Online oder offline: Erzgebirger bringen Fifa-Spieler zusammen

E-Sport ist längst keine Nische mehr, selbst Bundesligavereine haben Abteilungen, bei denen es um Videospiele geht. Von ihrem Hobby können die Jungs von "FiFA-SiTTL" - eine Gruppe von Freunden der Fußballsimulation - freilich nicht leben. Doch mit umso mehr Eifer sind sie dabei. Ihr Ziel: ein Super-Turnier für die Region.

Annaberg-Buchholz/Geyer.

Patrick Seidel, der Fußballer, trägt ein gelbes Trikot und trifft wie am Fließband. 30 Mal in 54 Spielen knipste der drahtige Offensivspieler bisher für die 2. Mannschaft des TSV Geyer, eine traumhafte Quote. Beim E-Sportler Patrick Seidel läuft es nicht ganz so rund. Unteres Drittel in der untersten der drei "Erz Fifa League"-Ligen, mehr Gegentore als selber geschossene. "Ich bin nicht so der große Spieler, ich kümmere mich mehr ums Organisatorische", sagt der 33-Jährige und grinst.

Keine Ausrede, denn seine große Leidenschaft erfordert in der Tat viel Einsatz und Zeit. Der zweifache Vater ist seiner Frau und den Kindern sehr dankbar, dass sie dennoch hinter ihm und seiner Sache stehen. Seit 2009 gibt es "FiFA-SiTTL", eine Gruppe von hiesigen Freunden des Konsolenspiels Fifa Soccer, der beliebten Fußballsimulation, von der der Hersteller seit 1993 jedes Jahr eine neue Version herausbringt. Waren die ersten Fußballer-Männchen, die man damals über den Bildschirm steuern konnte, noch pixelige Grobmotoriker, ist Fifa 18 kaum noch von einer Fernsehübertragung zu unterscheiden.

Ob allein gegen den Computer, gegen Freunde oder via Internet: "Fifa-Spieler gibt es überall", sagt der Annaberger Benno Bauer (21), der mit Patrick Seidel, Thomas Löser, Christian Kuhnert und Martin Ullrich zum harten Kern von "FiFA-SiTTL" gehört. "Doch lange wussten sie nicht voneinander". Damit ist längst Schluss. In der Erz-Fifa-League messen sich seit Jahren jede Woche Dutzende Spieler im Internet. Die Ergebnisse werden online in Tabellen festgehalten, Auf- und Abstiege sind möglich. Das will alles verwaltet werden.

Und die Gemeinschaft geht offline weiter. Bei Turnieren, zu denen sich mehrmals im Jahr Zocker aus dem Erzgebirge und darüber hinaus treffen. Dabei ist das Organisationstalent von Patrick Seidel und Co gefragt. Wann wird gespielt? Wo ist eine geeignete Location? Wer bringt die Playstations, wer Bildschirme mit? Was gibt es zu essen, was zu trinken? All diese Fragen sind zu klären. Damit nichts durcheinander kommt, plant Patrick Seidel akribisch. Der Turnierkalender hängt über dem Computertisch. Daneben stehen Fußballpokale auf dem Schrank und eine Wand hängt voller fein säuberlich eingerahmter Trikots: Keine Frage, dieser Raum gehört einem Fußballverrückten.

Das nächste Turnier steigt indes Anfang März in Geyer, im Sommer wird in Ehrenfriedersdorf die WM nachgespielt, zwei weitere Cups finden im Herbst und kurz vor Weihnachten statt. "Von Schülern bis Enddreißiger ist alles dabei", sagt Benno Bauer über die Teilnehmer der Veranstaltungen. "Wir möchten aber auch Leute anlocken, die sich bis jetzt vielleicht nicht getraut haben." Das geringe Startgeld, das zu zahlen ist, deckt die Unkosten, zudem erhält jeder Teilnehmer einen kleinen Pokal. Alles darüber hinaus spenden die Fifa-Spieler am Jahresende für wohltätige Zwecke. So gaben sie im letzten Jahr 250 Euro an den Jahnsbacher Thomas Hänel, der für krebskranke Kinder sammelt. "Wir wollen mit den Turnieren nichts verdienen", erklärt Patrick Seidel. Bald möchten die Jungs von "FiFA-SiTTL" und der "Erz Fifa League" den nächsten Schritt gehen. "Wir überlegen, einen Verein zu gründen." Doch zunächst haben sie etwas anderes vor Augen: ein Super-Turnier im Erzgebirge mit 128 Fifa-Spielern. Das erfordert eine geeignete Logistik und natürlich erst einmal einen Ort, der groß genug für so viele Konsolenkicker ist. Die Veranstaltung könnte Anfang kommenden Jahres steigen, vielleicht in der Silberlandhalle.

Und wer weiß, vielleicht geht aus dem Wettstreit ein erzgebirgischer Fifa-Spieler hervor, der es einmal in die Top-100-Liste aller Fifa-Spieler weltweit schafft - der Traum von Patrick Seidel und Benno Bauer. Kein leichtes Unterfangen, denn die Konkurrenz ist groß, Fifa 18 war immerhin im letzten Jahr in Europa das meistverkaufte Videospiel.

Dass Newcomer an der Konsole aber nicht völlig ohne Chancen sind, zeigte kürzlich ein internationales virtuelles Fifa-Fußball-Turnier in Barcelona. Neben dem Preisgeld von 22.000 Dollar erhielt der Sieger einen Startplatz bei der WM im August. Gewonnen hat überraschend ein Nobody aus Großbritannien. Er ist 16 Jahre alt.

www.fifa-sittl.de

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