Wenig Interesse für Geld ohne Arbeit

Wildfremde Menschen einfach ansprechen und fragen, was sie da tun, gehört sich eigentlich nicht. "Freie Presse" macht es trotzdem. Heute: Eine Unterschriftensammlerin in Annaberg.

"Freie Presse": Was machen Sie denn da?

Theresia Richtsteiger: Ich sammle Unterschriften.

Wofür oder wogegen?

Für die Partei "Bündnis Grundeinkommen". Wir brauchen Unterstützer, damit wir im Herbst die Zulassung für die Bundestagswahl bekommen.

Wie viele Unterschriften brauchen Sie?

Insgesamt weiß ich es nicht so genau. Aber für Sachsen brauchen wir mindestens 2000 Unterschriften.

Wie viele haben Sie heute schon bekommen?

Sie sind der Zweite heute.

Nicht besonders viel, oder?

Nein, ich dachte heute zum Markttag würde es ganz gut laufen. Aber Sie sehen ja selbst. Auch an den Ständen ist nicht viel los.

Bis wann müssen Sie die Unterschriften zusammenhaben?

Wir müssen bis zum 19. Juni, 18 Uhr die Unterschriften beim Bundeswahlleiter abgeben. Ein wenig Zeit bleibt also noch. Aber Sie sehen ja. Es ist gar nicht so einfach.

Was will Ihre Partei?

Wir fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Das heißt, jeder Bürger bekommt pro Monat einen bestimmten Betrag ausgezahlt, ohne dass er dafür Formulare ausfüllen muss oder beweisen muss, dass er bedürftig ist. Alle sollen ohne Angst vor Armut leben können. Das wäre sozial gerecht.

Kritiker sagen, das sei nicht finanzierbar.

Durch das Grundeinkommen würden ja alle anderen Hilfen wie Hartz IV, Sozialhilfe, Kindergeld, BAföG usw. überflüssig. Außerdem bräuchten wir neue Einnahmen wie Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Steuern auf Aktiengewinne und auf Ressourcenverbrauch. Bei den unsinnigen Rüstungsausgaben sagt auch keiner, dass kein Geld da ist.

Vielleicht will mit Grundeinkommen keiner mehr arbeiten?

Das glaube ich nicht. Sicher wird es ein paar Leute geben. Aber für die Mehrzahl ist Nichtstun keine Alternative. Außerdem kann man sich durch Arbeit noch was zum Grundeinkommen hinzuverdienen. Dann hätte man mehr Geld als vorher. Oder man arbeitet halbtags und teilt sich den Job mit einem Kollegen.

Bei ihnen ist es gerade umgekehrt, sie arbeiten und bekommen kein Geld?

Ich wohne in Flöha und bin in Rente. Das hier mache ich ehrenamtlich, weil es mir wichtig ist.

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