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Am Beispiel von Monoskifahrer Mathias Brühl aus Jena wird ersichtlich, dass es an den Oberwiesenthaler Schleppliften kaum möglich ist, ohne fremde Hilfe nach oben zu kommen. Das Einhängen und Ausbalancieren schaffen nur ganz Geübte allein. Ein Sessellift wäre an der Stelle sehr willkommen.

Foto: Thomas FritzschBild 1 / 3

Inklusion am Fichtelberg noch Fremdwort

Menschen mit Handicap überwinden Hürden, die "Normalos" nicht mal sehen. Grenzen gibt es dennoch, etwa beim Skifahren.

Von Thomas Schmidt
erschienen am 10.02.2018

Oberwiesenthal. Kevin Lindner ruft: "Keine Angst! Wenn dich jemand wegbläst, wird ihm das mehr wehtun als dir." Ob Mathias Brühl davon überzeugt ist, zeigt sich demnächst. Am Dienstagabend aber kam der Jenaer extra an den Fichtelberg, um das Monoskifahren zu testen. "Macht Spaß, ist aber ganz schön rasant", so der 38-Jährige nach den ersten Fahrten auf harter Piste. Die hat er nicht allein gewagt, sondern stets begleitet von Justin oder Sven Korb, die als Skilehrer die Anfänger wohlbehalten nach unten brachten. Dort aber lauern andere Hürden, die den Behinderten nicht gefallen.

"Seit einigen Jahren kommen wir an den Fichtelberg, um Ski zu fahren. Getan hat sich für uns Behinderte nichts", betont Matthias Uhlig. Der ehemalige Paralympicsteilnehmer von Nagano und Salt Lake City organisiert mit der Firma Reha aktiv das Nachtskilaufen. Er will diejenigen, die es können, aktivieren. Vor allem aber andere animieren, im Winter auch mit Handicap Sport zu treiben. "Das funktioniert. An manchen Orten besser, an manchen schlechter", so der Einbeinskifahrer aus Erdmannsdorf, der auch mehrmals bei Weltmeisterschaften aktiv war. Er kritisiert, dass sich im Skigebiet am Fichtelberg viel zu wenig tut. "Und das, obwohl es mittlerweile das Inklusionsgesetz gibt. Es besagt, dass wir Behinderten gleichzubehandeln sind. Am Keilberg und am Plessberg sind sie da schon viel weiter. Dort gibt es für uns überall Lifteinstiege und entsprechende Toiletten", betont der 53-Jährige. "In Oberwiesenthal steht nur ein rollstuhlgerechtes WC zur Verfügung. Das befindet sich an der Schwebebahn", fügt er hinzu. Auch funktioniere der Einstieg am Vierersessellift. "Das war's dann aber schon. Deshalb befassen sich viele unserer Betroffenen, die ohnehin die Winterzeit kritisch sehen, gleich gar nicht erst mit dem Skifahren."

René Lötzsch, Geschäftsführer der Fichtelbergschwebebahn (FSB) GmbH als Betreiber der öffentlichen Anlagen, kennt das Problem. "Ich würde ja gern ...", versichert er. Nur werde Behindertenfreundlichkeit erst möglich, wenn irgendwann der seit Jahren stagnierende Bau neuer Liftanlagen genehmigt wird.

Dahingehend gibt es jetzt ein neues Lichtlein am Horizont. Vor wenigen Tagen hat die FSB die Unterlagen zum Projekt Achtersessellift von der Landesdirektion zurück erhalten. "Wir müssen jetzt nur noch wenige kleine Änderungen durchführen. Dann kann ich das Paket erneut einreichen. Das werde ich in den nächsten Tagen gleich erledigen", erklärte Lötzsch gestern.

Da Träumen erlaubt ist, würde sich Mike Reichardt aus Chemnitz Ähnliches wie in Österreich wünschen. "Dort sind die Skigebiete für alle grandios ausgebaut. Zur Weisseespitze, einem rollstuhlgerechten Hotel, darf ich mit dem Auto bis auf 2800 Meter ranfahren. Einfach Idealzustände", erklärt der 49-Jährige. Als begeisterter Skifahrer bucht er jedes Jahr dieses Hotel im Kaunertal. Er würde auch öfter nach Oberwiesenthal kommen. Aber: "Hier brauchen wir immer Gehilfen. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, dass es einmal besser wird."

 
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