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Die Ehrenfriedersdorfer Drehleiter wird bei einer Übung in Stellung gebracht.

Foto: Andre März

Feuerwehr setzt sich für Umdenken ein

Zu wenige Kameraden, immer schwierigere Einsätze: Die Arbeit der freiwilligen Brandschützer wird komplizierter. Um auch in Zukunft einsatzfähig zu bleiben, muss sich etwas ändern. Das sagen die Chefs der Ehrenfriedersdorfer Wehr. Was muss sich tun?

Von Denise Märkisch
erschienen am 12.09.2017

Ehrenfriedersdorf. Es brennt. Die Feuerwehr wird alarmiert. Wenn alles gut läuft, sind viele Kameraden der jeweiligen Wehr in der Nähe ihres Depots, um innerhalb kürzester Zeit auszurücken. Doch genau das ist mittlerweile nicht immer der Fall. Viele der freiwilligen Lebensretter arbeiten nicht in ihrem Heimatort, sind mitunter die Woche über sogar auf Montage. Vor allem an Atemschutzträgern mangele es, sagen die Verantwortlichen von der Ehrenfriedersdorfer Feuerwehr. "Die Probleme werden nicht besser." In den Augen des Wehrleiters und seiner Stellvertreter müssen die Feuerwehren künftig noch mehr zusammenarbeiten, um dieses Dilemma zu lösen. "Viele Feuerwehren denken, sie schaffen es allein. Doch das stimmt einfach nicht mehr."

Konkret plädieren die Feuerwehrmänner dafür, die Alarm- und Ausrückeordnungen zu ändern. In ihnen wird geregelt, wer wann wohin ausrückt. So wird bei kleineren Ereignissen in der Regel nur die örtliche Wehr verständigt. Bei größeren Einsätzen können und sollten auch die umliegenden Wehren mit alarmiert werden. "Durch die geringe Tagesdienstbereitschaft in manchen Orten ist es vielerorts so geregelt, dass mehrere Ortswehren zusammen ausrücken", erklärt Landkreissprecherin Jutta Leonhardt. Doch die derzeitigen Regelungen seien noch nicht genug, so die Ehrenfriedersdorfer. "Bei Wohnungsbränden alarmieren wir beispielsweise immer gleich andere Feuerwehren in der Umgebung mit", erklärt Wehrleiter Thomas Schmidt. Das tun sie auch, wenn die Rettungsleitstelle eigentlich erst einmal nur die Ehrenfriedersdorfer gerufen hat. Die Erklärung ist einfach: Lieber würden sie die gerufene Unterstützung bei Nichtbedarf wieder nach Hause schicken, als kostbare Zeit zu verlieren und erst nach Eintreffen an der Einsatzstelle Verstärkung anzufordern.

Zwar sei die Ehrenfriedersdorfer Wehr prinzipiell gut aufgestellt - es gibt 45 aktive Mitglieder, zehn Kameraden arbeiten sogar im Stadtgebiet -, Hilfe bei Einsätzen sei aber immer nötig. "Es gibt viele Aufgaben zu erledigen, etwa die Bereitstellung der Löschwasserversorgung über längere Strecken, die Betreuung der Betroffenen, Dokumentation. Da wird jeder gebraucht", sagt der stellvertretende Wehrleiter Rigo Lindner. Und das treffe nun mal auf beinahe jeden größeren Einsatz zu. Weshalb die Ehrenfriedersdorfer ein Umdenken im Erzgebirge wünschen. Mehr Zusammenarbeit lautet das Schlagwort aus ihrer Sicht.

Dabei sollten auch Altlandkreise keine Rolle mehr spielen. Immerhin zählt jede Minute. Und da sei die Nähe entscheidend - und nicht ehemalige Landkreisstrukturen. Das gelte zum Beispiel für den Einsatz von Drehleitern. Bald wird es davon im Altkreis Annaberg drei geben. Ehrenfriedersdorf und Buchholz haben bereits eine. Doch Ehrenfriedersdorf liegt zum Beispiel an einer Altkreisgrenze. Wenn der Einsatz der Spezialtechnik also in nahe gelegenen Orten des ehemaligen mittleren Erzgebirgskreises benötigt wird, sollte sie aus Sicht der Ehrenfriedersdorfer auch dorthin alarmiert werden. Das sei aber nicht immer der Fall. Ein Problem, wie sie finden, das nicht sein muss.

Immerhin geht es auch anders, wie Maik Lenk von der Schönheider Feuerwehr erklärt. "Bei uns gibt es diesbezüglich keine Probleme", sagt der stellvertretende Gemeindewehrleiter. In den Alarm- und Ausrückeordnungen sei das entsprechend geregelt. Brennt in der Region ein Haus oder eine Wohnung, rückt ihre Drehleiter automatisch mit aus. "Bei Großeinsätzen fordern wir bei Bedarf eine zweite Drehleiter aus dem Vogtlandkreis an. Genauso könnten wir auf Anforderung ins Vogtland fahren. Theoretisch besteht auch eine grenzübergreifende Löschhilfe, das heißt, unsere Drehleiter könnte bis nach Tschechien angefordert werden."

Wie nun weiter? Die Ehrenfriedersdorfer haben für sich bereits erste Konsequenzen gezogen. Um die Zusammenarbeit mit benachbarten Wehren zu verbessern, fand eine gemeinsame Übung statt. Ein klassischer Wohnungsbrand wurde simuliert. Mit dabei waren die Freiwilligen Feuerwehren aus Thum, Geyer und Neundorf. Auch dem Kreisbrandmeister haben die Ehrenfriedersdorfer bereits ihre Bedenken zur Zukunft der Feuerwehren mitgeteilt. Damit sich etwas ändert, sehen sie unter anderem den Landkreis in der Pflicht. Dieser sagt aber, dass die Alarm- und Ausrückeordnungen von der Wehrleitung in Zusammenarbeit mit ihren Kommunen und den angrenzenden Gemeinden festgelegt werden. Das Landratsamt habe hier nur eine "empfehlende Rechtsstellung".

Nichtsdestotrotz betont Kreisbrandmeister Lutz Lorenz: "Die Zusammenarbeit ist aus meiner Sicht unerlässlich, um anstehende Aufgaben erfüllen zu können. Die Absicherung von Einsätzen vor allem der Tagesbereitschaft erfordert enge Zusammenarbeit." Doch auch er meint, dass die Alarm- und Ausrückeordnung eben von den Gemeinden festgelegt wird. Dazu gehöre auch, welche Technik wohin alarmiert wird.

Doch es könnte sich vielleicht bald doch etwas auf diesem Gebiet tun. "In Vorbereitung des Übergangs der Leitstelle des Erzgebirgskreises und des Regionalbereiches Aue-Schwarzenberg zur Integrierten Rettungsleitstelle Chemnitz werden die Alarm- und Ausrückordnungen überarbeitet."

 
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