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Freistaat nimmt "Erzlichter" ins Visier

Parolen im Netz und an Hauswänden, Bilder von vermummten Männern, ein offenes Bekenntnis zum Nationalsozialismus: Ermittler sind einer neuen rechtsextremen Gruppe auf der Spur.

Von Christoph Pengel
erschienen am 17.01.2018

Stollberg/Oelsnitz. Eine rechtsextremistische Gruppe namens "Erzlichter" hat in den vergangenen Monaten ihr Unwesen im Raum Stollberg und Oelsnitz getrieben. Das belegt die Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Linke).

Demnach fiel die Gruppe erstmals im Zuge einer Internetrecherche im November 2017 auf. Auf einer bereits gelöschten Facebook-Seite bezeichneten sich die Mitglieder als "Nationalsozialistische Organisation im Erzgebirge". Zudem schrieben sie: "Wir sind eine Gruppe junger Leute, die die Schnauze voll haben. Wir sehen nicht länger zu." Auf Profilen bei Twitter und Instagram veröffentlichten die "Erzlichter" unter anderem Bilder, auf denen zu sehen ist, wie vermummte Männer ein Kriegerdenkmal reinigen. Auch diese Konten sind jetzt gesperrt. Offenbar war die Gruppe nicht nur im Internet aktiv. So wurde die Eisenbahnbrücke über der A 72 bei Stollberg am 17. August 2017 mit einem Schriftzug besprüht: "Gebt die Akten frei! Alle nach Spandau. 19. 8." Daneben war ein Logo mit der Bezeichnung "Erzlichter" zu erkennen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Sachbeschädigung, konnte aber keinen Tatverdächtigen ausfindig machen. Das Verfahren wurde daher Ende Oktober eingestellt.

Mit dem Schriftzug bezogen sich die Urheber vermutlich auf das Datum einer Demonstration: Zwei Tage nach der Sprühaktion gingen etliche Neonazis im Berliner Ortsteil Spandau auf die Straße. Anlass war der 30. Todestag des Kriegsverbrechers und Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, der sich am 17. August 1987 das Leben in seiner Gefängniszelle genommen hatte. In rechtsextremen Kreisen wird bis heute behauptet, Heß sei ermordet worden. Daher rührte auch das Motto der Demo: "Mord verjährt nicht. Gebt die Akten frei - Recht statt Rache."

Die Staatsregierung spricht zudem von weiteren Schmierereien in Oelsnitz, etwa im Bereich des Rathauses, der Lutherstraße und des Kirchplatzes: "Erzlichter", "Volkstod stoppen", "NS" oder "NS jetzt" war dort auf mehreren Gebäuden zu lesen. Ähnliche Schriftzüge wurden in Stollberg beobachtet. In Oelsnitz tauchten die Parolen zwischen dem 21. und 23. November auf - zeitgleich mit Aufklebern, auf denen die Worte "Antifa-Opfer", "NS-Area" oder "Hknkrz" prangten.

Ob die "Erzlichter" zudem über Stollberg und Oelsnitz hinaus agieren, ist selbst Kennern der rechten Szene bislang unklar. "Wir wissen noch recht wenig, aber wir sind dran", sagt Angela Klier, die Leiterin der Koordinierungs- und Fachstelle für die Partnerschaft für Demokratie in Aue. Laut Klier sind Nachforschungen deshalb schwer, weil sich die "Erzlichter" meist vermummen und ihre Gesichter nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Die Staatsregierung prüft derzeit Verbindungen und personelle Überschneidungen ins rechtsextreme Milieu.

 
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