Scharfe Showgirls und ein Opern-Tenor

Das Frühlingskonzert des Bergmusikkorps der Bergstadt Schneeberg bot neben gediegenen Noten auch reichlich Tanz-Erotik für ausgehungerte Männeraugen.

SCHNEEBERG.

Den meisten Beifall bekam am Schluss Anton Günthers Lied "Deitsch on frei wolln mer sei". Am niedlichsten wiederum war die Kindergruppe des Schneeberger Tanzprojekts "Keen on Rhythm" in ihren Regenumhängen und mit Regenschirmchen. Die Kleinen drehten sich putzmunter zum Song "Singing in the Rain".

"Mit Swing und guter Laune" war das Frühlingskonzert des Musikkorps der Bergstadt Schneeberg am Samstagabend im Kulturzentrum "Goldne Sonne" überschrieben. 30 Nummern in zwei Stunden - da kam keine Langeweile auf. Landesbergmusikdirektor Jens Bretschneider und das prächtig aufspielende Orchester begannen zackig mit einem Fliegermarsch. Moderator Rudolf Sack, ein kundiger Hobby-Astronom mit begeistertem Blick nach oben, gab passend zum Fliegermarsch den astronomischen Frühlingsanfang bekannt: "Der Frühling beginnt am 20. März, 17.14 MEZ."

Eine Besonderheit des Programms war der Dixi-Posaunenexpress mit vier Posaunisten aus dem Orchester als Solisten. Viel Beifall ernteten die James-Last-Hits. Melodische Weltklasse ist die Musik Emmerich Kálmáns. Das Walzerpotpourri mit herrlichen Melodien aus der Operette "Die Csardasfürstin" brachte den Saal zum Schunkeln.

Der bemerkenswerteste Gesangssolist war Torsten Schäpan. Er sang auch ein Udo-Jürgens-Medley. Der lyrische Tenor, Moderator und Entertainer, Jahrgang 1964, ist Mitglied des Staatsopernchores der Semperoper, ein Mann der kleinen Rollen wie die des 1. Gefangenen in Beethovens Befreiungs-Oper "Fidelio". Man hörte ihn in der Dresdner Staatsoper in Lehárs Operette "Die lustige Witwe" oder Dvoráks Oper "Rusalka". Begonnen hatte er nach dem Studium am Metropol-Theater in Berlin. Torsten Schäpan sang auch das beliebte trunkene Chianti-Lied, aber Moderator Rudolf Sack goss etwas Wasser in den Wein. Er scherzte, der Komponist Gerhard Winkler sei Geldeintreiber bei der Gema gewesen.

Katja Reicherts Showgirls vom Schneeberger Tanzprojekt "Keen on Rhythm" lieferten eine schmissige Hommage an den Berliner Friedrichstadtpalast, das bedeutendste Revuetheater der DDR. Die Schneeberger Girls sind vielseitig, tanzen klassisches Ballett, Jazzdance und Modern Dance. Im Januar verschönten die Tänzerinnen die Grüne Woche in Berlin. Bald gastieren sie in Japan.

Trotz allen Drumherums blieb das Orchester der Mittelpunkt. Das Niveau des Klangkörpers zeigte sich auch bei der Ouvertüre "Euch zur Freude" von Erhard Kaufmann. Seit 1965 spielt das Schneeberger Blasorchester schon, anfangs als kleines Orchester, und stieg 2001 zum Landesbergmusikkorps Sachsen auf, damals noch unter Dirigent und Komponist Hermann Schröder.

Ohne das Marschlied "Glück Auf, der Steiger kommt" geht natürlich kein Konzert des Landesbergmusikkorps Sachsen zu Ende. Auch diesmal nicht. Das Publikum stand auf und klatschte mit.

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