Drama am Freiberger Wasserberg

Ein Wohngebiet unter Schock: Nach einer Gewaltattacke wurde eine dreifache Mutter mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Freiberg/Chemnitz.

Die Ereignisse vom Donnerstagnachmittag sind Stadtgespräch am Wasserberg: Die Polizei hatte am Freitagmittag offiziell die Gewalttat in einem Wohnblock auf der Karl-Kegel-Straße bestätigt. Sie sprach vom "Verdacht einer versuchten Tötung". Dabei soll ein 33-Jähriger bei einer Auseinandersetzung seine Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung des syrischen Paares mehrfach in den Rücken gestochen und die 24-Jährige schwer verletzt haben.

Trotz der schweren Verletzungen konnte das Opfer ins Freie flüchten, ebenso eine Mitarbeiterin des Jugendamtes sowie eine Sozialarbeiterin mit einem Kind der Familie, die während der Tat in der Wohnung waren. Die Behördenmitarbeiterinnen und das Kind wurden demnach nicht verletzt. Doch was sind die Hintergründe der Tat? Am Freitag wurden der Staatsanwaltschaft die Akten vorgelegt, bestätigte Dagmar Riedel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz, auf Anfrage. "Wir stehen ganz am Anfang, arbeiten mit Hochdruck", erklärte sie. Es sei um familiäre Streitigkeiten gegangen. "Jetzt werden unter anderem Spuren gesichert, ärztliche Berichte ausgewertet, um zu klären, ob die Verletzungen der Frau lebensgefährlich sind."

Wie "Freie Presse" erfuhr, kamen Passanten der Schwerverletzten zu Hilfe und verständigten Rettungsdienst und Polizei. Die dreifache Mutter wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Tatverdächtige wurde laut Polizeisprecherin Jana Kindt vor dem Haus festgenommen. Er hatte seine zwei anderen Kinder bei sich. Den Angaben zufolge sind sie ebenfalls unverletzt. Die zwei Jungs und das Mädchen - sie sind zwischen neun Monate und sechs Jahre alt - befinden sich inzwischen in der Obhut des Jugendamtes. Gegen den Familienvater hat das Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Chemnitz Haftbefehl erlassen. Er wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, hieß es von der Polizei.

Zur Situation sowie zum Asylantrag der Familie äußerte sich das Landratsamt mit Hinweis auf den Datenschutz nicht. Nach "Freie Presse"-Informationen lebt die syrische Familie seit vorigem Jahr in der Wohnung in der Karl-Kegel-Straße. "Sie stammen wohl aus der Nähe von Aleppo und sind vor etwa zwei Jahren nach Deutschland geflüchtet", erzählte Monika Gänger. Ahnungslos hatte die Freibergerin vor dem Haus auf die 24-Jährige gewartet. "Ich wollte sie in die Möbelbörse begleiten, denn für die Wohnung sind noch Möbel nötig." Vom Geschehen am Vortag wusste die Freibergerin nach eigenen Worten noch nichts. Sie habe die Flüchtlingsfamilie hin und wieder besucht, sich meist mit der Frau, die eine kurdische Christin sei, unterhalten. Sie und ihr syrischer Mann hätten Deutschkurse besucht. "Vormittags die Frau, nachmittags der Mann. Denn es musste ja immer jemand für die Kinder da sein", sagt Monika Gänger.

Bereits vor einigen Tagen hatte die 24-Jährige laut Staatsanwaltschaft Zuflucht im Frauenhaus gesucht. Am Donnerstagnachmittag habe sie in Begleitung von Behördenmitarbeitern persönliche Sachen aus der Wohnung holen wollen. Dabei eskalierte offenbar die Situation.

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