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Ein Bus auf der Strecke von Schneeberg nach Aue. Vor allem auf den Linien zwischen diesen beiden Städten gibt es Fahrgästen zufolge regelmäßig Probleme mit Migranten.

Foto: Ralf Wendland

Rassismus im Bus: Jetzt reden Fahrgäste

Der Vorwurf der Grünen, Busfahrer würden Migranten schikanieren, sorgt für Bestürzung unter Passagieren. Einige berichten hier, was sie selbst erlebt haben.

Von Mario Ulbrich
erschienen am 26.04.2017

Aue/Schneeberg. Monika Lorenz (66) spricht von Rufmord. Die Rentnerin hat 27 Jahre im öffentlichen Nahverkehr gearbeitet. Erst im volkseigenen Betrieb, dann bei der BVO, schließlich beim RVE. Sie sei "ein Kind des Kraftverkehrs", sagt sie. Als Angestellte in der Lohnbuchhaltung kennt sie den Namen jedes Busfahrers des Regionalverkehrs Erzgebirge, viele von ihnen kennt sie persönlich. Daher sei sie entsetzt gewesen, als sie von dem Vorwurf der Grünen erfahren hat, Busfahrer würden Migranten schikanieren.

"So was tun meine Fahrer nicht", ist Lorenz überzeugt. "Sie wissen, dass sie korrekt sein müssen. Wenn sie einen gültigen Fahrschein nicht akzeptieren, und es kommt heraus, verlieren sie ihren Job." Die Grünen wüssten nicht, wovon sie da reden.

In einer Anfrage an die Kreisverwaltung hatte Kreisrätin Ulrike Kahl "latenten Alltagsrassismus" im Erzgebirge beklagt. Busse würden nicht stoppen, wenn an der Haltestelle Flüchtlinge stehen. Ausländer würden abgewiesen, gültige Fahrscheine für ungültig erklärt. Solche Geschichten wollen die Grünen von Flüchtlingshelfern erfahren haben.

RVE-Geschäftsführer Roland Richter hingegen berichtete von Betrugsversuchen durch Migranten. Weisen Busfahrer die manipulierten Tickets zurück, würden sie beschimpft und bedroht. Monika Lorenz, die häufig zwischen Schneeberg und Aue im Bus unterwegs ist, sagt, sie selbst habe erlebt, dass Flüchtlinge mit ungültigen Billetts fahren wollen. Manchmal seien sie vom Fahrer durchgewunken worden. "Ich sage dann immer: Junge, das geht nicht, du musst kassieren."

Doch das ist leicht gesagt. Ein Fahrgast aus Alberoda erzählt, dass die Fahrer allein gegen Gruppen von Migranten stehen und schwerste Beleidigungen erdulden müssen. "Ich bewundere die Fahrer, weil sie trotzdem immer wieder ihren Dienst antreten", sagt er. "Ich denke, die Angst durch das, was man erlebt, muss man auch mal ansprechen."

Sein Name soll in diesem Artikel nicht genannt werden, denn auch er habe Angst und müsse den Bus fast täglich nutzen. "Ich selbst wurde von ausländischen Mitbürgern mehrfach beleidigt und bedroht. Als ihre Fahrscheine nicht akzeptiert wurden, haben sie den Fahrer und die Einheimischen im Bus als Nazi-Schweine beschimpft. Man müsse uns alle aufhängen." In diesem konkreten Fall hätten sich andere fremdsprachige Personen eingemischt und zur Beruhigung beigetragen.

Einen Vorfall, dessen Zeuge er gewesen sei, beschreibt er so: Mehrere junge Flüchtlinge stürmten ohne zu bezahlen am Fahrer vorbei und stießen dabei auch einen Mann auf Krücken aus dem Weg, der ihnen nicht rechtzeitig ausweichen konnte.

Eine Frau aus Aue (63) berichtet über einen Trick, den Migranten ihren Beobachtungen zufolge auf der Strecke zwischen Aue und Schneeberg häufig anwenden: "Einer steigt ein und zahlt. Dann läuft er zur Mitte und schiebt den Fahrschein durch die Gummilasche der Zieharmonikatür seinem Kumpel zu, der draußen wartet." Sagt der Fahrer etwas, werde er als Nazi tituliert. "An einen Satz erinnere ich mich gut: Nur Allah hat Recht, du bist ein Nichts." Sie selbst habe von Fahrern eingezogene Fahrscheine gesehen, in denen herumradiert worden sei und Daten mit Kuli verändert worden seien. Sie fragt: "Wieso soll man sowas zulassen? Ich muss doch auch bezahlen."

Monika Lorenz, die langjährige Mitarbeiterin der RVE, hat eine Ahnung, woher der Vorwurf kommt, Busfahrer würden Migranten an Haltestellen ignorieren. "Manchmal stehen die weit neben der Haltestelle, oder sie laufen an der Straße entlang. Woher soll der Fahrer da wissen, dass sie mitmöchten?"

Tobias Andrä, Lehrkraft aus Aue, hat im Sommer 2016 mehrere Wochen lang unbegleitete minderjährige Ausländer, sogenannte Umas, betreut. "Wir nutzten jeden Tag Busse der RVE und Züge der Erzgebirgsbahn. Nicht einmal gab es Probleme mit dem Personal. Zweimal gelang es uns nur dank der Busfahrer, unseren Zug nach Chemnitz zu erreichen. Bevor man einen Shitstorm lostritt und die Rassismuskeule schwingt, sollte vorab die bunte Brille abgesetzt werden, um die Realität nicht verzerrt wahrzunehmen."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
3
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 27.04.2017
    07:46 Uhr

    Vandanser: Man sollte doch den "Grünen" nicht soviel Beachtung schenken. Was ist bei denen denn noch "grünn"? Früher wars mal die Umwelt, heute hängen die sich überall mit rein. Die sollten sich mal an ihre Wurzeln zurückerinner und sich nicht um Dinge kümmern für deren Lösung andere zuständig sind. Diese Truppe hat für mich verspielt und kann in der Versenkung verschwinden. Hoffendlich für immer!!!!!

    1 11
     
  • 27.04.2017
    06:15 Uhr

    BlackSheep: Ein sehr guter und erhrlicher Artikel. Ich finde auch die Vielzahl der geschilderten Probleme mit den Migranten interessant.

    0 12
     
  • 26.04.2017
    18:39 Uhr

    Steuerzahler: Das Grundproblem scheint wie bei diesem Flüchtlingsthema so oft der antagonistisch anmutende Widerspruch zwischen grüner Ideologie und der Realität zu sein. Unverantwortlich gegenüber des Busfahrern.

    0 18
     

 
 
 
 
 
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