Werbung/Ads
Menü

Themen:

Im Podium zur Diskussionsrunde waren vertreten (von links nach rechts):Aues OB Heinrich Kohl, Theologe Frank Richter und die Journalisten Thomas Liersch ("Freie Presse") und Stefan Locke (FAZ).

Foto: Ralf Wendland

Keinen Riss in der Gesellschaft zulassen

Im Kulturhaus Aue wurde diskutiert, nicht gepöbelt. Obwohl das Thema, Fremdenfeindlichkeit, das Potenzial dazu gehabt hätte.

Von Heike Mann
erschienen am 21.03.2018

Aue. Zwei Halbzeiten à 45 Minuten waren beim Podiumsgespräch "Das Bild des fremdenfeindlichen Ostdeutschen in den Medien" am Montagabend im Kulturhaus Aue zunächst den vier Männern im Podium, dann dem Publikum eingeräumt. Es gab eine Verlängerung, das Fairplay wurde durchgehalten. Im Wesentlichen war man sich einig, dass es keine Veranlassung gibt, an der parlamentarischen Grundordnung in Deutschland zu zweifeln, dass die Ostdeutschen mit mehr Selbstbewusstsein auftreten sollten und dass man keinen Riss in der Gesellschaft zulassen will.

Vor dem Anpfiff erinnerte "Schiedsrichter"/Moderator Tobias Andrä, parteiloser Stadtrat in Aue und Initiator der Veranstaltung, an die Regeln einer Diskussionskultur: "Wer pöbelt, hetzt oder sich rassistisch verhält, wird des Saales verwiesen." Dazu kam es nicht, die Diskussion verlief sachlich. Ein "ruhiger, gelassener, nachdenklicher Abend", von denen sich Theologe Frank Richter, einer der Männer auf dem Podium, möglichst viele wünscht. Mit solchen, so resümierte der zum Publikumsliebling avancierte Richter, könne es gelingen, "die Gesellschaft nicht in den Kampf-Modus treiben zu lassen", wie es von der "neuen Rechten" postuliert werde.

Die erste Halbzeit bestritten Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU), Frank Richter, Thomas Liersch, Lokalchef der "Freien Presse" für Aue/Schwarzenberg, und Stefan Locke, Korrespondent für Sachsen und Thüringen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Bälle in Form von Fragen spielte ihnen Tobias Andrä zu. Welches Bild zeichnen die Medien vom Osten? Fehlen die Zwischentöne, fehlt die Differenzierung? Ist es klischeehaft? Es sei nicht Aufgabe der Medien, Klischees zu bedienen, sagte Thomas Liersch. "Wir tragen dazu bei, Klischees aufzubrechen, indem wir Fakten zusammentragen, informieren und zur Meinungsbildung beitragen." Bevor man über das Bild in den Medien spreche, sollte man die Wirklichkeit betrachten, meinte Frank Richter. Er sei weit davon entfernt, etwas zu dramatisieren. Ihm sei die Darstellung der Wirklichkeit in den Medien oft "wohlfeil, zu einseitig, zu billig." Er warnt aber vor einer Reaktion des Beleidigtseins, appelliert eher daran, selbstbewusst darauf zu schauen, was gut ist.

Auftakt zur zweiten Halbzeit war der Redebeitrag von Thomas Witte, Vorsitzender des Vereins Heimattreue aus Niederdorf. Ihm ging es darum, dass der Erzgebirger skeptisch gegenüber allem Fremden sei. Fremdenfeindlichkeit sei aber nicht gleich Ausländerfeindlichkeit. Seiner Ansicht nach werde zurzeit jeder, der etwas gegen die aktuelle Politik sagt, als Extremist eingestuft. Witte selbst wird vom Verfassungsschutz beobachtet. "Der Osten hat rechts gewählt, nachdem die AfD die Positionen aufgenommen hat, die die CDU verlassen hat", sagte er. Aues OB Kohl glaubt "ernsthaft, dass bei allen angekommen ist, dass man an der Situation etwas ändern muss". Ob fremdenfeindlich oder ausländerfeindlich - Frank Richter betonte, dass er gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit sei.

Das Vertrauen, dass die Leser mit einem Abonnement der Zeitung entgegenbringen, will man ernst nehmen, versicherte Thomas Liersch. Eine gesunde Skepsis sei im Osten besonders ausgeprägt, hier sei man nicht so "obrigkeitshörig". "Wir wollen nicht nur Vorurteile bestätigen lassen, haben ein offenes Ohr dafür, was die Gegenseite sagt, damit man der Wahrheit näher kommt", sagte er.

Eine Vorlage von André Harzer, für die Freien Wähler Stadtrat in Aue, zu den Ursachen von rechten Tendenzen im Osten, nutzte Stefan Locke. Erfahrungen seiner journalistischen Arbeit würden tatsächlich deutlich machen, dass Politiker oft davon nichts wüssten. Dennoch rechtfertigten die Ursachen nicht ausländerfeindliche Anschläge oder Attacken gegen Andersdenkende.

Gewinner oder Verlierer gab es an diesem Abend im Kulturhaus Aue nicht. Als wohltuend bezeichnete Dunja Schulze aus Schwarzenberg das "sehr kluge und differenzierte Herangehen" der Diskussionsteilnehmer an die gestellten Fragen.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
1
Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 21.03.2018
    04:23 Uhr

    aussaugerges: Das ist kein ?iß,das ist ein tiefer Graben und wird immer Größer.

    2 7
     

Lesen Sie auch

Bildergalerien
  • 19.04.2018
Uwe Mann
Ende einer Ära: Abschied von Ingrid Mössinger

Am Freitag macht Chemnitz sie zur Ehrenbürgerin: Ingrid Mössinger. Die Museumschefin geht. Nach fast 22?Jahren. ... Galerie anschauen

 
  • 18.04.2018
Mario Ulbrich
Leichenfund in Aue

Im Bereich der Erdmann-Kircheis-Straße in Aue ist am Mittwochvormittag eine Leiche gefunden worden. ... Galerie anschauen

 
  • 18.04.2018
Harry Härtel
Großrazzia: Auch Bordelle in Chemnitz und Zwickau durchsucht

Bei einer bundesweiten Großrazzia der Bundespolizei sind am Mittwochvormittag auch zwei Bordelle in Chemnitz und Zwickau durchsucht worden. ... Galerie anschauen

 
  • 14.04.2018
Härtelpress
CFC verliert gegen Meppen

Der Chemnitzer FC hat wenige Tage nach dem Insolvenzantrag den nächsten Rückschlag hinnehmen müssen. Am Samstag verloren die Sachsen ihr Heimspiel gegen den SV Meppen 1:2 (0:1). ... Galerie anschauen


 
 
 
Wetteraussichten für Aue
Mo

21 °C
Di

21 °C
Mi

20 °C
Do

17 °C
Fr

16 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schneeberger Str. 17
Telefon: 03771 594-0
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
Neu
Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

Zum Facebook-Auftritt

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm