Gespielte Realität: Leonies Puppe bekommt einen Rollstuhl

Trotz klammer Haushaltskasse erfüllt sich die Bernsbacher Familie der Aktion "Leser helfen" kleine Wünsche zum Weihnachtsfest. Der große Wunsch, ein neues Auto, rückt auch immer näher.

Lauter-Bernsbach.

Die Puppe von Leonie bekommt zu Weihnachten einen Rollstuhl. Das wird die 15-Jährige sicher freuen. Denn das Mädchen sitzt selbst im Rollstuhl, ist geistig und körperlich schwer behindert - aber in ihrer fünfköpfigen Familie bestens aufgehoben.

Mutter Yvonne Pfüller und deren Lebensgefährte Kay Döhner pflegen das Kind, das während der Geburt einen Schlaganfall mit Gehirnblutung erlitt. Die Tragödie belastet die Bernsbacher Familie sehr, zu der noch Nico (5) und der leicht behinderte Sandro (9) gehören. Doch der Mut hat das Quintett nie verlassen. "Wir stehen alles zusammen durch", sagt Yvonne Pfüller. Größter Weihnachtswunsch aller: ein neues Auto, in dem alle Platz haben, und in das auch der Rollstuhl von Leonie reinpasst. Dafür haben Leser der "Freien Presse" bereits fleißig gespendet.

Wahr werden indes schon am Sonntag die kleineren Wünsche der Kinder. "Unsere Jungs schreiben jedes Jahr an den Weihnachtsmann." Und bekommen auch eine "offizielle" Antwort. Dabei darf jeder drei Wünsche äußern - welcher erfüllt wird, bleibt jedoch bis zum Schluss ein Geheimnis. Schmunzeln musste Yvonne Pfüller dieses Jahr: Die Brüder hatten das Kopierpapier der Eltern zum Malen aufgebraucht. "Da stand es bei Sandro auf dem Wunschzettel: Kopierpapier für Mama und Papa."

Lego-Bausatz und ein Spielzeug-staubsauber - das sind Dinge, die trotz Hartz IV finanzierbar sind. Der Rollstuhl für Leonies Puppe war ein Schnäppchen. "Den gab es vor Wochen für 20 Euro im Angebot." Jetzt koste er 60 Euro. "Da muss man findig und zeitig dran sein, dann kommt man auch mit wenig Geld hin", sagt Yvonne Pfüller.

Sie hat sich in diesem Jahr selbst das größte Geschenk gemacht: Vor wenigen Tagen bestand die 38-Jährige die Führerschein-Prüfung. "Das ist der Hit." Denn gern will sie bald wieder arbeiten gehen, um die Haushaltskasse ein bisschen aufzubessern. Partner Kay Döhner ist nur Teilzeit beschäftigt, da er sich nachmittags mit um Leonie kümmert. Sie wiegt 35 Kilogramm, ihre zierliche Mama 50 Kilogramm. "Da fällt mir vieles schwer, ich brauche Hilfe", erklärt Yvonne Pfüller.

Aber gemeinsam stemmen es die Fünf, die Heiligabend in trauter Runde verbringen. "Wir sind unter uns und genießen diesen Tag in vollen Zügen." Aufgetischt wird dann Hasenbraten mit Rotkraut, Sauerkraut und Grünen Klößen.

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