Charly kommt nur langsam in Fahrt

Das Zweirad ist seit März vergangenen Jahres wieder auf dem Markt. Doch für den Schneeberger Händler gibt es in Sachen Verkaufszahlen noch Luft nach oben.

Zschopau/Schneeberg.

Was haben ein Campingplatz, ein Sanitätshaus und eine Polizeistation gemeinsam? Dort ist der Elektroroller Charly bereits im Einsatz. Seit März vergangenen Jahres kann das frühere Kult-Fahrzeug der Zschopauer Motorradmarke MZ wieder käuflich erworben werden. Montiert und verkauft wird es von der Firma MuZ Vertriebs GmbH in Schneeberg. Deren Geschäftsführer Lutz Groß ist allerdings mit den Verkaufszahlen noch nicht zufrieden. 120 Charlys hat der Ersatzteilhändler bislang veräußert. "Für 2017 hatten wir uns das Ziel gesteckt, 200 Stück zu verkaufen. Das haben wir nicht geschafft", erklärt Groß, der den Vier-Mann-Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Haike Groß leitet.

Dass der Verkauf des MZ-Kultgerätes hinter den Erwartungen zurückbleibt, schreibt sich der Unternehmer selbst zu: "Wir müssen uns da an die eigene Nase fassen." Vergangenes Jahr habe er einfach zu viel um die Ohren gehabt, etwa mit Investitionen in das Firmenareal seines Autohauses in Schneeberg, was viel Zeit in Anspruch nahm. "Der Charly ist uns wichtig, aber eben nicht das Hauptgeschäft", sagt Groß, der Ersatzteile für MZ-Motorräder verkauft. Er wolle für den Roller mit dem markanten Doppelstrahler mehr Werbung machen, etwa mit einem Stand auf der Wernesgrüner Motorradmesse Anfang März dieses Jahres. Auf diese Weise will er beim Verkauf bis Ende 2018 die Marke von 350 Stück knacken. Auch ein besserer Internetauftritt soll her. Die Roller produziert MuZ auf Nachfrage. "Wir sind eine kleine Manufaktur. Uns ist wichtig, dass das Fahrzeug keine Massenware ist, sondern in Handarbeit gefertigt wird", erläutert der Geschäftsführer. Kunden können inzwischen aus drei Akkus mit 20, 40 beziehungsweise 80 Kilometern Reichweite auswählen. Genau 42 Kilogramm bringt Charly inklusive der Bleibatterie auf die Waage. Der Preis liegt im Bereich von 1790 bis 2635 Euro.

Jeder zweite Roller ging seit März an Sanitätshäuser. Alippi in Zwickau arbeitet seit Juni mit MuZ zusammen und hat seither zehn Charlys weiterverkauft. "Gerade ältere Damen und Herren, die früher Motorrad gefahren sind, schätzen das Fahrgefühl", sagt Toni Domin, Bereichsleiter Reha-Technik. Andere Abnehmer bei MuZ sind Camper, und selbst ein "Polizei-Charly" düst seit kurzem über das Gelände einer Wache.

Die meisten Kunden kaufen den Roller in Rot oder Schwarz, erklärt Lutz Groß. Er selbst fährt damit regelmäßig übers Firmenareal seines Autohauses. Das Gelände umfasst 46.000Quadratmeter, ist also fast so groß wie sechseinhalb Fußballfelder. "Wir haben hier immer vier bis fünf Charlys bereitstehen", sagt der Firmenchef. MuZ hatte 2013 die Ersatzteilproduktion der Motorradwerke Zschopau nach deren Insolvenz im Jahr zuvor aufgekauft.

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