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Wenn die jungen Schnee-Eulen groß genug sind, ziehen sie in den Partnertierpark nach Delbrück in Nordrhein-Westfalen um. Auf ihrem Speiseplan stehen Küken und Mäuse, für jedes Tier bis zu zehn Stück am Tag. Dabei werden keine tierparkeigenen Züchtungen verfüttert. Die Nahrung stammt tiefgekühlt aus dem Futtergroßhandel. Durch gezieltes Eingreifen bei Mäusen und Co. - so werden etwa Männchen und Weibchen bei Bedarf getrennt - gebe es keine unkontrollierte Vermehrung, sagt Tierpark-Verantwortliche Nadine Völker.

Foto: Georg Ulrich Dostmann

Ein Tiergarten zwischen heute und morgen: Was Thum vor hat

Die Anlage hinter dem Rathaus ist arg in die Jahre gekommen - nicht erst seit gestern. Doch ihrer Beliebtheit tut das keinen Abbruch. Nur: Wie sieht die Zukunft aus?

Von Michael Urbach
erschienen am 14.09.2017

Thum. Da hat Warzenente August Schwein gehabt. Eines Herbstmorgens wurde der Erpel vor dem Rathaus gefunden. Es ging straff auf Weihnachten zu und das Fleisch von jungen Vertretern seiner Rasse gilt als deliziös - eine unheilschwangere Kombination. Doch August, vermutet Nadine Völker, war noch rechtzeitig vor seinem Besitzer und der Pfanne ausgebüxt. "Ich gehe davon aus, dass er dem Tod von der Schippe gesprungen ist", sagt die Verantwortliche des Thumer Tiergartens. Dort lebt August nun im Enten-Exil, frei von existenziellen Nöten. Um ihn und die vielen anderen Tiere - darunter Schnee-Eulen, Ziegen, Meerschweinchen und Hasen - kümmern sich vier Mitarbeiter. Nadine Völker, 37, hält seit gut einem Jahr die Fäden in der Hand. Die Fäden eines Tiergartens, der seine Zukunft sucht - und von dem selbst manche Menschen aus der Gegend gar nicht wissen, dass es ihn gibt.

Das hört die gelernte Landwirtin in Gesprächen nämlich immer wieder über die etwas verborgen gelegene Anlage. Damit sich das ändert, rührt Nadine Völker die Werbetrommel im Internet. Auf Facebook veröffentlicht sie Bilder oder Videos von putzigen Tierparkbewohnern. Es funktioniert, sagt sie, man bekomme mehr Aufmerksamkeit. Weit über ein Dutzend Tierarten leben in dem Gelände, an dem die Zeit zwar deutliche Spuren hinterlassen hat, das viele Thumer dennoch keinesfalls missen möchten.

Kindergruppen vom Hort oder der Tagesmutti, Eltern und Großeltern mit Kindern: An guten Tagen, sagt Nadine Völker, besuchen Dutzende Menschen den Tiergarten. Exakte Zahlen gibt es nicht, weil der Eintritt auf Vertrauensbasis erhoben wird. In Schätzungen aus dem Thumer Rathaus ist von bis zu 15.000 Besuchern im Jahr die Rede.

Nadine Völker arbeitet seit sechs Jahren im Tiergarten. Er ist seit 1969 in städtischer Hand, ein Geschenk der Kleintierzüchter. Ursprünglich wurden die Tiere durch städtisches Personal betreut, inzwischen ist diese Aufgabe an einen Dienstleister übertragen worden, Betreiber bleibt aber Thum. Durch diesen Schritt erhofft sich die Stadt mehr Planungssicherheit bei den Kosten von rund 80.000 Euro pro Jahr. "Dem Tiergehege hat das nicht geschadet, die Mitarbeiter machen ihre Sache sehr gut", lobt Bürgermeister Michael Brändel.

Ein erster Schritt in Richtung Zukunft, doch die richtigen Änderungen sollen erst noch kommen. "Die Anlage ist in die Jahre gekommen, das ist nicht zu verkennen", so Brändel. "Doch sie gehört zum Ortsleben einfach dazu." Darum hat die Stadt ein Grundkonzept erarbeiten lassen, wie es mit dem zentrumsnahen Areal weitergehen soll.

Der Autor ist in Fachkreisen kein Unbekannter. Professor Hubert Lücker aus Dippoldiswalde hat bereits etwa den Umbau des Dresdner Zoos begleitet. Das Papier wurde im Frühjahr den Stadträten in geheimer Sitzung vorgestellt. "Die Räte stehen geschlossen dahinter", sagt der Bürgermeister, der aber auch betont: "Das Geld für die Umsetzung haben wir noch nicht im Kasten." Die Verantwortlichen rechnen mit einem sechs-, vielleicht sogar siebenstelligen Betrag.

Ohne Fördermittel ist das nicht zu machen. Er und die Verwaltung seien beauftragt, das abzuklären, sagt Brändel. Eine passende Förderung zu finden, kann schnell gehen, aber auch richtig dauern. Prognosen mag er deswegen nicht abgeben. Klar ist nur: Auch bei erfolgreicher Suche muss die Stadt Eigenmittel aufbringen, und derzeit binde die Turnhallensanierung und Erweiterung Geld. Für 2018 werde der Tiergarten nicht im Haushalt stehen.

Inhaltlich ist man ein Stück weiter. "Der zukünftige Tierpark soll etwas für die nächsten 50 Jahre sein, ein Alleinstellungsmerkmal haben und keine Konkurrenz etwa zum Zoo der Minis oder dem Gehege am Pöhlberg bilden", erklärt der Bürgermeister. Das Schlagwort lautet Umweltbildung. "Kinder könnten zum Beispiel spielerisch erfahren, wie die Nahrungsmittelkette funktioniert und die Milch auf unseren Tisch kommt", skizziert Brändel. Denkbar ist, Institutionen und Betriebe - wie Forst, Naturschutzzentrum oder eine Käserei - einzubinden. "Es soll jedenfalls mehr werden als ein bloßes Tiergehege."

Wenn die Finanzierung geklärt ist und es ans Detailkonzept gehe, könnten die Bürger mitdiskutieren, verspricht Brändel. Es sei nichts fixiert, betont er. Vorschläge und Gedanken sind willkommen.

Derweil ist es an Nadine Völker, den Tiergarten zu führen, wie er heute ist. Neben all den schönen Aufgaben gehört auch dazu, die Bewohner vor gut gemeinter, aber dennoch falscher Fütterung durch Besucher zu schützen. "Denn wenn es 20 Leute gut meinen, dann werden die Tiere krank", sagt sie. Und krank werden, das sollen Warzenente August und Co. nun wirklich nicht. Schließlich wollen sie ihr neues Zuhause noch erleben - den Thumer Tiergarten von morgen.

 
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