Keine ist so scharf wie Carolina

Nicht nur als frisches Gemüse ist Paprika sehr beliebt. Viele Arten sind zudem als Chili aus der Küche nicht mehr wegzudenken. Auch Jens Bochmann aus Bernsbach widmet sich diesen Früchten leidenschaftlich - nicht nur als Konsument.

Lauter-Bernsbach.

"Carolina Reaper" - das ist der Name der derzeit schärfsten Chilischote der Welt. Ihr Schärfegrad von bis zu 2,2 Millionen Scoville überfordert selbst bei winzigsten Mengen die meisten Menschen. "Die Maßeinheit besagt, dass man in diesem Fall 2,2 Millionen Tropfen Wasser bräuchte, um die Schärfe zu neutralisieren", erklärt Jens Bochmann, der diese Sorte anbaut.

Bereits seit 2004 züchtet der 47-Jährige eigene Chilischoten. Angefangen hat alles damit, dass sich sein Lungenvolumen auf 76 Prozent verringerte. "Durch Heuschnupfen und Asthma hatte ich Wasser in der Lunge", berichtet er. "Mein Chef gab mir damals den Tipp, viel Scharfes zu essen." Der Bernsbacher, der in einem indischen Restaurant arbeitet, vertraute diesem Rat und den Heilkräften der Naturmedizin. Klassische Medikamente der Ärzte lehnte er hingegen ab, da diese zahlreiche Nebenwirkungen wie dauerhafte Müdigkeit aufwiesen. Über das Internet bestellte sich Jens Bochmann daraufhin Chilis und verzehrte sie pur. Mit Erfolg: "Es dauerte etwa fünf Jahre bis mein Lungenvolumen wieder bei 97 Prozent war."

Da die Kosten für die vielen Chilis immer weiter stiegen, hatte Jens Bochmann die Idee, sie selbst anzubauen. "Die ersten Pflanzen habe ich noch im Garten meiner Schwiegermutter gezüchtet", erinnert er sich. 2007 pachtete er schließlich einen eigenen Garten und baute ein Gewächshaus darauf. "Das ist für die Sorten notwendig, für die es in unseren Breitengraden zu kalt ist", erklärt der Bernsbacher. Waren es zu Beginn noch 120 verschiedene Paprikasorten, die in seinem Garten zu finden waren, so hat Bochmann die Anzahl inzwischen auf 20 Sorten reduziert. "Diese schmecken am besten und bringen den größten Ertrag. Mittlerweile kann ich meinen Jahresbedarf decken", berichtet der 47-Jährige. 20 bis 25 Kilogramm Chilis beträgt seine jährliche Ernte.

Im Laufe der Zeit ist das Essen von Chilis für Jens Bochmann wie eine Sucht geworden. "Jeden Tag zu jeder Mahlzeit stehen sie auf dem Speiseplan", gibt er zu. Sogar in den Urlaub nimmt er sie mit. Auch die "Carolina Reaper" isst er pur, allerdings nur in ganz, ganz kleinen Mengen. An einem Schärfewettbewerb möchte er hingegen nicht teilnehmen: "Das ist mir zu riskant." Zudem ist er der Meinung, dass viele Teilnehmer an solchen Veranstaltungen ihre Grenzen nicht kennen und sich überschätzen."

Seit 2006 ist Jens Bochmann auch Mitglied im Chiliclub "Hot-Pain" aus Mering bei Augsburg. Dadurch ist ihm bekannt, dass er in der Region der Einzige ist, der die schärfsten Chilischoten der Welt anbaut. Das lockte auch schon seine Gartennachbarn an, die diese außergewöhnliche Sorte einmal probieren wollten - was den meisten jedoch nicht gut bekam und unangenehme Folgen für Jens Bochmann hatte. "Seitdem sind leider nicht mehr alle gut auf mich zu sprechen", sagte er, nimmt das aber mit Humor.

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