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Die Ausbilder Olaf Guddat (r.) und Mario Gellesch simulieren einen möglichen Angriff auf einen Busfahrer.

Foto: Lorenz/privat

Eskalation im Bus: Fahrer sind vorbereitet

Der Regionalverkehr Erzgebirge wappnet sein Personal vor eventuellen Übergriffen durch Fahrgäste. Dabei erhält das Unternehmen professionelle Unterstützung. Das neue Training hat auch aktuelle Gründe.

Von Patrick Herrl
erschienen am 12.02.2018

Annaberg-Buchholz. Die Angst darf nicht mitfahren, sagt Heike Burkert. Sie ist Busfahrerin und zugleich Verkehrsmeisterin im Bereich Annaberg beim Regionalverkehr Erzgebirge (RVE). "Leider gab es aber in letzter Zeit einige Vorfälle", sagt RVE-Chef Roland Richter. Damit meint er Übergriffe auf seine Fahrer. Um sie zu schützen und Eskalationen zu vermeiden, schult das Unternehmen nun sein Personal.

Heike Burkert gehört zu den ersten, die das neue Deeskalationstraining bereits absolviert haben. Als Verkehrsmeisterin weiß sie genau, welche Themen ihre Kollegen bewegen. Sicherheit steht dabei mit ganz oben auf der Liste.

Im Januar fanden die ersten beiden Schulungen statt. Vergangenes Wochenende folgte die dritte Veranstaltung auf dem Betriebshof in Aue. "Wir versuchen, dass noch in diesem Jahr etwa ein Drittel der Fahrer die Weiterbildung absolviert hat. Kontinuierlich werden alle in dieser Thematik fit gemacht. Jeder Fahrer muss den Kurs besuchen. Alle fünf Jahre erfolgt eine Auffrischung", sagt Richter.

Das Training selbst wird von ausgebildetem Personal des Verkehrsbildungszentrums Erzgebirge in Annaberg-Buchholz in Zusammenarbeit mit zwei erfahrenen Kampfsportlern gehalten. Einer von ihnen: Olaf Guddat. Er treibt seit mehr als 30 Jahren Karate, hält auch Selbstverteidigungskurse und weiß aus Erfahrung: Die Hemmschwelle für Gewalt sinkt. "Es mangelt an Respekt", sagt Guddat.

Das bestätigen die Gespräche, die er im Vorfeld des Trainings mit den Busfahrern führte. "Wir haben besprochen, welche Situationen schon wirklich entstanden sind. Es kam schon vor, dass Fahrgäste ohne Vorwarnung hangreiflich wurden", berichtet Guddat. Die Ausbildung konzentriert sich daher auf den Selbstschutz der Fahrer. In der Theorie werden Rechtsgrundlagen besprochen, Szenarien anhand von Videomaterial durchgespielt und richtige Verhaltensweisen diskutiert. Auch Mimik, Gestik und Worte spielen eine wichtige Rolle. "Allein schon sicheres Auftreten wirkt abschreckend auf potenzielle Täter", ergänzt Hans-Jochen Richter, Verkehrsbetriebsleiter bei der RVE.

Im praktischen Teil wiederum simulieren Guddat und sein Partner Mario Gellesch mögliche Angriffe auf die Busfahrer - vom Faustschlag bis zur Bedrohung mit einem Messer. "Wir hoffen, dass es nie so weit kommt. Doch die Fahrer sollen gewappnet sein und wissen, wie sie sich schützen können, wenn die Stimmung innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde umschlägt", sagt der Ausbilder. RVE-Chef Roland Richter ergänzt: "So schwere Vorfälle wie in Chemnitz gab es im Erzgebirge zum Glück noch nicht. Wir wollen aber auf mögliche Situationen vorbereitet sein und Eskalationen vermeiden."

Heike Burkert jedenfalls ist begeistert von der Ausbildung: "Wir haben alle ganz schön geschluckt. Sehr interessant waren die Rechtsgrundlagen. Die Praxis hat uns schockierend vor Augen gehalten, wie Aggressionen an Fahrern ausgelassen werden können." Sie weiß nun, wie sie sich richtig bei Angriffen schützt. Denn, so Burkert: "Das Leben unserer Fahrgäste und unser eigenes sind das Wichtigste."

Auch sonst rückt das Thema Sicherheit beim RVE weiter in den Fokus. So sollen nach und nach alle Busse mit Videoaufzeichnungstechnik ausgestattet werden. Bislang seien etwa 20 Prozent mit Kamerasystemen ausgerüstet. Dass Überwachung zumindest dahingehend hilft, Täter zu ermitteln, beweist das jüngste Beispiel aus Marienberg. Richter: Nach einer Straftat im Bus konnte die Person dank der Videoaufzeichnung überführt werden.

 
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Kommentare
7
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 15.02.2018
    16:06 Uhr

    Pedaleur: @Voigtsberger: Probleme sollte man nicht klein reden und an vielen Stellen sind sie offensichtlich, aber die Gefahrensituationen für Busfahrer kann man nicht einer Personengruppe in die Schuhe schieben. Was meinen Sie mit Ross und Reiter? Wieviele Betrunkene, Drogenkonsumenten und simple Randalierer sind da unterwegs und tragen zu dieser Entwicklung bei? Die Chemnitzer Überfälle der jüngeren Zeit sind aufgeklärt, da können Sie Ross und Reiter nachlesen. Ich lese mir alle Beiträge, auch die nicht meiner Meinung entsprechen, vorurteilsfrei durch, aber bei Ihnen überkommt mich immer der Reflex, dass Sie sich in Ihre eigene Welt reden. Es ging mal mit Gutmenschen los, dann waren es die Gäste der Freunde der Freunde der Gäste und jetzt reden Sie von den "Toleranten". Ich bin auch Ihrer Meinung gegenüber tolerant, was nicht heißt, dass ich nicht widerspreche. Wenn Sie aber ein Problem damit haben, in einer toleranten Gesellschaft, und damit meine ich unterschiedlichste Werte, zu leben, sollten Sie ihr Menschenbild überdenken.

    3 1
     
  • 13.02.2018
    16:08 Uhr

    1953866: @voigtsberger, Schade, dass Sie das nicht verstanden haben. Ehrlich gesagt mit: "Wir brauchen mehr Engagement für Toleranz,Weltoffenheit und Narrenfreiheit. Helau!" oder spätestens beim Nachtrag vom toleranten Dresden, wo vermutlich linke "Aktivisten" Teilnehmer eine rechten Demo verprügelten, hatte ich geglaubt, auf den Hinweis "Achtung Sarkasmus!" verzichten zu können.
    Auch dachte ich, Sie kennen einige meiner Beiträge und wüssten, wie ich "ticke". Schade, aber vielleicht sollten Sie meine älteren Beiträge dazu noch einmal lesen.
    Übrigens wäre der von mir genannten Personenkreis für die Eskalation verantwortlich, dann würde dieser Personenkreis im Artikel hundertprozentig benannt und jeder kleinste Vorfall stände als rechtsradikale Straftat in der Zeitung. Da würde man unverzüglich "Ross und Reiter" nennen.
    Zusatz, wie ich gerade feststelle, hat das Hinterfragt schon richtig erkannt.

    2 4
     
  • 13.02.2018
    15:33 Uhr

    Hinterfragt: @voigtsberger; ich glaube eher das mit dem Personenkreis die Reichsbürger oder Mitglieder der AfD war von @1953866 eher sarkastisch gemeint ...

    2 4
     
  • 13.02.2018
    13:10 Uhr

    voigtsberger: @1953866: Glauben sie wirklich das ich mit dem Personenkreis die Reichsbürger oder Mitglieder der AfD gemeint habe und warum werden und wurden einige Haltestellen im Erzgebirge von vor allem Busfahrerinnen nicht mehr oder nur ungern angefahren. Was wird da
    wohl der Grund sein und wer das Klientel stellen? Auch werden Sicherheitsprogramme, um auf Eskalation vorbereitet zu sein, bei diesen Täterkreis, die Busfahrer eher noch mehr in Gefahr bringen, denn da hilft nur "Ross und Reiter" zu nennen und die Toleranz der Tolleranten, die fehlerhafte Weltoffenheit und die Narrenfreiheit endlich einmal beiseite zu lassen und konsequent gegen Täter vorzugehen! Denn am Ende sind doch wieder die Busfahrer und -Fahrerinnen die Leidtragenden, wie bei der Aktion der Linken Landtagsabgeordneten, wo Busfahrerinnen einige spezielle Haltstellen nicht immer bedienen wollten und das aus Angst aber die Landtagsabgeordnete der Linken sah gleich einen rassistischen Hintergrund und nicht das Ergebnis aus der Angst und der Not geboren! Wer Kommentare in das lächerliche zieht, wo das Thema sehr ernst ist, der sollte sich doch erst einmal der Realität im täglichen Nahverkehr stellen und dann
    sein "Helau" für sich huldigen.

    6 3
     
  • 12.02.2018
    19:14 Uhr

    1953866: Nachtrag: im tolerantem Dresden ist man da schon weiter:
    https://www.welt.de/vermischtes/article173479132/Dresden-Teilnehmer-einer-Neonazi-Demo-attackiert-Zwei-Schwerverletzte.html#Comments

    3 2
     

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