Letztes Kapitel für Wolfner Mühle

Die Anwesen im Wald von Crottendorf ist eines von vielen kulturhistorischen Bauwerken im Erzgebirge, die dem Untergang geweiht sind. Der Eigentümer, der das Gebäude 2005 kaufte, hat inzwischen aufgegeben.

Crottendorf.

Unweit von Crottendorf dämmert ein bedeutendes Baudenkmal des Erzgebirges seinem unrühmlichen Ende entgegen. Jahrhunderte gingen unzählige Menschen in der Wolfner Mühle ein und aus. Waren es im 16. Jahrhundert Arbeiter der damaligen Brettmühle, also eines Sägewerkes, so fielen im 30-jährigen Krieg die Schweden ein, die das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannten. In dem Nachfolgebau wurde im 19. Jahrhundert eine Holzschleiferei und Papierfabrik eingerichtet. Ein paar Jahre später schallte Kneipenlärm durch das Gebäude im Tal der Großen Mittweida, denn inzwischen war die Wolfner Mühle eine Schankwirtschaft. Auch dieses Gebäude brannte Anfang des 20. Jahrhunderts nieder. An der gleichen Stelle wurde danach ein massiver Steinbau errichtet, der in den folgenden Jahrzehnten als Christliches Erholungsheim, als Sommerfrische und bis 1990 als Kur- und Gewerkschafts-Heim genutzt wurde. Seit der Wende stand das Gebäude leer. Wie ein Besuch vor Ort zeigt, ist das Haus nicht mehr zu retten. Das einst prächtige Gebäude ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Fenster und Türen sind eingeschlagen, das Dach zusammengefallen, Brandmale an den Mauern. Das endgültige Aus brachte der Teilabriss, des an der Straße gelegenen Gebäudetraktes, da Gebäudeteile der Wolfner Mühle auf die Straße zu fallen drohten.

"Ich habe mit dem Kapitel Wolfner Mühle abgeschlossen", sagt Andreas Schick deprimiert. Der Unternehmer aus Bernsbach hatte die Wolfner Mühle samt 35.000 Quadratmeter Wald und Wiese 2001 von der Treuhand gekauft. "Das Haus war in einem guten Zustand. Die Fenster und Türen waren ganz, das Dach dicht. Ich wollte mir dort so etwas wie meinen Alterssitz schaffen. Aber daraus ist ja nun nichts geworden", zieht er ernüchtert Bilanz. Dabei waren Schiecks Pläne groß. Der 65-Jährige wollte das Haus von Grund auf sanieren, einen kleinen Teich anlegen und Forellen züchten. Doch schon am Forellenteich scheiterte er. Er bekam keine wasserrechtliche Erlaubnis vom Landratsamt. Noch schwieriger gestaltete sich die Sicherung des abgelegenen Gebäudes. "Die Leute haben hier ihren Müll abgeladen und Jugendliche haben randaliert", so Schick. Zwar hatte er das Objekt mit einem Zaun und stabilen Stahltüren gesichert, aber vergebens. "Alles wurde geklaut, sogar die Gitter an den Fenstern haben sie mitgenommen."

Die Polizei habe am Anfang noch ein paar Täter ausfindig gemacht, sagt Schieck. Später sei der Aufklärungswille erlahmt. Dass das Gebäude dadurch immer mehr verwahrloste, konnte Schieck laut eigener Aussage nicht verhindern. 2005 gab er seine Baupläne auf, mit der Folge, dass das Haus völlig sich selbst überlassen wurde. Zwei Brände hintereinander im Jahr 2015 gaben der Immobilie schließlich den Rest. "Ich plane hier nichts mehr, irgendwann gibt man auf", sagt Schieck. Ein Abriss der Wolfner Mühle ist ihm zu teuer. Schon der Teilabriss samt Entsorgung habe einen mittleren fünfstelligen Betrag gekostet. Angeblich hat Schieck Kaufinteressenten für das Grundstück samt Ruine. Eigentlich findet er die Ecke immer noch schön, wenn nur dieser Schandfleck nicht wäre. "Aber den gönne ich den Leuten, die ihn erst dazu gemacht haben." Schieck hat sich inzwischen ein Ferienhaus auf der Insel Usedom gebaut. Mit der Immobile im Tal der Großen Mittweida ist er fertig.

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