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Der Vater liegt totgeprügelt auf dem Boden, sein Sohn kniet halb tot geprügelt daneben. Der Anführer der rabiaten Gang hält seine Schwester in den Armen, die er soeben mit einem Messer erstochen hat. Ist doch alles kein Spaß mehr?

Foto: Sebastin PaulBild 1 / 2

Fröhliches Schlagen ist schlagartig zu Ende

"Hap Slap - ist doch nur Spaß" heißt das neue Stück des Theaterjugendclubs aus Annaberg- Buchholz. Am Sonntag hat es Premiere. Und bietet dem Publikum erneut keine leichte Kost.

Von Antje Flath
erschienen am 13.10.2017

Annaberg-Buchholz. In einer Oberschule wird ein Mädchen von 15 Gleichaltrigen zusammengeschlagen. Während einer Konfirmandenausfahrt wird ein 14-Jähriger auf ein Sofa gefesselt, Jugendliche schlagen auf ihn ein. An einer Bushaltestelle wird eine 15-Jährige von sieben Mädchen verprügelt - umstehende beziehungsweise vorbeilaufende Passanten greifen nicht ein. Drei Fälle, die nie in den Medien aufgetaucht sind, wohl aber im Internet. Fälle, in denen Jugendliche wahllos oder auch ganz bewusst jemanden zusammenschlagen und alles mit dem Handy filmen. Je spektakulärer die Aufnahmen, umso höher der Stellenwert.

"Happy Slapping" - was übersetzt so viel bedeutet wie "fröhliches Schlagen" - ist ein gesellschaftliches Phänomen der Gegenwart, dass Schauspieler Nenad Žanić vom Eduard-von-Winterstein-Theater schon seit mehr als zwei Jahren beschäftigt. Entstanden ist daraus ein neues Stück für den hauseigenen Theaterjugendclub. Ein Stück, das nicht weniger brisant ist als seine Vorgänger, in denen es unter anderem um Themen wie Mobbing, Amoklauf und Drogen ging. Zwar ist das neue Thema im Erzgebirge noch nicht so brisant wie in Großstädten, sagt Nenad Žanić. Aber bekannt sei das Thema durchaus, weiß er aus eigenen Erfahrungen und aus Gesprächen mit der Polizei beispielsweise. Und auch die Jugendlichen kennen es. Dabei ließen sich die Täterinnen und Täter weder bestimmten sozialen Schichten zuordnen, noch spiele Drogenkonsum eine entscheidende Rolle.

Das, was der Zuschauer in den 45 Minuten von den zehn jungen Darstellerinnen und Darstellern auf der Studiobühne zu sehen bekommt, widerspiegele zum überwiegenden Teil die Realität - einschließlich aller Gewalt, aller gnadenlosen Brutalität. Da wird ein wehrloser und kranker alter Mann auf seinem Stuhl verprügelt. Da muss das neue Gang-Mitglied erst zahlreiche Schläge einstecken, um als "Freak" aufgenommen zu werden. Da wird ein Jugendlicher blutig geschlagen und als sein Vater ihm helfen will, wird er selbst totgeprügelt. Und alles wird immer wieder mit dem Handy gefilmt. Bilder, die wirken. Dessen ist sich auch Nenad Žanić bewusst, nicht nur Autor des Stückes, sondern auch Regisseur und Ausstatter. Doch beschönigen ist nicht seine Art. Vielmehr ist er überzeugt: "Es braucht starke Bilder, um eine starke Wirkung zu erzielen." Eine Herausforderung auch an die überwiegend jungen Akteure auf der Bühne, deren Alter sich zwischen 15 und 22 bewegt und von denen nur manche Bühnenerfahrung mitbringen. "Die Gewalt zu zeigen und die Lust am Prügeln zu vermitteln, das war für sie schwierig", erinnert er sich an die ersten Proben im Sommer des vergangenen Jahres. So war bei diesem Stück besonders intensive Rollenarbeit erforderlich. Und dafür hat der Regisseur einen ungewöhnliche Weg gewählt: Das Stück wurde Szene für Szene erarbeitet, ohne dass die Beteiligten das komplette Geschehen kannten. Auch das tragische Ende hat sich der Regisseur bis zum Schluss der Proben aufgehoben. Die letzten von ihnen laufen in diesen Tagen. Am Sonntag steht dann die Premiere auf dem Spielplan.

Danach sind bis zum 6. Februar vorerst neun weitere Aufführungen geplant - eine davon in der Alten Brauerei in Annaberg-Buchholz, alle anderen auf der Studiobühne des Theaters. Zum überwiegenden Teil Vorstellungen für Schulklassen, die laut Nenad Žanić auch schon gut ausgebucht sind. Im Anschluss ist jeweils eine Diskussionsrunde vorgesehen, an der sich auch die Polizei wieder beteiligen wird - ähnlich wie bei dem Vorgängerstück "Crystal - ein Stück Koma".

Ob die neue Inszenierung an dessen Erfolg anknüpfen kann - das Stück war wegen der ungebrochen großen Nachfrage fast drei Jahre gespielt worden - vermag der Schauspieler momentan noch nicht zu sagen. Aber das ist für ihn auch nicht das Entscheidende: "Das Thema ist wichtig, deshalb muss es angesprochen werden", argumentiert er.

Die Premiere findet am Sonntag statt. Sie beginnt 15 Uhr. Weitere Aufführungstermine sind der 19., 23. und 25. Oktober; der 9. und 17. November; der 17., 23. und 31. Januar sowie der 6. Februar. Beginn jeweils 10 Uhr.

 
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