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Einmal aus Wachs, einmal aus Fleisch und Blut. Eine Figur des Heinrich von Plauen ist vergangenes Jahr in der Stadt eingetroffen. Bei offiziellen Anlässen verkörpert aber Andreas Dick den Hochmeister. Verwechseln kann man die beiden eigentlich nicht.

Foto: Ellen Liebner

Superstar aus dem Mittelalter soll Plauen nach vorn bringen

Heinrich von Plauen hat als einziger Vogtländer Weltgeschichte geschrieben. Die Stadt wirbt aber so gut wie gar nicht mit dem einstigen Ritter-Hochmeister. Noch nicht.

Von Gunter Niehus
erschienen am 13.01.2018

Plauen. Am Plauener Altmarkt steht er schon ziemlich lange. Im Komturhof erst seit rund einem halben Jahr. Allmählich steigt die Anzahl der Standbilder des Heinrich von Plauen in der Stadt. Und dann wäre da noch Andreas Dick, der bei Festen und anderen offiziellen Anlässen regelmäßig in die Rolle des Hochmeisters des Deutschen Ritterordens schlüpft.

Doch all das ist für Jean-Curt Röder zu wenig - viel zu wenig. "Die Stadt nutzt das Potenzial überhaupt nicht, das in Heinrich steckt", ist der Plauener Verleger überzeugt. Röder hat sich intensiv mit dem Leben des Ritters beschäftigt. Dieser rettete im Jahr 1410 nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht von Tannenberg den Deutschen Ritterorden vor dem Untergang. Er sammelte die überlebenden Kämpfer um sich und trotzte an ihrer Spitze der Belagerung ihres Hauptsitzes, der Marienburg. Der polnische König Wladyslaw Jagiello musste abziehen. Die dankbaren Ritter wählten den Vogtländer daraufhin zu ihrem Hochmeister. Ohne ihn hätte die politische Landkarte Osteuropas völlig anders aussehen können. "Er war ein militärisches Genie, durchaus vergleichbar mit Napoleon", so der Verleger.

Und weil das so ist, kann Jean-Curt Röder nicht verstehen, dass die Stadt mit diesem Pfund so gut wie gar nicht wuchert. Nichts gegen Erich Ohser, den Autor der bekannten und liebenswerten Vater-und- Sohn-Geschichten. "Aber Heinrich von Plauen ist der einzige Vogtländer, der jemals Weltgeschichte geschrieben hat", so der Autor. Vorstellen könnte er sich einiges - bis hin zu Ritterfestspielen, die viele Menschen nach Plauen locken könnten. Den idealen Ort hat er dafür schon ausgemacht: den Komturhof. Immerhin war dieses Gebäude im Mittelalter der Hauptsitz des Deutschen Ritterordens in Plauen. Ob Heinrich dort jemals gewesen ist, lässt sich zwar heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Doch mit diesem Zweifel könnte Röder leben.

Ein Hochmeister, der Plauen im Namen trägt, und ein echter Ritter-Komturhof in derselben Stadt - auch Christian Pöllmann findet, dass man aus dieser einzigartigen Kombination mehr machen könnte. "Das ist eine gute Idee", findet das Vorstandsmitglied des Komturhofvereins. Selbst für Ritterfestspiele oder etwas Ähnliches könnte er sich erwärmen. Mit einer Einschränkung: Ein Ritter-Disneyland an dem historischen Ort lehnt er ab. "Mittelaltermärkte gibt es mittlerweile jede Menge", so Pöllmann. Eine Veranstaltung im Komturhof dürfe sich nicht in Schwertkämpfen und mittelalterlich angehauchtem Essen erschöpfen. Dafür liegen Pöllmann die deutschen Ritter viel zu sehr am Herzen. "Der Orden hatte für das Vogtland beispielsweise eine große wirtschaftliche Bedeutung", sagt er. Solche wissenschaftlichen Aspekte müssten in jedem Fall in eine Darstellung des Ordens, und damit auch Heinrich von Plauens, einfließen.

Im Rathaus steht man dieser Idee zumindest aufgeschlossen gegenüber. "Klar, warum nicht?", sagt Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP). "Heinrich soll die Identität der Vogtländer fördern und das Heimatbewusstsein stärken", hatte sich der Rathauschef immerhin bereits vor knapp einem Jahr gewünscht. Damals war die von einer polnischen Spezialfirma gefertigte Heinrich-Figur - die jetzt im Komturhof steht - in Plauen eingetroffen. Bevor sich Oberbürgermeister Oberdorfer und Verleger Röder aber als Team für eine stärkere Vermarktung des Hochmeisters einsetzen, müssten beide allerdings erst mal über ihren Schatten springen. Zwischen ihnen tobt nämlich ein erbitterter Streit darüber, ob die Wachsfigur im Komturhof tatsächlich dem echten Heinrich gleicht. "Der sieht doch aus wie ein Neandertaler", hatte Röder vergangenen November gestichelt. Möglicherweise braucht Plauen gar keinen Meisterkrieger, sondern eher einen Meisterdiplomaten, der die Stadt nach vorn bringt.

 
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