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Die Gruppe aus Borna bei Leipzig kommt mehrfach im Jahr nach Jöhstadt, um Sport zu treiben. Sie wollen helfen, die Einrichtung zu retten und packten dafür tatkräftig an. Im Bild vorn: Torsten Thomas und Andreas Träger (v. l.).

Foto: ERZ-Foto/Georg Ulrich DostmannBild 1 / 2

Für Rettung des Schullandheims packen selbst die Gäste mit an

Die Jöhstädter Einrichtung kämpft ums Überleben. Seit Jahren herrscht Investitionsstau. Ein 2016 gegründeter Förderverein will helfen - mit Erfolg. Doch für den wirklich großen Schlag fehlt noch etwas Entscheidendes.

Von Denise Märkisch
erschienen am 10.01.2018

Jöhstadt. Ramona Barthel liebt ihren Beruf. 41 Jahre kümmert sie sich schon um die Gäste des Jöhstädter Schullandheims. Seit 1998 hat sie es mit ihrem Mann Thomas von der Stadt gepachtet. Doch in ein paar Jahren wollen sie in Rente gehen. Bis dahin muss das Schullandheim, das 1922 eröffnet wurde und vermutlich das älteste in ganz Deutschland ist, modernisiert sein. "Nur so besteht die Chance, einen Nachfolger zu finden", sagen die Barthels. Geschieht das nicht, wird mit ihrem Weggang das Haus vermutlich für immer schließen.

Ein Szenario, dass nach dem Wunsch vieler nie eintreten darf. Aus diesem Grund wurde 2016 der Förderverein Schullandheim Jöhstadt gegründet. 66 Mitglieder hat dieser mittlerweile. Zudem konnten über Beiträge und Spenden 10.000 Euro gesammelt werden. Neben Jöhstädtern sind darunter auch viele der Gäste, die zum Teil seit Jahrzehnten kommen. Zu ihnen gehört eine Gruppe aus Borna. Zwei- bis dreimal pro Jahr und das seit knapp 20 Jahren verbringen die Männer und Frauen, die in einem Judo- beziehungsweise Laufverein aktiv sind und alle im gleichen Wohngebiet wohnen, ein Wochenende in Jöhstadt. Der altmodische Charme des Schullandheims schreckt sie nicht ab. Doch auch sie wissen, dass etwas getan werden muss. Also traten sie dem Verein bei. Und noch mehr: An einem Wochenende brachten sie Farbe und Baumaterial mit, um einige der Zimmer zu renovieren. Einfach so, weil ihnen das Schullandheim am Herzen liegt.

Nicht die einzige Aktion, die in den vergangenen Monaten stattgefunden hat. Neun der 20 Zimmer und die sogenannte Kuschelecke sind seitdem renoviert worden. Das Material wurde entweder gesponsert oder die Helfer brachten es gleich selbst mit. Neue Farbe und Fußbodenbeläge können zwar im Kleinen Wunder bewirken. Doch eigentlich braucht es viel mehr, um das Schullandheim zukunftsfähig zu machen.

Daniel Meyer, 1. Vorsitzender des Fördervereins, spricht von einem Investitionsbedarf zwischen 500.000 und 750.000 Euro. Ohne Investor sei das eigentlich nicht zu stemmen. Die Stadt Jöhstadt wäre laut Meyer bereit, das Haus samt Grundstück zu verkaufen. Und ein passendes Konzept hat der Vorstand des Fördervereins auch parat. Bis das stand, mussten aber jede Menge Vorarbeiten geleistet werden. Im ersten Schritt hat Jürgen Schmiedel, seines Zeichens Bauplaner und Vereinsmitglied, zunächst einmal die bauliche Substanz geprüft. Danach wurden fehlende Grundrisse vom Haupthaus angefertigt. "Ohne die Bestandspläne braucht man gar nicht anfangen, etwas zu planen", sagt Schmiedel. Wert: 2500 Euro. Doch Schmiedel tat dies ohne einen Cent zu verlangen. Auch die Brandmeldeanlage und elektrische Installationen wurden untersucht. Dabei zeigten sich viele Defizite, die zum Teil bereits behoben wurden. In diesem Punkt sprang auch der Eigentümer, die Stadt Jöhstadt, ein.

Als Nächstes war das Konzept an der Reihe. Dafür musste eine Zielgruppe definiert werden. Neben Klassen- und Vereinsausfahrten, will man künftig verstärkt ein Angebot für behinderte Menschen schaffen. Inklusion ist ein wichtiges Thema, finden die Fördervereinsmitglieder. Dafür soll das Obergeschoss barrierefrei werden. Ein Hebelift könnte den Zugang in die erste Etage ermöglichen. Dort sind unter anderem spezielle Einheiten für Rollstuhlfahrer geplant. Auch Sanitäreinrichtungen müssen entstehen. Das sei derzeit eines der großen Probleme. Duschen und WCs gibt es nur im Erdgeschoss. Das entspricht nicht mehr dem Standard, den viele Reisende gewohnt sind. Zudem muss das Gebäude energieeffizienter werden, um die Kosten zu minimieren. Die letzten wirklich nennenswerten Modernierungen fanden noch in den 1990er Jahren statt. Doch um das zu realisieren, braucht es Geld und Fördermittel. Viele Programme sind für einen Förderverein aber eher ungeeignet. Nichtsdestotrotz haben Meyer und seine Mitstreiter ein Programm gefunden, mit dem zunächst ein behinderten gerechter Zugang zum Haus geschaffen werden soll. Auch eine spezielle Toilette und ein Grillplatz sollen am hinteren Zugang entstehen. 25.000 Euro wird das voraussichtlich kosten. Der Verein hofft aber auf eine 100-prozentige Förderung über das Programm Lieblingsplätze. Der Förderverein und die Barthels geben nicht auf. Schritt für Schritt tut sich was. Und vielleicht wird bald wirklich ein Investor auf das alte Schullandheim aufmerksam.

 
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