Geyer soll den Einsatz von Pferden im Festumzug verbieten

Kurz vor dem Auftakt zu den Feierlichkeiten anlässlich 550 Jahre Stadtrecht sorgt ein Brief aus Nordrhein-Westfalen für Diskussionen. Darin wird auf die Gefahr verwiesen, die von den Vierbeinern bei solchen Veranstaltungen ausgehen. Ein Experte auf dem Gebiet sieht das Problem indes woanders.

Geyer.

Ein Toter, zwei schwer- sowie drei leichtverletzte Personen: So lautete vor gut einem Jahr die schreckliche Bilanz eines Kutschunfalls beim Feuerwehrfest in Schönfeld. Über die Kreisgrenzen hinaus betrachtet, war es aber nur einer von vielen derartigen Unfällen.

Laut der Tierrechtsorganisation Peta hat es im Jahr 2015 in Deutschland, Österreich und der Schweiz 67 Pferdekutschunfälle gegeben. Ein Jahr zuvor waren es sogar 76. Solche Unglücke in Zukunft zu verhindern, hat sich die Pferdeschutz-Initiative 2015 aus Henef in Nordrhein-Westfalen auf die Fahnen geschrieben. Sie fordert bundesweit Veranstalter auf, Pferde aus jedweden Festlichkeiten herauszulassen. Ein solches Schreiben hat jetzt aus Anlass der am Samstag beginnenden Festwoche auch die Stadt Geyer erhalten. Darin wird sie aufgefordert, den Einsatz von Pferden im großen Umzug am 20. August zu verbieten. Das würde bedeuten, kurzfristig rund 40 Pferde zu ersetzen. So viele sind laut Organisationschef Andreas Fischer in den Umzug eingebunden.

"Pferde sind Fluchttiere. Sie können beim geringsten Anlass erschrecken, steigen, scheuen, austreten, in Panik geraten, durchdrehen und unkontrolliert davonstürmen", sagt Brigitte Kübbeler, Sprecherin der bundesweit tätigen Initiative. Zudem sei ein Festumzug für Pferde Stress. Dieser verursache bei den Tieren teils Koliken, die zum Kreislaufversagen und in der Folge auch zum Tod führen können, heißt es weiter.

Die Forderung, Pferde komplett aus Festumzügen zu entfernen, hält Sven Ullmann für überzogen. Dennoch würde er selbst nie mit einem Pferd an einem Festumzug teilnehmen. Er, der im Marienberger Ortsteil Lauterbach das Wiesengut Ullmann betreibt, weiß, wovon er spricht. Seit gut 40 Jahren arbeitet er mit den Vierbeinern. Er ist Tierarzt, betreibt eine Pferdepension, gibt Reitkurse. Für ihn sind nicht die Pferde die Ursache für das Dilemma, sprich für Unfälle, sondern die Menschen. "Die Leute haben heute einfach keinerlei Bezug mehr zu Pferden. Ich erlebe das tagtäglich, etwa bei Reitkursen für Kinder. Da drängeln sich etwa die Eltern von hinten regelrecht an die Tiere ran, die dann in Stress geraten. Und genauso ist das bei Festumzügen. Anstatt Abstand zu halten, engen die Zuschauer oftmals den Laufweg des Umzuges und damit der Pferde ein", so Ullmann. Zudem sollten die Veranstalter planen, dass nicht gerade hinter Pferden eine Blaskapelle marschiert, rät er. "Das sind nun einmal keine Kuscheltiere, auch wenn das manche Mädchenzeitschrift gern so suggeriert", sagt Ullmann.

Für Andreas Fischer ist das alles nicht neu. "Genau mit dieser Materie habe ich mich lange im Vorfeld auseinandergesetzt, mit verschiedenen Pferdehaltern gesprochen und das Für und Wider abgewogen", sagt der Organisationschef der Geyerischen Festwoche. Im Ergebnis habe er zum Beispiel zwei, drei Pferdehalter für den Festumzug gestrichen, von denen er erfahren habe, dass ihnen schon einmal Tiere durchgegangen sind. Auch sei der Festumzug selbst entsprechend konzipiert worden. So fahre in den Bildern bis zum Jahr 1900 kaum ein Auto, werde von Schützen nicht geböllert und die in dem Bereich laufenden Musiker werden eher leise Töne anstimmen. Von den Besuchern wünscht sich Fischer wie auch Ullmann mehr Zurückhaltung. Dennoch: Ein Restrisiko bleibt immer. Dessen ist sich Andreas Fischer bewusst.

Auch bei den Ortsjubiläen in Cranzahl und Sehma hat das Thema bei den Vorbereitungen eine Rolle gespielt, sagt Hauptamtsleiterin Sandra Schmiedel. "Tiere sind grundsätzlich unberechenbar." Das sei auch einer der Gründe gewesen, weshalb man sich im Sehmatal gegen einen klassischen Festumzug entschieden und stattdessen jeweils eine Art stehenden Umzug organisiert hat. Ganz auf Pferde verzichten werde man trotzdem nicht. Zu Beispiel soll es eine Kutsche geben. Sie werde aber nicht wie bei einem Umzug direkt an Menschenmassen vorbeifahren. (mit aed)

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