Waldbesucher in Furcht: Doggen-Mann ist wieder da

Wanderer, Sportler, Spaziergänger - an manchen Tagen wimmelt es im Greifensteingebiet vor Menschen. Vor rund zehn Jahren hatte es dort mehrere Zwischenfälle mit einem nicht angeleinten Hund gegeben, es ging sogar vor Gericht. Nun ist es erneut zu bedrohlichen Situationen gekommen. Welchen Zusammenhang gibt es?

Jahnsbach/Hormersdorf.

Ein Sonntagmittag im Februar, Jessika Weiß* (59) geht mit ihrer Tochter im Greifensteinwald spazieren. Irgendwo zwischen der Jugendherberge Hormersdorf und Jahnsbach stoppt diese schlagartig und raunt ihrer Mutter zu: "Sag keinen Ton und bleib stehen!" Auf dem Weg ist eine große Dogge aufgetaucht, vom Besitzer keine Spur. Jessika Weiß, selber hundeerfahren, hat keine Angst vor den Tieren. Doch jetzt steigen den Frauen böse Erinnerungen hoch.

Vor einigen Jahren kam es im Greifensteingebiet zu diversen Vorfällen mit einer frei laufenden Dogge, die für Ängste bei Spaziergängern und Radfahrern im Gebiet zwischen dem Mühlteich und den Greifensteinen gesorgt hatte. Der Hundeführer, ein Ehrenfriedersdorfer, wurde als unflätig und dreist beschrieben, musste sich damals wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen vor dem Annaberger Gericht verantworten.

Schlechte Erfahrungen hatte damals auch die Jahnsbacherin Jessika Weiß gemacht. "Wir dachten, er ist aus unserem Leben verschwunden - bis letzten Sonntag", sagt sie hörbar mitgenommen. Es sollte nicht die einzige Begegnung bleiben. Wenig später sahen die beiden Frauen, wie der Halter in einigem Abstand zur Dogge lief. "Dann gab es Theater. Der Hund bellte wie verrückt. Wir sahen, wie er einen Mann an der Brust ansprang."

Wer weiß, vielleicht hätte Jessika Weiß den Vorfall vergessen, ein Schatten der Vergangenheit, der schnell wieder verblasst. Doch dann kam der Dienstag.

"Es war schönes Wetter. Ich dachte mir, ich gehe laufen, mache meine Runde", erzählt die 59-Jährige. An einer Hütte im Wald begegnete ihr wieder der Hund. Allein. Sie ging vorsichtig weg. Als ihr ein bekanntes Ehepaar begegnete, das in der Nähe spazieren wollte, warnte sie die Leute, lief mit ihnen ein Stück. Dann passierte es. Auf einer Wiese oberhalb des Mühlteichs stand die Dogge vor ihnen, umkreiste die drei. "Ich bin ein Hundefreund, fürchte mich eigentlich nicht vor ihnen", sagt Jessika Weiß. "Doch das war ein riesen Hund, ein junger schwarzer Rüde. Ich bin etwa 1,60. Sein Kopf ging mir bis zur Schulter. Und er hat uns als seine Beute angesehen. Wir standen steif dort, wussten nicht wohin mit den Händen. Ich hatte Angst um mein Leben." Mehr als zehn Minuten hätte es gedauert, bis der Besitzer aufgetaucht sei. "Er kam angeschlendert." Dann habe sich der Hund vor die Füße des Mannes gelegt und seine Beute übergeben. Im Anschluss wäre es fast zu einem Handgemenge gekommen. "Wir sagten ihm, er soll seinen Hund an die Leine nehmen. Doch er hat nichts gemacht. Er hatte alles gesehen und uns einfach dem Hund überlassen. Und von einer Entschuldigung keine Spur. Ich empfand ihn als sehr provozierend", schildert die Jahnsbacherin.

"Der Hund ist nicht das Problem", betont sie. "Der Mann ist es." Auch wenn das Tier ein anderes als bei den Vorfällen damals sei, Jessika Weiß ist sich zu 100 Prozent sicher, dass es sich um den gleichen Besitzer handelt, sie hatte sich bereits mit ihm unterhalten. "Er hat eine Brille und sieht ein wenig aus wie der Elton aus dem Fernsehen."

Jessika Weiß schwant Übles, dass es früher oder später zu einem schlimmen Zwischenfall kommt. "Das Gebiet wird von vielen Menschen besucht: Nordic Walker, Jogger, Radfahrer, Spaziergänger, Familien mit Kinderwagen, auch die Tagesmutti geht mit ihren Kindern spazieren. Durch das Verhalten des Mannes ist der Hund eine Gefahr. Muss denn wirklich erst etwas passieren?", sagt die Jahnsbacherin. Aus dem Ordnungsamt Thum, wo sie wegen des Falls anrief, habe sie bis zum Gespräch mit "Freie Presse" keine Antwort erhalten.

Die 59-Jährige ist nicht die einzige, die sich Sorgen macht. Im Rathaus sind vier schriftliche Anzeigen und mehrere Anrufe zu den Vorfällen eingegangen, bestätigte am Freitag Christine Fleischer. "Spaziergänger haben Angst vor einer Person mit einer Dogge, werden halb attackiert. Und der Mann tut nicht, was er als Hundehalter tun sollte", fasst die Leiterin des Ordnungsamtes zusammen. Ob es sich bei den aktuellen Vorfällen um den gleichen Hundeführer wie vor einigen Jahren handelt, konnte sie weder bestätigen noch dementieren. Damals hatte die Stadt Thum ihre Polizeiordnung verschärft.

Doch was passiert nun? Ganz einfach ist die Sache laut Christine Fleischer nicht. Die aktuelle Thumer Polizeiverordnung hält zwar eindeutig fest, dass Tiere so zu halten und zu beaufsichtigen sind, dass niemand belästigt oder gefährdet wird. Doch eine überall gültige Leinenpflicht existiert nicht. Sie ist nur "bei öffentlichen Straßen, in öffentlichen Anlagen sowie allgemein innerhalb der geschlossenen Bebauung und bei größeren Menschenansammlungen" vorgeschrieben. Ist der Wald eine öffentliche Anlage? "Das ist so ein springender Punkt", sagt Christiane Fleischer. Sie wolle sich nun mit dem Ehrenfriedersdorfer Ordnungsamt - das Greifensteingebiet umfasst zu einem großen Teil Gelände der Nachbarstadt - über das weitere Vorgehen abstimmen.

Im dortigen Ordnungsamt ist kürzlich auch eine Anzeige eingegangen, ob im Zusammenhang mit dem gleichen Hund, ist ungewiss. Ein privater Waldbesitzer hatte sich über ein unangeleintes Tier beschwert. "Bei uns gibt es keinen allgemeinen Leinenzwang", sagt Amtsleiter Thomas Schmidt. Wenn das auf einem bestimmten Gebiet, etwa im Privatwald, anders sein soll, müssten entsprechende Schilder aufgestellt werden. Er berichtet von Städtern, die sich beschweren, weil sie ins Grüne kommen und vor ihnen freilaufende Hunde stehen. "Es müssen aber beide Seiten Rücksicht nehmen", sagt Schmidt, "Hundebesitzer und Waldbesucher". (mit aho, mas)

*Name von der Redaktion geändert.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    cn3boj00
    22.03.2018

    Es gibt keinen allgemeinen Leinenzwang in der freien Natur, und das ist gut und richtig so. Denn es sind nur wenige Hunde wirklich gefährlich. Doch es gibt Regeln für Hundehalter und freilaufende Hunde, die eine Belästigung oder Gefährdung ausschließen sollen. Wer sich - wie im vorliegenden Fall - nicht daran hält müsste dafür bestraft werden dürfen. Leider ist e in Deutschland so, dass es zwar viele Regeln gibt, diese aber weder kontrolliert noch tatsächlich durchgesetzt werden. Hier müsste es möglich sein, die Hundehaltung zu untersagen, insbesondere im Widerholungsfall.



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