Hainichenerin sagt dem Plastik-Planeten den Kampf an

Susan Rößner hat Kunststoff aus ihrem Alltag verbannt. Damit will sie ihren Anteil gegen eine zunehmende Vermüllung leisten.

Hainichen.

Das Deodorant in der Papierhülle, die Zahnbürste aus Holz, das Muffinförmchen aus Emaille - Haushaltsgegenstände ganz ohne Plastik sind für die meisten nur schwer vorstellbar, aber es gibt sie. Für die Hainichenerin Susan Rößner sind sie mittlerweile eine Lebensphilosophie. Die 38-Jährige möchte etwas gegen den zunehmenden Plastikmüll unternehmen. Allein der Stoffbeutel reicht ihr aber nicht. Sie betreibt einen der wenigen Internetshops in Deutschland, in denen plastikfreie Alltagsdinge angeboten werden.

"Ich bin in Frankenberg geboren, aber in Hainichen aufgewachsen", erzählt Susan Rößner. Studiert hat sie Geschichte. Derzeit hat sie eine Halbtagsstelle an der Universität in Konstanz und pendelt regelmäßig zwischen Hainichen und Konstanz. "Meine Eltern und mein Freund leben in Hainichen, deshalb bin ich alle vier Wochen in der Heimat", berichtet die 38-Jährige.

Dass vor allem für Kosmetikartikel sehr viel Erdöl verarbeitet werde, habe sie immer gestört. Doch allein das war für die Hainichenerin nicht der Anlass, sich gegen den Plastikmüll zu engagieren.

"Mein Freund und ich reisen oft ins Ausland. Die letzte Reise führte uns in die USA und nach Kanada", berichtet Susan Rößner. "Eigentlich mehr zufällig habe ich dort den Dokumentarfilm ,Plastic Planet' von Regisseur Werner Boote, dessen Großvater selbst Geschäftsführer eines Unternehmens war, in dem Plastik produziert wurde, gesehen", berichtet sie und ergänzt: "Das war für mich ein Schlüsselerlebnis, das mir die Augen geöffnet hat." Boote deckt in seinem Film Fakten und Zusammenhänge auf. Er stellt Fragen wie: Schadet Plastik unserer Gesundheit? Wer ist verantwortlich für die Müllberge in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei? Wer verliert?

"Das war so ein Moment, wo ich dachte, Plastik hat enorme Auswirkungen auf unsere Umwelt und die Gesundheit, verschmutzt die Weltmeere und gefährdet deren Bewohner", berichtet Susan Rößner.

Später habe sie dann etwas über eine Familie aus Österreich gelesen, die ganz ohne Plastikprodukte lebt. "Als ich gesehen habe, dass das scheinbar geht, habe ich beschlossen, es auch zu versuchen", sagt sie.

Stichtag für ein plastikfreies Leben war für sie der 1. November 2013. Doch ganz so einfach war das nicht, gibt sie zu. "Ich lebte damals bei meinen Eltern in Hainichen. Den größten Anteil an Plastik machen ja die Lebensmittelverpackungen aus", erklärt sie. Um das zu vermeiden, brauche man eigentlich einen guten Wochenmarkt, wo man die Lebensmittel unverpackt kaufen kann. "In Konstanz gibt es so etwas. Dort kann man sein eigenes Behältnis mitbringen und Nudeln, Käse und sogar Fleisch kaufen", berichtet Susan Rößner.

Das Angebot auf dem Wochenmarkt in Hainichen sei jedoch begrenzt. Hinzu kamen die anderen alltäglichen Probleme zum Beispiel beim Kauf von Zahnpasta oder Deodorant. "Diese Sachen gibt es nur in Spezialgeschäften ohne Plastikverpackung", sagt Susan Rößner. Also musste sie all die Dinge, die sie brauchte, mühsam aus verschiedenen Shops im Internet oder Großstädten zusammensuchen. "Das war sehr kosten- und zeitintensiv", berichtet sie. Das brachte sie dann auf die Idee mit dem eigenen Internetshop. Die plastikfreien Alltagsdinge bezieht sie von speziellen Herstellern und Großhändlern. "Oftmals sind die Produkte nur zufällig plastikfrei, weil Hersteller mal ein anderes Design anbieten wollten", erklärt die Hainichenerin. Deshalb sei der Markt auch sehr begrenzt.

Dennoch: "Rein wirtschaftlich läuft das Internetangebot besser als gedacht, obwohl ich eigentlich keine große Werbung dafür mache", sagt sie. Leben könne sie zwar davon noch nicht und behalte deswegen ihre Halbtagsstelle in Konstanz. Aber irgendwann möchte sie ihre hölzernen Zahnbürste einpacken und wieder ganz nach Sachsen zurückziehen, "dann aber lieber in eine Großstadt wie Leipzig oder Dresden".www.monomeer.de

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