Heimatforscher Helmut Unger gestorben

Der Annaberger ist am Buß- und Bettag im Alter von 93 Jahren eingeschlafen. Er hinterlässt ein erstaunliches Werk.

Annaberg-Buchholz.

"Geduld, Geschick und Genauigkeit" war eine Ausstellung überschrieben, die im Erzhammer 2008 Scherenschnitte von Helmut Unger gezeigt hat. "Geduld, Geschick und Genauigkeit" sind auch Synonyme, die für sein Leben stehen, an dessen Ende die Kraft des Körpers nachließ. Sein Name wird immer eng mit der Stadt Annaberg-Buchholz und der Aufarbeitung historischer Fakten verbunden bleiben: Publiziert hat er mehr als 30 Titel. Eines der bedeutendsten Werke, das er mit seinem Sohn Reinhart bearbeitet hat, ist die Paulus-Jenisus-Chronik.

Helmut Unger wurde am 19. April 1923 in Zschorlau geboren. Nach der 8. Klasse endete seine Schulzeit. Es war die Zeit vor Kriegsausbruch, als Unger 1937 als Silberschwabbler bei der Firma Hutschenreuter in Aue zu arbeiten begann. 1942 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach einer militärischen Ausbildung kam er als Zeichner zur Befehlsstaffel. Beim Einsatz in Griechenland war der Erzgebirger an vorderster Front, lernte die "ganze Scheußlichkeit des Krieges" kennen. An den "angenehmen" Tagen, ohne die er den Kriegseinsatz nicht ertragen hätte, besuchte Helmut Unger Kulturstätten und Musik-Veranstaltungen. Eine Art Ausbildung erlangte er während seiner Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt aufgrund einer schweren Rippenfell- und Lungenentzündung wurde er nicht mehr zu Steinbrucharbeiten unter Tage eingesetzt. Man delegierte ihn 1949 zur Antifa-Schule und entließ ihn im selben Jahr in die neu gegründete DDR. Zu Weihnachten kam Unger wieder in seinem Geburtsort an.

Die Jahre bis 1955 waren geprägt von Krankheit. Diagnose: Lungentuberkulose. 1952 heiratete er Johanna Pohl aus Sehma. Ein Jahr später wurde Sohn Reinhart geboren. Nachdem Helmut Unger als geheilt entlassen ins Arbeitsleben zurückgekehrt war, leitete er unter anderem das Kulturhaus in Cranzahl, war innerhalb des Kreiskabinetts für das bildnerische Schaffen zuständig - bis er 1970 die Arbeit im Erzgebirgsmuseum aufnahm.

1991 in den Ruhestand verabschiedet, widmete er sich seinen Hobbys. Dazu zählen nicht allein die Aufarbeitung der städtischen Historie und zahlreiche Übersetzungen. Seine detailfreudigen Scherenschnitte sind legendär. Auch die akribisch und in erstaunlicher Vielfalt hergestellten Faltsterne zierten Ausstellungen. Sie sind auch die letzten Arbeiten, denen er sich im Alter von 93 Jahren widmete. Besonders gefreut hat er sich, dass seine Adventskalender mit Pyramiden- beziehungsweise Schwibbogenmotiven in diesem Jahr in dritter Auflage erschienen sind.

Das künstlerische Werk Helmut Ungers wird Schwiegertochter Almut Nitzsche verwalten. Der Nachlass seiner historischen Forschungen geht in die Hände seines Sohnes. Helmut Unger war Autodidakt. Für keine seine künstlerischen Arbeiten hat er je einen Lehrgang besucht. Dabei hätte er gern Kunst studiert. Am Buß- und Bettag starb er im Alter von 93 Jahren.

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