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Schneeschuhwandern bereitete den Teilnehmern 2017 ein besonderes Vergnügen. Allerdings werden die Anstrengungen oft unterschätzt. Ob der Schnee diesmal reicht, bleibt abzuwarten.

Foto: Bernd März/Archiv

Winterwandern mit Fackeln ins "gefährliche Annaberg"

Nicht jeder will oder kann im Winter Skilaufen. Mancher fühlt sich auf Brettern unsicher. Oder es fehlt der Schnee. Alternativen gibt es ab Samstag reichlich.

Von Gabi Thieme
erschienen am 10.01.2018

Annaberg-Buchholz. Was im Januar 2017 als Experiment begann, wird als ständiges touristisches Angebot etabliert und zur Erfolgsgeschichte: eine Winterwanderwoche im Erzgebirge. Seit 2006 gibt es achttägige Wanderevents bereits immer im Mai und September. Nun haben alle jene, die gern auf Schusters Rappen unterwegs sind, auch im Januar bei vielfältigen geführten Touren Gelegenheit dazu. Selbst wenn mancherorts kein Schnee unter den Schuhsohlen knirschen wird, startet am Samstag die zweite Winterwanderwoche. Diesmal sind 14 Kommunen aus dem Erzgebirge und Mittelsachsen mit im Boot, die mit vielen ehren- und hauptamtlichen Wanderführern 31 Rundtouren zwischen Altenberg und Carlsfeld vorbereitet haben, fast ein Drittel mehr als 2017.

Es spielt auch keine Rolle, ob Schnee liegt. Die Touren, die bis 21. Januar ausgeschrieben sind, finden in jedem Fall statt, sagte Birgit Knöbel, Projektmanagerin Wandern beim Tourismusverband Erzgebirge. Es sei denn, es bestünde bei Sturm Gefahr für Leib und Leben, oder es käme wegen Dauerregens keiner. Die Wanderwoche im Januar sei zugleich ein Angebot, mit dem man auf die milderen Winter reagieren wolle. "Die Landschaft ist in dieser Jahreszeit anders reizvoll, weil die entlaubten Bäume Blicke freigeben, die sich im Sommerhalbjahr nicht bieten", schwärmt die passionierte Wanderfrau Knöbel.

Da in diesem Jahr mehr Zeit für Vorbereitung und Werbung gewesen sei und mehr Kommunen mitmachen, rechnet sie auch mit mehr Zuspruch. Die Winderwanderwoche 2017 umfasste nur fünf Tage und lockte 430 Freizeitsportler und Naturliebhaber ins Erzgebirge. Aber sogar aus Halle, Wittenberg und Ostritz in der Lausitz kamen Interessenten. 80 Jahre war der älteste, sechs Jahre der jüngste Teilnehmer.

Auch Kommunen, die man nicht auf Anhieb mit Wandern in Verbindung bringt und die nicht schneesicher sind, wollen auf sich aufmerksam machen, darunter Oelsnitz im Erzgebirge und Freiberg. In Oelsnitz ist eine Erlebnistour rund um die Stadt vorbereitet, die mit Stationen der Bergbaugeschichte verknüpft wird. In Freiberg gibt es eine geführte Fackelwanderung entlang der Stadtmauer mit Glühweinstopp im Donatsturm. "Gefährliches Annaberg" ist eine Gruselwanderung mit Fackeln überschrieben, bei der Erwachsene und Kinder auf den Spuren von Sagen, Mythen und alten Kriminalfällen unterwegs sind. Auch echtes Schneeschuhwandern steht auf dem Programm, zum Beispiel grenzüberschreitend in Oberwiesenthal und über die Höhenzüge von Frohnau. Wenn der Schnee nicht reicht, wird "normal" gewandert.

Fast alle Touren sind Rundwanderungen - 15 Kilometer die längste, 2,5 bis sechs Kilometer die kindgerechten Routen. Wo das nicht der Fall ist, wie auf dem Kammweg von Rübenau nach Olbernhau, ist der Bustransfer organisiert. Anmelden muss man sich vorher nicht - ausgenommen die Touren auf Schneeschuhen, weil diese Sportgeräte nur begrenzt zur Verfügung stehen. Dass es spannende Touren werden, dafür spricht, dass allein sieben Fackelwanderungen auf dem Programm stehen. Wer nasse Füße und matschige Wege vermeiden will, kann sich einem von fünf Stadtrundgängen anschließen. Besonders große Hoffnung auf viele Teilnehmer hegt Altenberg, wo rund um die Stadt mit ihren drei Hausbergen allein acht Touren zur Auswahl stehen. Trotz vieler Wintergäste merke man deutlich, dass nicht alle Skifahren wollen, sagen die Organisatoren.

Marie Bauer aus Chemnitz nimmt extra Urlaub und überlegt, ob sie mit ihrem Mann kurzerhand noch ein Quartier im Erzgebirge dazu bucht. Denn auch Hoteliers bewerben die Wanderwoche. "Aber dann binden wir uns sehr an einen Ort. Wir würden lieber einen Tag in Altenberg zur Bobbahn mitwandern, einen Tag in Pobershau sowie einen Tag in Annaberg mit dem Kutscher Berthold unterwegs sein", sagt die 51-Jährige, die fast das ganze Programm im Kopf hat.

Nach dem Beispiel des Erzgebirges richtet übrigens ab 15. Januar auch TV-Moderator Manuel Andrack erstmals Winterwandertage aus: in Reit im Winkel in Bayern. Den ersten Winterwandertag überhaupt gab es 2014 in Willingen im Sauerland. In diesem Jahr ist dort ebenfalls eine ganze Woche daraus geworden. Winterwandern ist seit 2014 zudem alle zwei Jahre ein fester Termin beim Deutschen Wanderverband. Der nächste findet vom 17. bis 21. Januar rund um den Ochsenkopf in Franken statt. 2020 ist Schöneck im Vogtland Gastgeber. Der Wanderverband verfolgt das gleiche Ziel wie die Erzgebirger: Es soll ein ergänzendes Angebot zum Sommerwandertag geben.

Eine Übersicht zu allen Touren und Terminen gibt es im Internet oder im Wanderwochenheft 2018, das in Tourist-Infos und Hotels ausliegt: www.erzgebirge-tourismus.de

 
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