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Justitia.

Foto: Volker Hartmann

Internetbetrüger heuern Helfer an

Weil er bei der Geld- wäsche half, soll ein Mann aus Zschorlau 6000 Euro Strafe zahlen. Er sagt, man habe ihn hereingelegt.

Von Mario Ulbrich
erschienen am 13.10.2017

Aue. Sie warteten vergeblich auf den Angeklagten. Eine Frau, die von Betrügern um ihre Ersparnisse gebracht worden ist, war 400 Kilometer aus Hannover angereist, um gestern als Zeugin in einem Prozess am Amtsgericht Aue auszusagen. Ein Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung einer großen Bank kam 300 Kilometer aus Berlin. Der Angeklagte Martin D. (34), der gleich nebenan in Zschorlau wohnt, erschien nicht. "Es ist traurig, dass er nicht Manns genug ist, sich der Sache zu stellen", sagte die Frau aus Hannover.

Mehr als 7500 Euro haben Internet-Betrüger, deren Identität bis heute unbekannt ist, bei ihr abgezockt. 1740 Euro davon sind über das Konto des Zschorlauers gelaufen, der für seine Beihilfe offenbar eine Provision kassiert hat. Die Staatsanwaltschaft hält ihn der Geldwäsche für schuldig. Der Vertreter der Bank bestätigte vor Gericht, dass es verdächtige Geldein- und -ausgänge auf dem Konto von Martin D. gegeben hat.

Die Frau aus Hannover geriet ins Visier der Betrüger, als sie ein Ölgemälde im Internetauktionshaus Ebay verkaufen wollte. "Es war ein Erbstück von meiner Mutter und zeigte eine Rokoko-Frau", erzählte sie der "Freien Presse". "Gemalt wurde das Bild um 1860. Ich wollte 660 Euro dafür haben." Eine Käuferin aus den USA meldete sich.

Wenige Tage später erhielt die Frau aus Hannover eine Zahlungsbestätigung von der Bank of America. Eine Fälschung, wie sich später herausstellte. Sie schickte das Bild ab - und die Betrüger legten richtig los. Zunächst meldeten sie sich als US-Zoll wegen angeblich fälliger Zollgebühren. Dann erneut als Bank of America wegen Problemen beim Geldtransfer. Die Frau aus Hannover sollte eine Entschädigung erhalten, die aber nur über eine Guthabenkarte ausgezahlt werden könne. Um diese verschicken zu können, seien Versandkosten und Transportversicherung nötig. Dann war plötzlich noch eine Bankgebühr fällig.

Als die Frau Verdacht schöpfte, vermittelte ihr die angebliche Käuferin einen Anwalt, der zuerst Gerichtskosten, dann Honorar haben wollte. Erst beim Anwaltshonorar weigerte sich die Frau.

Dass sie sich dermaßen hinters Licht hat führen lassen, erklärt sie sich heute mit dem emotionalen Loch, in das sie nach dem Tod ihrer Mutter gefallen war. "Ich war psychisch nicht stabil", sagte sie. Um das Gemälde ging es den Tätern nie: Das Paket mit dem Bild kam nach drei Monaten ungeöffnet zurück.

Martin D. aus Zschorlau half bei den Betrügereien mit. Alle Zahlungen an die angebliche Bank of America liefen über sein Konto bei der Deutschen Bank. Die anderen Gelder flossen über andere Konten. Gestern wollte D. dem Gericht eigentlich erklären, dass auch er hereingelegt worden ist. So äußerte er sich jedenfalls bei der Polizei. Als ihm die Staatsanwaltschaft Chemnitz trotzdem einen Strafbefehl über 6000 Euro (150 Tagessätze zu je 40 Euro) schickte, legte er Widerspruch ein.

Dass Betrüger gezielt Normalbürger anheuern, um Geldströme zu verschleiern oder ihr ergaunertes Geld zu waschen, ist nicht neu. Oft werden solche Tätigkeiten als angebliche Nebenjobs über Internetstellenanzeigen vergeben. Wie es bei D. war, blieb ungeklärt, weil er der Verhandlung fernblieb. Richter Detlef Kramer verwarf den Widerspruch des Angeklagten - damit bleibt es bei der Geldstrafe von 6000 Euro wegen Geldwäsche.

 
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