv-Cacher Toni Freitag genau wie ´Magnetheber, Draht, Badesachen, Taschen- und UV-Lampe stets im Auto dabei. Man weiß schließlich nie, welches Versteck als nächstes ruft. In der Region empfiehlt Toni Freitag besonders die Geocache-Reihe "Erzgebirgische Sagen" in Geyer und "Das Waldhaus" in Thalheim.

Der 24-Jährige ist indes einer der Geocacher, die gerne und offen über das Hobby sprechen. "Noch vor ein paar Jahren war das für viele etwas ganz Geheimes", sagt Toni Freitag. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute treffen sich Cacher sogar regelmäßig zu Veranstaltungen wie Ende September in Crottendorf, als mehrere Dutzend in die Natur ausschwärmten, um Müll einzusammeln und zum Wertstoffhof zu bringen. Die Gemeinde stellte Müllsäcke, Greifer, Handschuhe.

Und auch sonst treffen sich Cacher zu öffentlichen Events, in der Region gibt es mindestens aller 14 Tage einen, schätzt Freitag. Ein besonders großes, das er mitorganisiert, findet am 26. Mai 2018 in der Vogtlandarena in Klingenthal statt. Die Macher rechnen mit bis zu 4000 Teilnehmern. Bei solchen Veranstaltungen könnten sich auch Neulinge Tipps holen. Überdies können Geocaches eine Art touristischer Führer für andere Regionen sein, glaubt Toni Freitag: "Sie sind meist an interessanten Stellen versteckt und es gibt oft noch ein paar Informationen von Einheimischen dazu. So kann man sich gleichzeitig noch bilden."

Geocaching ist längst nicht nur mehr Domäne der Jungen. Vor einiger Zeit war Toni Freitag in Mauersberg in der Nähe einer Bank auf der Suche, auf dem ein Rentnerpaar saß. "Da stand die Frau auf, ging hinter die Bank, hob einen Stein hoch, nahm etwas und drückte mir eine Dose die Hand", erzählt er. Zur Cacher-Generation sechzig plus gehört auch Heike Vetter aus Grumbach, eine Bekannte von Freitag. "Man lernt viele Leute kennen, aber es ist ungezwungener als im Verein", sagt sie. Und man komme in schöne Ecken, die man ohne Geocache nie zu Gesicht bekommen würde - gerade auch vor der Haustür.

www.sachsencacher.de

www.zbv-event.de

www.geocaching.com

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 30.10.2017
    16:42 Uhr

    Amer: Ich sehe gerade: vertippt! Hinter dem Respekt muss natürlich ein Ausrufezeichen stehen, kein Fragezeichen. 10.000 gefundene Geocaches sind eine super Leistung.
    Mir war nur unklar, wie man das mit dem eher ungenauen Handy schaffen kann (in diesem Fall: Doppelrespekt!). Doch was der Text verschweigt, verrät das Foto: Auch King-ton verwendet natürlich ein Navi, was auch zu empfehlen ist, da es genauer ist als ein Smartphone. Letzteres stößt selbst mit Glonass- und Galileo-Unterstützung an seine Grenzen, da man mit den Geocaching-Apps nicht besonders weit in die Karten hineinzoomen kann.

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  • 30.10.2017
    00:57 Uhr

    Amer: Handycacher, aber schon mehr als 10.000 Stück? Respekt? :-)

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