Kraft tanken im Hospiz: Die Auszeit vom Alltag

Die vergangene Woche hat Sten nicht in den Bergen, sondern an der Nordsee verbracht. Für ihn und seine Mutti Mandy Korb ist die Einrichtung ein Ort zum Erholen. Hier kann die 38-Jährige für eine kurze Zeit auch mal Verantwortung abgeben.

Oberwiesenthal/Wilhelmshaven.

Ein Hospiz ist für viele Menschen ein Ort, an den man geht, wenn sich das Leben dem Ende zuneigt. Doch das ist nicht alles. Für manche ist es auch ein Platz für Begegnungen, zum Ausspannen, der Freude und Gelassenheit im sonst so stressigen Alltag schwer kranker Menschen und deren Angehörigen.

2015 reisten Mandy Korb und ihr Sohn Sten aus Oberwiesenthal das erste Mal in das Kinder- und Jugendhospiz "Joshuas Engelreich" in Wilhelmshaven. "Seitdem fahren wir ein bis zwei Mal jährlich für ein bis zwei Wochen hierher", erzählt die 38-Jährige. In der Einrichtung an der Nordsee werde den Eltern viel Arbeit abgenommen.

"Ein klassischer Urlaub ist mit einem behinderten Kind wie Sten nicht möglich beziehungsweise bedarf wahnsinnig viel Planung", erklärt Mandy Korb. Dabei seien die Aufenthalte im Hospiz aber auch nicht unbedingt Urlaub im klassischen Sinn. "Das Hospiz gibt uns die Möglichkeit, in einem geschütztem Raum zur Ruhe zu kommen." Es sei ein Ort, an dem man sich nicht erklären muss, wenn ein Kind behindert ist, einen Anfall bekommt, Sauerstoff braucht, gefüttert und gewindelt wird. Zudem sei die medizinische Versorgung mithilfe des geschulten Personals zu jeder Zeit sichergestellt. "Ich kann auch mal für eine Stunde verschwinden, ohne mir Sorgen zu machen." Im Hospiz, so sagt Mandy Korb, sei sie Sten ganz nah und trotzdem habe sie die Möglichkeit, sich jederzeit zurückzuziehen. "Mir persönlich fällt es sehr schwer, die Betreuung von Sten an fremde Personen abzugeben. Ich habe aber nicht die Kraft, die 24-Stunden-Pflege ständig zu gewährleisten." Daher seien die kleinen Auszeiten, die in Wilhelmshaven möglich werden, so wichtig.

Für die betroffenen Kinder verfügt das Kinder- und Jugendhospiz über Zimmer mit modernster medizinischer Einrichtung. Mandy Korb hat während ihres Aufenthalts ein Appartement im Haus. Nachts holt sie den Fünfjährigen allerdings zu sich. Am Morgen übernimmt dann eine Schwester die Betreuung. Der kleine Erzgebirger wird gebadet, angezogen und versorgt. Diese Zeit nutzt Mandy Korb, um etwas Schlaf aufzuholen. "Das ist genial", sagt sie. Tagsüber kann die Familie die verschiedenen Angebote des Hauses nutzen. So gibt es unter anderem einen Snoezelenraum, Whirlpool, Musiktherapie und vieles mehr.

2012 kamen die Drillinge Sten, Bruno und Kenny bereits in der 27. Schwangerschaftswoche zur Welt. Bei Kenny wurde schon vor der Geburt ein schweres Herzleiden diagnostiziert. Er wurde nur sechs Wochen und drei Tage alt. Und während sich Bruno von den Strapazen der Frühgeburt gut erholte, bekam Sten ein schweres Hirnbluten. Er kann nicht laufen, kaum sehen, leidet an Epilepsie und ist Tag und Nacht auf Hilfe angewiesen. Um ihm das Leben zu erleichtern, wünscht sich die Familie aus Oberwiesenthal ein behindertengerechtes Bad.

Im Internet können Sie weitere Informationen über die Spendenprojekte erhalten. Zugleich haben Sie die Möglichkeit, dort auch Ihre Spende direkt für das jeweilige Hilfsprojekt zu überweisen. Dafür bedanken wir uns herzlich!

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