Werbung/Ads
Menü

Themen:

Bei Busfahrern fährt die Angst mit

Ihnen wurde Rassismus und Schikane vorgeworfen. Nun melden sich die Beschuldigten zu Wort, zeichnen ein völlig anderes Bild und machen klare Forderungen auf.

Von Patrick Herrl
erschienen am 15.05.2017

Aue/Schwarzenberg. Seit 20 Jahren arbeitet er als Busfahrer. Zwei Jahrzehnte, in denen er schon viel erlebt hat. Betrunkene, die rumpöbeln. Jugendliche, die sich nicht benehmen können. Unbelehrbare, die Sitze und Inventar beschädigen. "Man entwickelt schon ein dickes Fell." Doch genau das brauchen er und seine Kollegen im öffentlichen Personennahverkehr im Erzgebirgskreis seit einigen Jahren immer häufiger. Beschimpft, bespuckt, bedroht und sogar ausgeraubt: Busfahrer der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH und deren Subunternehmen reden Klartext - und schildern einen Berufsalltag, in dem sie immer häufiger um ihre Sicherheit fürchten.

Warum sie sich überhaupt zu Wort melden, hat Gründe. "Wir sind wütend darüber, welche Lawine Ulrike Krahl losgetreten hat", sagt eine Fahrerin. Die Kreisrätin und Grünen-Kreisvorsitzende warf den Busfahrern vor, Migranten zu schikanieren. Busse würden für Ausländer an Haltestellen nicht stoppen, gültige Fahrausweise würden nicht akzeptiert. Kahl sprach von einem "latenten Alltagsrassismus" und bezog sich dabei auf Berichte von Flüchtlingshelfern. Ihr Anliegen: Die RVE sensibilisieren. Deren Chef Roland Richter wies die pauschalen Vorwürfe zurück. Viele Fahrgäste solidarisierten sich mit den Busfahrern.

"Nicht die Ausländer werden diskriminiert, wenn wir sie einfach so durchwinken, sondern diejenigen benachteiligt, die einen Fahrausweis kaufen. Versuchen wir, Vorschriften höflich zu erklären, werden wir als Nazi-Schwein oder Hitler beschimpft", sagt ein Fahrer. Und das seien harmlose Vorfälle. Manchmal müsse sogar die Polizei verständigt werden. "Ich selbst musste schon die Beamten rufen, weil drei Männer handgreiflich geworden sind. Einem Kollegen haben sie das Handy geklaut."

Unter den Fahrern seien die Problemlinien bekannt. Es gebe nicht wenige, die dort nur ungern eingesetzt werden. Denn die Angst fährt mit. "So geht es nicht nur uns, sondern auch Fahrgästen." Eine Kollegin traut sich zu gewissen Zeiten gar nicht allein auf Tour: "Wenn ich mich unsicher fühle, fährt zusätzlich jemand mit, ein weiterer Fahrer oder mein Mann."

Zur Sicherheit verfügt zwar jeder Bus über einen Alarmknopf, mit dem Kontakt zur Leitstelle aufgenommen werden kann. Doch bis die Polizei eintrifft, dauert es erfahrungsgemäß bis zu 30 Minuten. Deshalb fordern Fahrer, dass alle Busse mit Kameras ausgerüstet werden. Aktuell verfügen bei der RVE nur zehn Prozent über Videoüberwachung. "Wir haben erst in den vergangenen Jahren mit der Ausrüstung begonnen", erklärt Geschäftsführer Roland Richter. Künftig soll zumindest bei allen Neuanschaffungen ein Kamerasystem vorhanden sein. Richter betont, dass ständig Gespräche geführt werden, wie Sicherheitsbedingungen verbessert werden können. Auch bargeldloses Zahlen und Schutzkabinen für die Fahrer werden diskutiert. "Aber von jetzt auf gleich sind solche Maßnahmen nicht umsetzbar."

Zum Schutz der Busfahrer werden ihre Namen nicht veröffentlicht. Der Redaktion sind sie bekannt.

 
Seite 1 von 2
Bei Busfahrern fährt die Angst mit
Angriffe auf Fahrer
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Aue
Mo

21 °C
Di

19 °C
Mi

21 °C
Do

21 °C
Fr

°C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schneeberger Str. 17
Telefon: 03771 594-0
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
Neu
Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

Zum Facebook-Auftritt

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm