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Bumm-Bumm in Silvesternacht: Gericht fällt teures Urteil

Illegale Böller richten Jahr für Jahr Schäden an. In Stollberg hat die Polizei einen Verdächtigen gestellt. Das Amtsgericht Aue verhängte eine hohe Geldstrafe. Aber war er's auch?

Von Mario Ulbrich
erschienen am 13.02.2018

Aue/Schwarzenberg. Dieses Urteil traf den Angeklagten (48) wie ein Kanonenschlag: Wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion soll er 5500 Euro Strafe bezahlen (220 Tagessätze zu je 25 Euro). Dabei hatte der Mann seine Unschuld beteuert, echte Beweise gegen ihn gab es nicht, bloß Indizien. Selbst der Staatsanwalt hatte in den meisten Punkten auf Freispruch plädiert und wollte dem Stollberger nur 750 Euro Strafe aufbrummen, weil er mit illegalen Böllern erwischt worden war.

Anders das Auer Schöffengericht. Das sah die Schuld des 48-Jährigen als erwiesen an. Er sei in der Nähe der Tatorte gewesen und habe Feuerwerkskörper bei sich gehabt, die für die angerichteten Zerstörungen in Frage kommen, erklärte Richter Hartmut Meyer-Frey. Für den freiberuflichen Zimmermann ist die Geldstrafe enorm. Nach eigenen Angaben bringt er einen Monatslohn von gerade mal 700 Euro netto nach Hause. Kopfschüttelnd stand er vor dem Gerichtssaal. "Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort", sagte er.

Die Zeit war die Silvesternacht 2016/17, der Ort das Walkteichgebiet in Stollberg. Um den Jahreswechsel hatte dort ein Unbekannter eine Flasche Bauschaum mit Böllern ummantelt und vor einem Imbiss zur Explosion gebracht. "Die Tür war verschmort, die gesamte Fassade versaut", berichtete der Inhaber, der die Auswirkungen der Sprengung bei einem Kontrollgang nach Mitternacht entdeckt hatte. Geschätzter Schaden: 6900 Euro.

Der Angeklagte stand damals vor einem Nachbarhaus. Der Imbissbetreiber kannte ihn "vom Sehen her". Seine Vermutung: Der war's. Allerdings gibt es auch eine harmlose Erklärung für die Anwesenheit des Mannes: "Er hat in dem Haus wie jedes Jahr mit etwa 20 anderen Leuten gefeiert. Er hat sich dort bewegt, mehr aber auch nicht", argumentierte Verteidigerin Kathrin Bley.

Auf der Bauschaumflasche wurde eine DNA-Spur gefunden. Der Beschuldigte gab freiwillig eine Speichelprobe ab. Im Labor stellte sich jedoch heraus, dass die Spur für einen Vergleich nicht ausreichte. Der DNA-Test konnte den Stollberger weder entlasten, noch überführen. Der Richter sah den Verdacht dennoch bestätigt: "Als Handwerker haben Sie Umgang mit Bauschaum."

Nach der Verhandlung sagte der Angeklagte der "Freien Presse": "Ich bin Zimmermann. Ich habe mit Holz zu tun, nicht mit Bauschaum."

Gegen 5 Uhr in der Früh brannte damals noch ein Altkleidercontainer ab, ein Glascontainer wurde durch das Feuer beschädigt. Zeugen sahen zwei Männer, die Böller in den Kleidercontainer warfen. Identifizieren konnten sie den Angeklagten nicht, auch nicht bei einer Gegenüberstellung am selben Morgen.

Die Polizei hatte den Mann einige Straßen weiter angetroffen - mit einem Rucksack voller in Deutschland nicht zugelassener Feuerwerkskörper aus Tschechien und Polen. "Da war eine schwarz-rote Verpackung dabei", sagte ein Polizist aus. "So eine hatten wir auch neben den Containern gefunden." Das Gericht wertete das als Schuldbeleg. Verteidigerin Bley bezeichnete die Beweise als an den Haaren herbeigezogen und hat Berufung angekündigt.

 
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