Trotz Behinderung die Pisten hinunter

Familie Korb aus Oberwiesenthal liebt das Skifahren. Auf den Hängen ist auch der fünfjährige Sten dabei - und das, obwohl er nicht laufen kann.

Oberwiesenthal.

In der Garage der Korbs stapeln sich Skischuhe, Abfahrtsskier stehen an die Wand gelehnt. Es wird schnell klar: In dieser Familie hat Wintersport einen hohen Stellenwert. Das verwundert nicht wirklich. Immerhin steht das Haus der Familie in Oberwiesenthal. Der Fichtelberg ist mit etwas Enthusiasmus sogar zu Fuß erreichbar. Bemerkenswert ist hingegen, dass wirklich alle Familienmitglieder Ski fahren -auch Sten. Der Fünfjährige ist der Mittlere von Drillingen, die als Frühchen auf die Welt kamen. Sein Bruder Kenny starb aufgrund eines Herzfehlers wenige Wochen nach der Geburt. Bruder Bruno entwickelte sich normal. Doch bei Sten kam es zu einer Hirnblutung, später erlitt er noch einen Schlaganfall. Der kleine Junge kann nicht laufen, seinen linken Arm nur eingeschränkt benutzen und ist fast blind. Zudem leidet er an Epilepsie und seine Muskeln sind im Prinzip permanent verkrampft. Trotz aller Widrigkeiten wollen Mandy und Sven Korb ihrem Sohn Sten an allem beteiligen, was das Leben an Spaß und Abenteuer zu bieten hat. "Grenzen gibt es nur im Kopf", so die Meinung der Erzgebirger. Und Ski fahren gehöre nun mal dazu.

Doch wie kam es dazu? Ganz einfach. Sven Korb ist nicht nur ein sehr guter Skifahrer. Der 50-Jährige ist sogar staatlich geprüfter Skilehrer und hat mehr als 25 Jahre in diesem Job gearbeitet. Eines Tages rief ein Freund von ihm an, der bei Reha-Aktiv in Chemnitz arbeitet. Das Unternehmen organisiert am Fichtelberg Aktionstage, bei denen körperlich behinderte Menschen einfach mal selbst ausprobieren können, wie ein Bi- oder Mono-Ski funktioniert. Sven Korb sollte bei der Aktion mithelfen, was er auch tat. Mittlerweile hat er sogar einen Lehrgang in Österreich besucht, der sich nur auf den sitzenden Skilauf konzentrierte. Über einen Skifreund ist die Familie schließlich sehr günstig an einen gebrauchten Bi-Ski gekommen. Normalerweise sind die Spezial-Skier nur für eine fünfstellige Summe erhältlich. Ausleihen kann man sie sich so gut wie nie - zumindest in Deutschland. Die Österreicher seien wesentlich besser auf Wintersportler mit Handicap eingestellt.

Das Sportgerät hat vereinfacht gesagt eine Sitzschale, die über zwei Skiern angebracht ist. Selbst steuern kann Sten den Bi-Ski allerdings noch nicht, weshalb Sven Korb immer dabei ist und Richtung und Geschwindigkeit reguliert. Verbunden sind Vater und Sohn zum Beispiel über einen Hüftgurt. Ein Skiprofi wie Sven Korb braucht man aber nicht zu sein, um als Begleitfahrer zu fungieren. "Es reicht, wenn man halbwegs sicher auf Brettern ist", so der Erzgebirger.

Das heißt aber nicht, dass Sten einfach nur drinsitzt und nichts macht. Auch er muss mit dem Oberkörper arbeiten. "Das ist richtig Sport für ihn", sagt Mandy Korb. Zudem wird er immer sicherer. Vielleicht kann er seinen Bi-Ski irgendwann sogar allein fahren. Doch mehr als zwei, drei Fahrten sind nicht drin. Weil Sten sitzt, kühlt er schnell aus. Doch es geht auch nicht darum, einen ganzen Tag auf den Pisten unterwegs zu sein. Es geht darum, dabei zu sein und nicht am Rand zu stehen. Und Sten will mitmachen, bei allem, was seine Geschwister und Eltern so machen. "Es gibt ihm wahnsinnig viel Selbstvertrauen", sagt seine Mutter.

Um so viel wie möglich Eigenständigkeit dreht sich auch ein Wunsch, der mithilfe der Aktion "Leser helfen" Realität werden soll. Das Badezimmer der Korps ist nicht behindertengerecht- wie vieles im Haus. Mit seinem Rollstuhl kommt der Fünfjährige nicht ins Bad. Selbstständig Hände waschen oder die verkrampften Muskeln in der Badewanne entspannen, ist bisher kaum möglich. Bei fast allem ist er derzeit auf Hilfe angewiesen.

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