Der umstrittene Ehrenbürger

Er ist einer der berühmteste Söhne Schneebergs: der Regisseur Egon Günther. Mehrfach wurde er als Ehrenbürger vorgeschlagen, aber nie gekürt. Das ändert sich nun überraschend. Dennoch komme die Auszeichnung für ihn zu spät, sagt seine Frau.

Schneeberg.

Wenn Jochen Vogel über Egon Günthers Werk spricht, kommt er schnell ins Schwärmen. "Mit ihm hat sich die Stadt der Welt zugewandt. Günther hat so viel für unseren Ruf getan und ist aus der Filmbranche Europas nicht mehr wegzudenken", sagt der Schneeberger Stadtrat (Mandat SPD).

Günther wurde 1927 in der Stadt geboren. Ab Mitte der 1950er-Jahre veröffentlichte er seine ersten Romane, darunter "Flandrisches Finale" und "Einmal Karthago und zurück". Später kam Günther zum Defa-Studio in Potsdam-Babelsberg. Dort arbeitete er sich ab 1958 vom Dramaturgen und Drehbuchautor zum Regisseur hoch. Sein Regiedebüt feierte er mit "Lots Weib", später folgten Filme wie "Junge Frau von 1914", "Lotte in Weimar" und der für seine freizügigen Szenen bekannte Streifen "Ursula".

"Für seine Arbeit ist Egon Günther heute international berühmt," sagt Vogel. 1999 erhielt er etwa den Bundesfilmpreis in Gold für sein Lebenswerk. Schon lange setzt sich Vogel deshalb dafür ein, dass der Filmregisseur Ehrenbürger von Schneeberg wird. Doch daraus wurde viele Jahre nichts.

Günther war in der Vergangenheit mehrfach für die Auszeichnung vorgeschlagen, aber nie gekürt worden. Ein erster Antrag scheiterte im Jahr 2000. "Er ist einer, der keine faulen Kompromisse macht und in der DDR sehr kritisch mit der Führung war", sagt Vogel. "Das hat vielen nicht gepasst." Der Regisseur gehörte zu den von der SED wiederholt Gescholtenen und wurde mit Verboten abgestraft. Ende der 1970er-Jahre folgte er einem Angebot in den Westen; nach dem Mauerfall kehrte er wieder zurück.

Überraschend stimmte der Stadtrat vor einigen Wochen dafür, Günther nun doch die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Für den 29. Oktober ist die offizielle Feierstunde im Rathaus geplant. Laut Vogel ist das maßgeblich Bürgermeister Ingo Seifert (Freie Wähler/Bika) zu verdanken, der sich aktiv für eine Auszeichnung eingesetzt habe. Doch die Entscheidung ist bis heute nicht unumstritten.

Bei der Abstimmung votierten einige der Räte aus den Reihen der CDU gegen eine Ehrung, so wie Gernot Müller. "Eine Auszeichnung Günthers war in meinem Umfeld nie ein Thema", erklärt er. "Die Leute haben mich damit nicht positiv genervt." Zwar habe Günther durch seinen Werdegang Schneeberg bekannt gemacht, "aber er selbst hat sich in der Stadt nicht so viel engagiert". Ähnlich hatte sich in den vergangenen Jahren bereits der Ex-Bürgermeister Frieder Stimpel (CDU) geäußert. Ein Ehrenbürger müsse Herausragendes für die Stadt geleistet haben, sagte er. "Egon Günther ist zwar eine bekannte Persönlichkeit, aber für die Stadt selbst hat er konkret nichts getan."

Eine Einschätzung, die Günthers Frau nicht teilt. "Wir haben die Diskussion aus der Ferne verfolgt. Sie ist zwar legitim, aber ich kann sie nicht nachvollziehen", erzählt Franziska Günther. "Mein Mann hängt wahnsinnig an Schneeberg. Er ist ein Sohn der Stadt und hat ein großes Werk geschaffen."

Dass ihr Mann doch noch Ehrenbürger wird, habe die Familie "sehr gefreut". Günther selbst werde an der offiziellen Ernennung im Oktober aus gesundheitlichen Gründen aber nicht teilnehmen können, sagt sie. Stattdessen werde sie selbst anreisen. "Er wird im März nächsten Jahres 90. Für ihn kommt die Auszeichnung leider etwas zu spät."

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