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Merlina (rechts), ihr Bruder Torkyl und ihre Mama Melanie sind ein starkes Team. Nun wird Merlina trotz ihrer schweren Behinderung bald ausziehen.

Foto: Anna Neef

Merlina freut sich auf ihr neues Leben

Das schwer behinderte Mädchen aus Zwönitz ist nun 18 Jahre alt und zieht bald zu Hause aus. Eine ganz besondere Reise zu tierischen Therapeuten mit Flossen soll zudem ein Trauma auflösen.

Von Anna Neef
erschienen am 10.01.2018

Zwönitz. Merlina ist mürrisch an diesem Morgen. Sie wirft den Kopf zur Seite, grummelt etwas. Dabei konnte sie ausschlafen. Kurz darauf, beim Frühstück mit Marmeladenbrot und Kakao, ist aber alles wieder gut. Melanie Kröpfl schaut zu ihrer Tochter und lächelt. Bald frühstückt die 18-Jährige in ihren eigenen vier Wänden. Auf Hilfe ist Merlina dann trotzdem angewiesen. Rund um die Uhr. "Aber sie freut sich auf diesen neuen Lebensabschnitt", sagt die Mama.

Merlina ist geistig und körperlich schwer behindert. Sie kann nicht richtig sprechen. Beim Laufen benötigt sie ebenso große Hilfe wie beim Essen und allen anderen Dingen, die für gesunde 18-Jährige ein Klacks sind. Dennoch zieht Merlina aus. "Das wird eine ganz neue Situation. Für uns alle", sagt ihre Mutter. Die 39-Jährige lebt mit ihrer Tochter und Sohn Torkyl (4) in einem liebevoll eingerichteten Haus am Rande von Zwönitz. Der Junge muss wegen seiner Schwester, die viel Aufmerksamkeit braucht, oft zurückstecken. Aber er ist aufgeweckt und fröhlich, kennt es nicht anders. Neufundländer Tjok, ein schwarzer Fellriese mit sanftem Gemüt, liegt vor der Tür und bewacht das Trio sorgsam.

"Erwachsene Kinder werden flügge", sagt Melanie Kröpfl. Warum solle das bei Merlina anders sein? Sie ist aufgrund einer sehr seltenen Chromosomenveränderung behindert. Doch unterkriegen ließ sich ihre Mutter, die Ergotherapeutin mit eigener Praxis und vier Mitarbeitern, nie. Im Gegenteil. "Ich habe für Merlina gekämpft." Und um so ziemlich alles gestritten: um den Integrationsplatz mit Einzelbetreuung in der Waldorfschule, um Therapien, um das Schultaxi, um Pflegestufe 3 und auch um den bevorstehenden Einzug in eine Wohngemeinschaft unter Regie der Lebenshilfe Stollberg. "Es ist traurig, dass man um all das so hart kämpfen muss. Viele stehen das nicht durch und geben auf", sagt die Zwönitzerin.

Aufgeben war nie eine Option. Im April geht die Familie auf Reise: zur Delfintherapie nach Curaçao. Schon als Kind hat Merlina innerhalb von sechs Jahren sechs solcher Therapien erhalten und laut ihrer Mutter stets merklich davon profitiert. Die Suche nach Spendern - um die 5000 Euro kostet eine Therapie - lief auch über die Zeitung. "Viele Menschen halfen. Wir sind unendlich dankbar dafür", so Kröpfl. Durch Einzelspenden, Benefizkonzerte, Kuchenbasare und treue Unterstützer wie Brigitte Leichsenring vom Auer Tchibo-Shop, die bis Geschäftsschluss Ende 2017 eine Sammelbox für Merlina auf der Ladentheke stehen hatte, konnte das Mädchen mit "seinem" Delfin schwimmen. Bis Nemo starb. "Wir fuhren dennoch hin. Das war ein Fehler." Denn die Bindung zwischen Mensch und Delfin war so intensiv, dass sich Merlina an keinen neuen Partner im Wasser gewöhnen konnte und um Nemo trauerte. "Diese negative Erfahrung soll nicht so stehen bleiben. Daher versuchen wir es nun erneut." Auch Torkyl fährt mit. "Er besucht ein Geschwisterprogramm."

Nur über Gesten und Blickkontakt teilt sich Merlina mit. Sie spielt gern Schlagzeug, liebt Musik, die Reittherapie und das Trampolinspringen. Dabei war die Hoffnung der Ärzte gering: Merlina würde nie laufen, nie essen, nie sitzen können und nicht älter als ein Jahr. "Angesichts dieser Prognose sind wir doch sehr weit gekommen", sagt Melanie Kröpfl. Sie ist sicher, dass ihre Tochter vieles wahrnimmt und sich in der WG wohlfühlen wird. "Das Probewohnen lief super. Der Auszug bedeutet für sie wieder einen Schritt nach vorn."

Ganz wichtig dabei: ein fester Ablauf mit externer Tagesstruktur, sprich keinen Tag nur in der Bude hocken. "Sonst geht Merlina ein." Noch ein Jahr geht sie zur Schule, zweimal pro Woche soll sie auch danach wie schon jetzt einen heilpädagogischen Hof besuchen. Und Besuch bekommt sie von ihren Lieben sicher ganz oft.

Wer für Merlinas Delfintherapie spenden will: Stadtsparkasse Düsseldorf, Verein "Dolphin Aid", Verwendungszweck "Merlina Kröpfl", DE 86 3005 0110 0020 0022 00.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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