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Radfahrer täuscht Unfall vor - und muss ins Gefängnis

Ein Mann fuhr in Aue bei Rot über die Ampel, fiel und verletzte sich schwer. Aus Angst vor einer Strafe schob er einem Autofahrer die Schuld zu. Doch ein Patzer entlarvte seine Geschichte als Lüge.

Von Jürgen Freitag
erschienen am 07.07.2017

Aue/Schneeberg. Endlich mal Zeit zum Lesen. Weil der Angeklagte bei seinem Verhandlungstermin im Auer Amtsgericht gestern etwas länger auf sich warten ließ, fand die Staatsanwältin die nötige Ruhe, um in der Zeitung zu schmökern. Fünf Minuten vergingen, dann zehn. Nach einer halben Stunde - die Staatsanwältin war auf den hinteren Seiten angelangt - konnte der Prozess dann doch noch beginnen. Der Richter hatte zwei Polizisten zur Wohnung des Angeklagten geschickt, die ihn eskortierten. "Er schlief noch", sagte einer der Beamten beim Betreten des Gerichtssaals. Der Mann - 27Jahre, ledig, lebt von Hartz IV - ließ sich von der Aufregung um seine Person nicht beirren. "Morgen!", rief er heiter in die Runde. Sichtbar trug er sein Tattoo mit dem Wort ACAB für "All cops are bastards", übersetzt "Alle Polizisten sind Bastarde".

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine Straftat erfunden zu haben. Vor Polizisten hatte er im vergangenen Jahr ausgesagt, am 20. Oktober an der Kreuzung am Carolateich in Aue vom Fahrrad gestürzt zu sein. Ein Auto habe ihn von hinten gerammt. Doch diese Aussage ist laut Anklage eine Lüge. Der Vorwurf: Tatsächlich raste der Mann mit seinem Rad den Brünlasberg hinab, stoppte nicht an einer roten Ampel und stürzte über einen Bordstein. Er hatte versucht, einem Auto auszuweichen, das Vorfahrt hatte. Dabei verletzte er sich so schwer am Bein, dass er ins Krankenhaus musste.

Der Angeklagte gestand die Lüge gleich zu Prozessbeginn. Er sagte: "Mir ist keiner draufgefahren. Vom Vortäuschen einer Straftat würde ich aber nicht sprechen. Ich wollte ja nicht in Öffentlichkeit verfolgt werden." Der Richter erwiderte: "Das nennt man Vortäuschen." Aufgeflogen war die Geschichte, weil er sich im Krankenhaus verplapperte. Einem Kumpel hatte er am Telefon lautstark vom tatsächlichen Unfallhergang berichtet. Sein Zimmernachbar hörte mit und meldete ihn. "Ich hatte Angst, dass ich wegen des Unfalls eine Geldstrafe zahlen soll", erklärte sich der Angeklagte.

Die Staatsanwältin forderte daraufhin eine Strafe über 1365 Euro wegen Vortäuschens einer Straftat - und eines weiteren Delikts. Im Februar dieses Jahres hatte ihn die Polizei in Schneeberg mit Marihuana erwischt. Der Richter ging jedoch über die Forderung hinaus und verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von 3 Monaten und 2 Wochen - ohne Bewährung. Der Grund: Der Angeklagte hat bereits 18 Vorstrafen gesammelt, die erste mit 15 Jahren. Darunter sind Delikte wie Diebstahl, Betrug, Hausfriedensbruch und sexueller Missbrauchs von Kindern; derzeit steht er unter Bewährung. "Ich kann deshalb nicht von einer günstigen Sozialprognose ausgehen", sagte der Richter. Der Anwalt des Angeklagten kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.

 
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