Verneigung vor einem Lebenswerk

In einem bewegenden Trauergottesdienst hat die Region gestern Abschied von Maria und Jürgen Förster genommen. Zwei Persönlichkeiten, die nicht nur das Leben in der Stadt maßgeblich mit geprägt haben - auch die Kät.

Annaberg-Buchholz.

Das größte Volksfest im Erzgebirge wird auch in diesem Jahr wieder laut und bunt sein. Davon ist Conrad Herold überzeugt. Er ist der Seelsorger der Schausteller und Zirkusleute in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Er ist aber auch davon überzeugt: "Die Kät in diesem Jahr wird eine andere sein." Denn zwei wichtige Bezugspersonen für die Schausteller in Annaberg fehlen: Maria und Jürgen Förster. In einem bewegenden Trauergottesdienst hat sich die Kreisstadt und die gesamte Region gestern von ihnen verabschiedet. Bei einem tragischen Unfall mit einer Pferdekutsche war das Ehepaar am 14. Februar in Sehmatal tödlich verunglückt.

Begleitet wurden sie gestern auf ihrem letzten Weg von Verwandten und Freunden sowie zahlreichen Weggefährten aus vielen Jahrzehnten ehrenamtlichen Wirkens auf unterschiedlichsten Gebieten. Unter anderem eben auch von Seelsorger Conrad Herold, den - wie viele andere Schausteller auch - mit den Försters eine langjährige Freundschaft verband. "Ihnen ging es nicht wie vielen anderen um die Maschinen. Ihnen ging es um die Menschen dahinter und ihre Gemeinschaft - um Zuneigung und Zuwendung zu ihnen", machte er in seinen sehr persönlichen Abschiedsworten deutlich. Und er sagt auch: "So viele von diesen Menschen gibt es nicht."

Doch nicht nur Schausteller waren regelmäßig in der Küche von Familie Förster anzutreffen. "Sie war oft ein Seelsorgezentrum", sagte Pfarrer Karsten Loderstädt. Und er spricht von einem "großen und weiten Herz für die Menschen", das die diplomierte Ökonomin und der diplomierte Ingenieur für Wasserwirtschaft besessen haben. Vor allem dadurch habe ihnen so vieles gelingen können. Als Beispiel nannte er die umfassende Innensanierung der Sankt Annenkirche, an der die beiden maßgeblichen Anteil hatten: Maria Förster als "Mutter der Kompanie", die sich um alle anfallenden Schreibarbeiten und die Finanzen ebenso wie um das leibliche Wohl der kircheneigenen Baubrigade kümmerte. Während ihr Mann für die fachliche Leitung der Brigade verantwortlich zeichnete. "Er kannte in der Kirche jeden Stein", formulierte es Karsten Loderstädt.

Sachkenntnis, mit der Jürgen Förster vielen in der Region in Erinnerung bleibt - ob in den Aufsichtsräten zahlreicher Unternehmen, im Förderverein des Eduard-von-Winterstein-Theaters, als Knappschaftsbruder, als friedlicher Revolutionär der Wendezeit, als ehemaliger Landrat, Kreis- und Stadtrat und Mitglied in zahlreichen Vereinen. Sachkenntnis, die er auf unterhaltsame Weise mit Geschichtsunterricht und Heimatkunde verband, und so vom "Ausflügler bis zum Bundespräsidenten" viele begeistert hat.

Entsprechend groß war die Anteilnahme gestern am Trauergottesdienst. Bis auf wenige Plätze war die Sankt Annen gefüllt. Und die Kollekte kommt - ganz im Vermächtnis der beiden Verstorbenen - der Erhaltung des Gotteshauses zu Gute.

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