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Radon zwingt Bauherren zum Handeln

Das neue Strahlenschutzgesetz schreibt erstmals Schutzmaßnahmen beim Wohnungsneubau vor. Das Erzgebirge wird es treffen. Das Ausmaß ist unklar.

Von Mario Ulbrich
erschienen am 16.04.2018

Aue/Schwarzenberg. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Grünhain-Beierfeld haben einen ungeplanten Umzug hinter sich. Seit kurzem sind sie in der Beierfelder Poliklinik anzutreffen. In ihren Räumen im Rathauskeller war die Luft zu dick geworden. Dort herrschten erhöhte Radonwerte. "Wir haben uns zwei Messgeräte gekauft und einfach mal kontrolliert", sagt Bürgermeister Joachim Rudler (CDU).

Das radioaktive Edelgas, das aus dem geologischen Untergrund austritt und sich in der Raumluft sammeln kann, gilt nach Tabakrauch als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. "Solche Messungen machen wir jetzt in allen öffentlichen Gebäuden, in denen sich Menschen dauerhaft aufhalten", sagt Rudler.

Damit setzt Grünhain-Beierfeld bereits um, was das vor einem Jahr beschlossene neue Strahlenschutzgesetz künftig zwingend vorschreibt: Arbeitsplätze, die im Erdgeschoss oder Keller liegen, müssen auf Radonkonzentrationen untersucht werden, um gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu treffen. Bei neuen Häusern sind Schutzmaßnahmen künftig von vornherein einzubauen, wenn sich das Gebäude in einem Gebiet mit erhöhtem Radonpotenzial befindet. Das Erzgebirge gehört dazu. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geht davon aus, dass 20 Prozent der hiesigen Gebäude den im Gesetz festgelegten Grenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft überschreiten.

Auf Bauherren kommen also Mehrkosten zu. Welche genau, ist noch unklar. "Bislang existieren keine verbindlichen Rechtsgrundlagen", sagt André Beuthner, Sprecher des Erzgebirgskreises. Dem Referat Bauaufsicht wird es obliegen, Bauherren auf die neuen Regeln hinzuweisen. Die dafür nötige Rechtsverordnung lässt aber auf sich warten.

Nach Angaben des BfS muss auf Baugrundstücken künftig die Radonkonzentration in der Bodenluft untersucht werden. Liegt diese unter 20 Kilobecquerel pro Kubikmeter, bieten übliche Hausdämmungen gegen Feuchtigkeit einen ausreichenden Schutz. Übersteigt die Konzentration 20 Kilobecquerel pro Kubikmeter, müssen weitergehende Maßnahmen wie der Einbau von Radonschutzfolien oder Radondrainagen in Betracht gezogen werden. Auf ihrem Geoportal im Internet gibt die Behörde Prognosen zu erwarteten Radonkonzentrationen. Zwönitz ist mit 17 Kilobecquerel die einzige Kommune im Erzgebirge, die den Wert unterschreitet, ab dem baulicher Radonschutz empfohlen wird. Stollberg liegt bei 110, Annaberg, Marienberg und Olbernhau bei 170, Zschopau bei 140, Schwarzenberg bei 70 und Aue bei 200 Kilobecquerel. Einer der Spitzenreiter ist Eibenstock mit 593 Kilobecquerel pro Kubikmeter Bodenluft.

Allerdings weist die Behörde darauf hin, dass diese Werte lediglich Hochrechnungen sind. Um zu entscheiden, wo der Einbau eines Radonschutzes tatsächlich notwendig ist, bedürfe es der konkreten Einzelfallprüfung am Bauplatz. Solch eine Messung kostet je nach Grundstücksgröße ein paar Hundert Euro.

Bad Schlema gilt als Radonhochburg im Erzgebirge. Aber nicht überall in Schlema besteht Radongefahr. Als neuralgisches Gelände hat sich das Wohngebiet am Toelleberg herauskristallisiert. Die kommunale Wohnungsgesellschaft hat dort gemeinsam mit der Wismut eine Absaugvorrichtung entwickelt, welche die alten Schornsteine der Häuser nutzt, um Radon aus den Kellern zu saugen. "Außerdem installieren wir vor jedem Neubezug Lüfter in den Wohnungen", sagt Geschäftsführerin Katrin Dörfelt. Radonfolien hingegen hätten sich am Toelleberg als unzulänglich erwiesen.

www.freiepresse.de/radonkarte

 
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